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Für den traditionsreichen Autozulieferer Voit Automotive in St. Ingbert scheint es keine Zukunft mehr zu geben. Nach monatelangen Verhandlungen und einer intensiven Suche nach Investoren steht nun offenbar fest, dass das Werk seine Produktion schrittweise einstellen muss. Hauptgrund ist die Entscheidung des wichtigsten Kunden, der ZF Friedrichshafen AG, künftig nicht mehr mit Voit zusammenzuarbeiten.

Trotz zwischenzeitlicher Fortschritte im laufenden Restrukturierungsverfahren blieb die erhoffte Wende aus. Nach Angaben der Unternehmensführung konnten die eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen zwar die Ertragslage kurzfristig stabilisieren, langfristig jedoch keinen neuen Investor überzeugen. Auch ein zuletzt ausgearbeitetes Konzept, das eine engere Kooperation mit dem Voit-Standort in Polen sowie den Erhalt von etwa der Hälfte der Arbeitsplätze in St. Ingbert vorgesehen hatte, fand keine Zustimmung mehr. Die angestrebte Fortführung der Produktion scheiterte damit endgültig.

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Mit der Entscheidung des Hauptkunden wird die Fertigung in St. Ingbert voraussichtlich bis Ende September 2026 vollständig auslaufen. Die rund 680 verbleibenden Beschäftigten sollen schrittweise – beginnend im Januar 2026 – in eine Transfergesellschaft wechseln, die von ZF mitfinanziert wird. Ziel ist, die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Übergang in neue Beschäftigungsverhältnisse zu unterstützen und ihnen vergleichbare Konditionen zu bieten, wie sie bereits beim ersten Personalabbau vereinbart wurden.

Innerhalb des Unternehmens stößt die Entscheidung auf große Enttäuschung. Die Geschäftsführung äußerte Unverständnis darüber, dass Qualität, Liefertreue und langjährige Zusammenarbeit bei den Beschaffungsentscheidungen des Hauptkunden offenbar keine Rolle mehr gespielt hätten. Stattdessen, so heißt es, setze die Automobilindustrie zunehmend auf internationale Standorte mit niedrigeren Energie- und Personalkosten – eine Entwicklung, die auch für andere Zulieferer in der Region Folgen haben dürfte.

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Für St. Ingbert und den Saarpfalz-Kreis bedeutet das absehbare Ende von Voit einen herben Verlust. Das Unternehmen beschäftigt seit Jahrzehnten zahlreiche Fachkräfte und gilt als einer der wichtigsten industriellen Arbeitgeber in der Mittelstadt. Wie die Stadt und das Land auf die drohende Schließung reagieren werden, ist bislang offen. Fest steht: Auf die Beschäftigten und die regionale Wirtschaft kommen schwierige Monate zu.

Oberbürgermeister Ulli Meyer zeigt sich tief betroffen: „Die Nachricht vom bevorstehenden Aus für Voit trifft uns in St. Ingbert und im gesamten Saarland tief. Voit war über Jahrzehnte ein wichtiger Arbeitgeber und Teil unserer industriellen Identität. Mein Mitgefühl gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die nun um ihre Zukunft bangen“, so Meyer. Und weiter: „Wir müssen jetzt alles daransetzen, dass mit einem schnellen Strukturwandel eine berufliche Perspektive für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschaffen wird. Hier benötigen wir die Hilfe der Landesregierung für die Umstrukturierung, um Ersatzarbeitsplätze anzubieten.“

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