Die Entscheidung des saarländischen Umweltministeriums, das Planfeststellungsverfahren für die geplante Ortsumgehung der B-423-Umgehung bei Schwarzenbach und Schwarzenacker einzustellen (wir berichteten), markiert einen Wendepunkt für eines der umstrittensten Verkehrsprojekte Homburgs. Entsprechend vielschichtig fallen die Reaktionen aus. Während die Stadtspitze vor allem die neu gewonnene Planungssicherheit betont, sehen politische Akteure darin das Ende eines Projekts, das aus ihrer Sicht nicht mehr in die Zeit passt.

Für Oberbürgermeister Michael Forster kommt die Entscheidung der Landesregierung nicht überraschend. Er verweist darauf, dass sich in den vergangenen Jahren zunehmend abgezeichnet habe, wie schwierig eine Umsetzung der ursprünglichen Planung werden würde. Gleichzeitig macht Forster deutlich, dass die Entscheidung auch ambivalente Gefühle auslöst. Insbesondere mit Blick auf die Bürger im Süden der Stadt äußert er Bedauern darüber, dass „ein über Jahrzehnte von vielen engagiert vorangetriebenes Projekt nun erkennbar vor dem Scheitern steht“.
Aus Sicht der Stadt eröffnet die Einstellung des Verfahrens jedoch neue Spielräume. „Insbesondere im Bereich der Stadtplanung haben wir jetzt erst einmal Klarheit“, sagt Forster. Das gelte vor allem für größere Entwicklungsprojekte wie die Revitalisierung des ehemaligen DSD-Geländes, das unter dem Namen „Coeur“ zu einem neuen Stadtquartier werden soll. Die jahrelange Unsicherheit über den möglichen Verlauf der Umgehungsstraße habe dort immer wieder planerische Einschränkungen nach sich gezogen.
Zugleich unterstreicht der Oberbürgermeister, dass die Auseinandersetzung um die B-423-Umgehung weit mehr gewesen sei als eine rein technische Debatte. Über viele Jahre hätten sich Kommunalpolitiker unterschiedlichster politischer Richtungen mit großem Engagement für das Projekt eingesetzt. Dieses Engagement verdiene Anerkennung, auch wenn die aktuelle Entscheidung für viele Beteiligte enttäuschend sei. Bei einem nüchternen Blick auf die veränderten Rahmenbedingungen komme man jedoch nicht umhin festzustellen, „dass das Projekt aus den unterschiedlichsten Gründen aus der Zeit gefallen ist“. Neue Faktoren wie die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Homburg und Zweibrücken hätten die verkehrspolitische Ausgangslage grundlegend verändert und eine Umsetzung in der ursprünglich geplanten Form zunehmend unwahrscheinlich gemacht.
Vor diesem Hintergrund spricht sich Forster dafür aus, auch die formale Ebene neu zu bewerten. Aus seiner Sicht sei es konsequent, die Ortsumgehung aus dem Bundesverkehrswegeplan zu streichen. „Wenn wir uns ehrlich machen, gibt es keine stichhaltigen Gründe mehr dafür, an einer nicht nur aus meiner Sicht überholten Planung festzuhalten und in diese weiterhin Energie und Finanzmittel zu investieren.“ Er setzt darauf, dass sich auch die politischen Gremien der Stadt – allen voran der Stadtrat – mit dieser Einschätzung auseinandersetzen und eine entsprechende Position entwickeln werden.

Deutliche Zustimmung kommt von Bündnis 90/Die Grünen in Homburg. Der Stadtverband bezeichnet das Ende der Planung als konsequenten Schritt. Sprecherin Katrin Lauer spricht von einem „Relikt vergangener Verkehrspolitik“, das erhebliche Eingriffe in Natur und Lebensqualität bedeutet hätte – ohne erkennbaren Nutzen. Besonders die Mastau als ökologisch sensibler Raum und Retentionsfläche bei Hochwasser sei durch das Projekt gefährdet gewesen, betont ihr Sprecherkollege Andreas Filler. Rückendeckung erhält das Ende der Planung auch vom Kreisverband Saarpfalz der Grünen. Co-Vorsitzende Lisa Becker sieht in der Entscheidung eine Bestätigung für langjähriges Engagement von Bürgerinitiativen und Naturschutzverbänden. Die geplante Trasse hätte aus ihrer Sicht massive Eingriffe in wertvolle Natur- und Erholungsräume bedeutet.

Auch die Linksfraktion im Homburger Stadtrat begrüßt die Entscheidung. Fraktionsvorsitzende Barbara Spaniol bezeichnet das Aus für die Umgehungsstraße als folgerichtig. Investitionen seien aus ihrer Sicht besser im öffentlichen Nahverkehr sowie in die Sanierung bestehender Straßen und Brücken aufgehoben als in neue, „aus der Zeit gefallene Verkehrsplanungen“. Die anstehende Bahnreaktivierung biete nun echte Chancen für eine nachhaltige Mobilitätsentwicklung in der Region.
Weitere Stellungnahmen aus den Fraktionen des Homburger Stadtrats lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht vor. Hintergrund ist eine parallel stattfindende Stadtratssitzung. Entsprechende Reaktionen werden ergänzt, sobald sie vorliegen.
Update 16.01.2026 – 15:45 Uhr: Weitere Stimmen aus Schwarzenbach, Politik und Naturschutz
Als direkt betroffener Ortsteil hat sich inzwischen auch der Ortsvorsteher von Schwarzenbach geäußert. Patrick Riehmer reagiert auf die Entscheidung mit gemischten Gefühlen. „Als Ortsvorsteher bedauere ich diese Entscheidung natürlich“, sagte Riehmer gegenüber Homburg1. „Aus ökologischer und ökonomischer Sicht kann ich sie aber nachvollziehen.“
Zugleich äußerte Riehmer Zweifel daran, ob die geplante Trasse tatsächlich die erhoffte Entlastung gebracht hätte. „Fraglich wäre gewesen, ob diese ,Umgehung‘ von ihrer Planung her überhaupt den gewünschten Effekt erzielt hätte“, so der Ortsvorsteher. Aus seiner Sicht habe es sich weniger um eine klassische Umgehungsstraße gehandelt als vielmehr um eine zusätzliche Verkehrsroute. „Letztlich entscheidet jeder Fahrer selbst, welche Strecke er bevorzugt.“ Trotz der aktuellen Entscheidung hoffe er, dass perspektivisch ein neues Planungsverfahren geprüft werden könne.

Auch das Bündnis für Homburg begrüßt die Einstellung des Planfeststellungsverfahrens. Fraktionsvorsitzender Markus Loew spricht von einem wichtigen Signal, auch wenn das Projekt formal weiterhin Teil der Bundesverkehrsplanung sei. Kritisch bewertet das BFH insbesondere die geplante Trassenführung durch hochwassergefährdete Gebiete sowie die Nähe zum vorgesehenen Wohn- und Gewerbequartier „Coeur“. Diese Kombination berge aus Sicht der Fraktion erhebliche Nutzungskonflikte und langfristige Folgekosten. Zudem hätten sich die verkehrlichen Rahmenbedingungen seit den ursprünglichen Planungen deutlich verändert, etwa durch strukturellen Wandel und veränderte Verkehrsströme. Gegenüber Homburg1 betont Loew: „Die Einstellung des Verfahrens zeigt, dass dieses Projekt mit erheblichen planerischen und sachlichen Problemen verbunden ist.“ Der Neubau der B 423 neu sei aus Sicht des Bündnisses weder verkehrlich noch städtebaulich zukunftsfähig. Ziel bleibe eine dauerhafte Beendigung der Planungen und eine Streichung aus den übergeordneten Planwerken.
Deutliche Zustimmung kommt darüber hinaus vom BUND Saar und seiner Regionalgruppe Bliesgau. Der Umweltverband sieht in der Einstellung des Verfahrens einen Erfolg langjährigen Engagements von Naturschutzverbänden und Bürgerinitiativen. Die Mastau sei ein wichtiger Lebensraum für geschützte Arten wie Wildkatze, Fischotter und Schwarzstorch sowie eine bedeutende Retentionsfläche bei Hochwasser. Eine zusätzliche Versiegelung hätte aus Sicht des BUND erhebliche Risiken für den Hochwasserschutz in Homburg-Süd und die Kanalisation mit sich gebracht. Der Verband fordert, die geplante Trasse konsequent aus dem Landesentwicklungsplan sowie dem Bundesverkehrswegeplan zu streichen und die Mastau dauerhaft für Natur-, Klima- und Hochwasserschutz zu sichern.

Foto: Markus Uhl
Kritik an der Entscheidung kommt aus der CDU. In einer gemeinsamen Stellungnahme bewerten die CDU-Stadtratsfraktion und der CDU-Stadtverband Homburg die Einstellung des Planfeststellungsverfahrens als Rückschlag für die Verkehrspolitik in Homburg und der Region. Insbesondere für die betroffenen Stadtteile Schwarzenbach, Schwarzenacker und Einöd sei über Jahre hinweg eine spürbare Entlastung vom Durchgangsverkehr in Aussicht gestellt worden, ohne dass nun eine erkennbare Alternative benannt werde. Der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Homburg, Markus Uhl, erklärte gegenüber Homburg1: „Die Menschen vor Ort haben über Jahrzehnte hinweg Geduld bewiesen und auf politische Zusagen vertraut. Die Einstellung des Verfahrens ohne ein Alternativkonzept ist daher bedauerlich.“ Zwar hätten sich die Rahmenbedingungen im Laufe der Jahre verändert, dennoch dürfe es aus Sicht der CDU nicht dazu kommen, dass Infrastrukturprojekte allein aufgrund langer Planungszeiten und zahlreicher Einwendungen scheiterten.

Auch der Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion, Michael Rippel, kritisiert das Fehlen eines verkehrspolitischen Gesamtkonzepts. Die bestehenden Belastungen durch Verkehr, Lärm und Abgase blieben bestehen und würden weiterhin von den Anwohnern getragen. Gleichzeitig verweist Rippel auf einen Aspekt, den die CDU als positiven Nebeneffekt der Entscheidung bewertet: „Der einzige Vorteil ist, dass wir nun Planungssicherheit für die Entwicklung des ehemaligen DSD-Geländes haben.“ Aufgrund der ungeklärten Trassenführung habe dieses Projekt bislang parallel mit und ohne Ortsumgehung geplant werden müssen. Die CDU fordert, die Entscheidung nicht als Schlusspunkt zu verstehen. Vielmehr müsse nun eine offene Neubewertung der Verkehrssituation erfolgen, bei der tragfähige Lösungen für die betroffenen Stadtteile entwickelt werden.

















