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Zwei Drittel der deutschen Kommunen nehmen inzwischen Geld durch erneuerbare Energien ein – über Gewerbesteuern, Pachtzahlungen oder direkte Beteiligungen. Das geht aus einer aktuellen Befragung von mehr als 600 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern hervor, die von der Initiative Klimaneutrales Deutschland und dem Verein Heimatwurzeln durchgeführt wurde. Die Ergebnisse decken sich mit einer Analyse des Bundeswirtschaftsministeriums zur regionalen Wertschöpfung durch erneuerbare Energien, die ebenfalls messbare Effekte auf Investitionen, Beschäftigung und Wachstum dokumentiert.

Die Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), Ursula Heinen-Esser, ordnet die Zahlen deutlich ein: „Die Datenlage ist eindeutig: Erneuerbare Energien sind Investitionen in Wohlstand und Zukunftsfähigkeit unserer Kommunen.“ Zugleich kritisiert sie die politische Bewertung auf Bundesebene scharf. Die Einordnung der Erneuerbaren als reiner Kostenfaktor durch das Bundeswirtschaftsministerium ignoriere die zentralen Erkenntnisse zur regionalen Wertschöpfung.

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Laut der Befragung sind erneuerbare Energien mittlerweile in nahezu allen Bereichen der kommunalen Infrastruktur verankert – von der Stromerzeugung über die Wärmeversorgung bis hin zur Mobilität. 66 Prozent der teilnehmenden Kommunen verzeichnen konkrete Mehreinnahmen, etwa durch Gewerbesteuer, Pachtzahlungen und die kommunale Beteiligung nach Paragraf 6 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Gleichzeitig werden lokale Wertschöpfungsketten gestärkt, was gerade in strukturschwächeren Regionen einen spürbaren Unterschied machen kann.

Doch die Befragung offenbart auch erhebliche Hindernisse. Für 97 Prozent der Kommunen stellt der schleppende Netzausbau das größte Hemmnis dar. Darüber hinaus beschreiben 73 Prozent ihre finanzielle Lage als angespannt, was den Spielraum für eigene Investitionen in die Energiewende deutlich einschränkt. Die Infrastruktur hält also vielerorts nicht mit dem Ausbautempo Schritt, das die Gemeinden selbst vorlegen wollen.

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Ein weiterer Befund dürfte in Berlin für Diskussionen sorgen: Zwei Drittel der befragten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister geben an, dass die Kommunikation der Bundesregierung der Akzeptanz von Energieprojekten vor Ort schadet. Heinen-Esser nennt diesen Wert „alarmierend“ und fordert politischen Rückhalt statt widersprüchlicher Signale: „Die Kommunen brauchen keine Signale, die für Verunsicherung sorgen und damit Entscheidungsprozesse und Investitionen ausbremsen.“

Die BEE-Präsidentin betont, dass die Energiewende als wirtschaftlicher Motor für die Regionen begriffen werden müsse. Sie schaffe zusätzliche Einnahmen, stärke lokale Unternehmen und biete gerade in Zeiten knapper Kassen eine reale Perspektive. „Die Kommunen haben das wirtschaftliche Potenzial der Energiewende längst erkannt. Jetzt muss sich diese Erkenntnis auch in der Bundespolitik niederschlagen“, so Heinen-Esser. Die Studie macht damit eines deutlich: Während viele Gemeinden die Transformation bereits als Chance nutzen, fehlt es auf übergeordneter politischer Ebene offenbar noch an einer konsistenten Strategie, die diesen Schwung nicht ausbremst, sondern verstärkt.

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