Symbolbild
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Rund 50.000 Arbeitsplätze hat die deutsche Automobilindustrie allein im vergangenen Jahr verloren. Seit 2019 summiert sich der Stellenabbau auf mehr als 100.000 – das belegt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens EY. Was sich hinter diesen Zahlen verbirgt, ist weit mehr als ein vorübergehender Konjunkturknick: Die Branche, die über Jahrzehnte als Rückgrat der deutschen Industrie galt, steckt mitten in einem Strukturbruch, dessen Folgen in den betroffenen Städten längst konkret zu spüren sind.

Genau vor diesem Hintergrund zieht die Initiative „Bürgermeister für einen starken Automobilstandort“ nach einem Jahr ihres Bestehens eine ernüchternde Bilanz. Oberbürgermeister und Bürgermeister aus zentralen Automobil- und Zulieferstädten hatten das Bündnis gegründet, um Industrie- und Klimapolitik so zu gestalten, dass Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und ökologische Ziele nicht gegeneinander ausgespielt werden. Ihre Positionen haben sie auf Bundes- wie auf EU-Ebene vorgetragen, und tatsächlich finden sich einzelne Impulse in aktuellen industriepolitischen Debatten wieder. Doch angesichts der dramatischen Beschäftigungszahlen reicht das aus Sicht der Kommunalpolitiker bei weitem nicht aus.

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Die Konsequenzen des Umbruchs treffen nicht nur die großen Hersteller. Zulieferer, mittelständische Betriebe, Ausbildungswerkstätten und kommunale Haushalte geraten gleichermaßen unter Druck. Wo Werke schrumpfen oder schließen, brechen Gewerbesteuereinnahmen weg, verlieren Fachkräfte ihre Perspektive und geraten ganze Stadtteile in eine wirtschaftliche Abwärtsspirale. Die Initiative verlangt deshalb verlässliche Rahmenbedingungen statt ständig wechselnder Vorgaben, wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Genehmigungsverfahren und eine gezielte Stärkung von Forschung und Entwicklung – etwa bei Batterietechnologie, Software, Sensorik und alternativen Antriebskonzepten.

Besonders deutliche Kritik richtet das Bündnis an die Europäische Union. Zwar begrüßen die Bürgermeister erste Signale der EU-Kommission in Richtung Technologieoffenheit. Die geltenden CO₂-Flottengrenzwerte und die damit verbundenen Strafzahlungen halten sie jedoch für realitätsfern. In einer Phase schwacher Nachfrage und hoher Transformationskosten verschärften diese Vorgaben die finanzielle Belastung europäischer Hersteller erheblich, argumentiert die Initiative. Sie fordert eine Anpassung der Grenzwerte, die Marktentwicklung und Verbraucherakzeptanz tatsächlich berücksichtigt, eine flexible Handhabung oder Aussetzung drohender Strafzahlungen sowie den Verzicht auf zusätzliche starre Regulierung im Flotten- oder Dienstwagenbereich. Statt regulatorischer Verunsicherung brauche es klare Investitionsanreize, damit Produktions- und Entwicklungsstandorte in Europa gehalten werden könnten.

Die Oberbürgermeister Simon Blümcke aus Friedrichshafen, Frank Nopper aus Stuttgart, Dennis Weilmann aus Wolfsburg und Uwe Conradt aus Saarbrücken bringen die Lage auf den Punkt: „Die aktuellen Zahlen machen deutlich: Deutschland und Europa stehen an einem industriepolitischen Scheideweg. Die europäische Automobilwirtschaft braucht verlässliche Rahmenbedingungen und entschlossenes Handeln auf EU-Ebene. Andernfalls droht eine dauerhafte Schwächung unserer industriellen Basis.“ Dass sich Stadtoberhäupter aus so unterschiedlichen Regionen gemeinsam zu Wort melden, unterstreicht die Dimension des Problems – es betrifft nicht einzelne Standorte, sondern das industrielle Fundament des Landes.

Die Initiative versteht sich als Brücke zwischen den Kommunen und den politischen Entscheidungsebenen in Berlin und Brüssel. Sie sucht den Dialog mit der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament, der Bundesregierung sowie Branchenverbänden und Sozialpartnern. Ihr erklärtes Ziel bleibt, Arbeitsplätze zu sichern, industrielle Wertschöpfung in Europa zu verankern und Zukunftstechnologien am Standort voranzutreiben. Ob die politischen Weichenstellungen rechtzeitig kommen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen – die Uhr für die Automobilstädte tickt.

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