Foto: MBK/Gesellchen

Im Saarland wächst die Zahl der Lehrkräfte, die Theater nicht nur als Bühnenkunst, sondern als festen Bestandteil ihres Unterrichts verstehen. 24 Pädagoginnen und Pädagogen haben jetzt die zweijährige berufsbegleitende Qualifizierungsmaßnahme „Theaterspielen im Unterricht“ abgeschlossen und ihre Zertifikate erhalten. Die Übergabe übernahm Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot, die den Absolventen für ihren zusätzlichen Einsatz neben dem Schulalltag dankte.

In ihrer Würdigung betonte Streichert-Clivot die besondere Rolle des Theaters für die Entwicklung junger Menschen. „Theater schafft Räume, in denen junge Menschen wachsen und sich selbst finden können – Räume, in denen sie sich ausprobieren dürfen, ohne bewertet zu werden, in denen ihre Stimme zählt und ihre Gefühle Platz haben. Im gemeinsamen Spiel entstehen Vertrauen, Mut und neue Perspektiven auf sich selbst und die Welt“, sagte die Ministerin. Theater stärke Kreativität, Empathie und Ausdruckskraft und eröffne Zugänge zu kultureller Teilhabe, unabhängig von Herkunft oder sozialen Voraussetzungen.

Mit Blick auf den Schulalltag hob Streichert-Clivot hervor, dass die Qualifizierungsmaßnahme „Theaterspielen im Unterricht“ genau dieses Miteinander als festen Bestandteil des Lernens fördere. Theater vermittle nicht nur künstlerische Fähigkeiten, sondern auch Kompetenzen, die weit über die Bühne hinausreichen. „Es fördert Teamfähigkeit, Kommunikationskompetenz, Selbstbewusstsein und Verantwortungsgefühl – wichtige Kompetenzen, die junge Menschen in ihrem Lebensweg deutlich stärken“, erklärte sie. Die Entscheidung der Lehrkräfte, sich zusätzlich zu ihrer täglichen pädagogischen Arbeit dieser anspruchsvollen Fortbildung zu widmen, sei ein „wertvoller Beitrag zur musisch-kulturellen Bildung im Saarland und zur Stärkung einer lebendigen, offenen und demokratischen Schulkultur“.

Organisiert wird die Qualifizierung von der Abteilung Fort- und Weiterbildung des Bildungscampus Saarland (BCS) in Kooperation mit dem Theaterpädagogischen Zentrum Saar (TPZ). Das Programm erstreckt sich über zwei Schuljahre und umfasst insgesamt 13 Fortbildungen. Inhaltlich orientiert es sich an den Standards des Bundesverbands Theater in Schulen (BV.TS.) und deckt ein breites Spektrum ab: von Theaterpädagogik und Regie über Schauspiel und Stimmbildung bis hin zu Technik und rechtlichen Grundlagen. Die einzelnen Module werden von regionalen und überregionalen Fachreferentinnen und -referenten gestaltet.

Je nach Lehramt schließen die Teilnehmenden mit einem Zertifikat ab, das eine Prüfungsberechtigung für die Sekundarstufe I oder II umfasst. Mit der aktuellen Runde ist bereits die sechste Staffel der Qualifizierungsmaßnahme beendet. Insgesamt haben damit inzwischen mehr als 150 saarländische Lehrerinnen und Lehrer die Ausbildung zu zertifizierten Theaterlehrkräften erfolgreich absolviert. Sie sind überwiegend an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen tätig, vor allem in der gymnasialen Oberstufe, wo das Fach Darstellendes Spiel als abiturrelevantes Fach kontinuierlich an Bedeutung gewinnt.

Das Theaterpädagogische Zentrum Saar begleitet Schulen aller Schulformen bei der praktischen Theaterarbeit. Es organisiert Aus- und Fortbildungen für Lehrkräfte und stärkt die Zusammenarbeit zwischen Schulen und der Theaterszene im Saarland. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass das im Rahmen der Qualifizierung erworbene Wissen nicht nur in einzelnen Projekten sichtbar wird, sondern langfristig in den Schulalltag einfließt und dort verankert bleibt.

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