Hans Sarkowicz - Bild: © HR/Sebastian Reimold

Manchmal fällt es einem gar nicht unbedingt auf, doch das Radio ist ein ständiger Begleiter – ob im Auto, im Supermarkt oder beim Friseur. Nun feiert der Dauerbrenner ein großes Jubiläum. Vor bald 100 Jahren lief nämlich die erste Radiosendung in Deutschland über den Sender. Bei der HomBuch wird es deshalb eine eigene Diskussionsrunde zum Thema geben. Mit einem der Teilnehmer haben wir uns vorab unterhalten und einige spannende Dinge zur Geschichte des Radios erfahren.

Das Radio ist ein Massenmedium. Jeder hört es, ob nun bewusst oder nicht. Radio ist gewissermaßen selbstverständlich. Doch das war es bei weitem nicht immer. Ganz zu Beginn blieb das Radio nämlich nur den Wohlhabenden vorbehalten. Als am 31. Oktober 1923 die erste Radiosendung in Deutschland ausgestrahlt wurde, dürften es vor allem Gutbetuchte gewesen sein, die dem Programm lauschten.

Dass nicht nur deshalb, weil die Geräte an sich teuer waren. Sondern auch aus politischen Gründen, wie Radio-Experte Hans Sarkowicz erzählt, der bis 2021 Leiter der Kulturwelle des Hessischen Rundfunks war und am Freitag bei einer Diskussionsrunde zum Thema „100 Jahre in Radio“ in Homburg zu Gast sein wird. „Weil die Politiker Angst vor einem revolutionären Umsturz hatten, musste man zunächst eine Lizenz erwerben, die die Seriösität der Person bescheinigte.“ Und selbst dieser ausgewählten Zuhörerschaft wurden politische Sendungen zunächst vorenthalten; bis zum Beginn der 30er-Jahre beschränkte sich das Programm auf Kultursendungen.

Konzerte oder Hörbücher wurden jedoch aus technischen Gründen nicht etwa aufgezeichnet. Stattdessen wurde in den ersten Jahren des neuen Mediums alles live gesendet, wie Sarkowicz erzählt. „Wenn sie damals ein Konzert im Radio hörten, wurde das gerade in diesem Moment im Studio gespielt.“ Aufzeichnungen der ersten Sendungen gibt es daher keine mehr.

Nach und nach erkannten die Politiker aber, welches Potential im Medium Radio schlummerte. Denn trotz aller Hindernisse nahm die Zahl der Zuhörer immer weiter zu, wodurch immer mehr Menschen erreicht werden konnten. Die Nazis erkannten diese Chance und benutzten das Radio für ihre Propaganda. „Propagandaminister Joseph Goebbels sah das Radio als wichtigstes Massenbeeinflussungsmittel an“, sagt Sarkowicz. „Deshalb sorgten die Nazis dafür, dass möglichst viele Radioapparate in Familien und Betrieben verfügbar waren.“

So kam es, dass das Radio nach der Nazi-Zeit und dem 2. Weltkrieg Massenmedium geworden war. Konkurrenz kam erst Anfang der 60-erJahren mit dem Fernsehen auf. Auf Dauer setzte sich der Bildschirm aber nur am Nachmittag und Abend durch, wie Sarkowicz betont. Bis heute sei das Radio morgens das meistgenutzte Medium. Nicht zuletzt deshalb, weil sich das Medium auch neuen Konsumgewohnheiten angepasst hat. Während in den 60-er Jahren Pop-Musik im Radio noch undenkbar war, schossen nach der Einführung der Privatprogramme 1984/85 Unterhaltungssendungen wie Pilze aus dem Boden. „Von da an gab es eine deutlichere Abgrenzung zwischen Popularwellen und den Info- und Kulturwellen.“

Eine Ausdifferenzierung, die natürlich auch die Radiomoderatoren betrifft. Frühstücksradio im staatstragenden Tonfall ist schließlich nicht wirklich vorstellbar. „Die Moderation muss sich an die Tageszeit anpassen. Morgens muss da einer sein, der ausgeschlafen wirkt und den Tag positiv sieht“, so der langjährige Radio-Moderator Sarkowicz. Ganz anders sei das beispielsweise bei Nachrichtensendungen, bei denen Seriösität gefragt sei.

Insgesamt sieht Sarkowicz die Zukunft des Radios durchaus positiv – auch wenn dieses beispielsweise durch Musikstreamingdienste mittlerweile große Konkurrenz hat. „Wenn mich jemand direkt anspricht, ist das einfach ein ganz anderes Gefühl.“ Dennoch müsse man sich auch beim Radio neuen Bedürfnissen anpassen. Gerade Online-Angebote müssten weiterhin ausgebaut werden. „Die Radiomacher sind gut beraten, flexibel zu bleiben und zu schauen, wo sie Trends setzen können.“ Was konkret gemacht werden kann, um gerade die junge Generation stärker zu erreichen, dürfte auch Thema bei der Diskussionsveranstaltung „100 Jahre Radio in Deutschland“ sein, die am Freitag um 18 Uhr im Siebenpfeifferhaus in Homburg stattfindet.

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