Foto: UKS / Glücklich
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In einem ausgebauten Dachgeschoss in der Cappelallee 24 in Homburg ist seit Kurzem ein neues Angebot für Menschen entstanden, die als Kind oder Jugendliche an Krebs erkrankt waren. Abseits des Klinikbetriebs, aber in enger Anbindung an das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS), steht dort eine psychosoziale Nachsorgeberatungsstelle bereit, die Betroffene und ihre Angehörigen kostenfrei begleitet – persönlich, telefonisch oder per Mail.

Die neue Einrichtung ergänzt die Arbeit der Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie am UKS. Jährlich werden dort etwa 60 Kinder und Jugendliche neu mit einer Krebserkrankung behandelt. „Sie alle werden in der Regel über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren nach erkrankungsspezifischen Plänen medizinisch nachgesorgt“, erklärt Prof. Dr. Marc Remke, Direktor der Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie. Während der Therapie gehört eine psychosoziale Betreuung bereits zum Standard. Doch die Erfahrungen aus der Klinik zeigen, dass mit dem Ende der Behandlung die seelische Belastung für viele Familien nicht automatisch abnimmt.

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„Wir bieten ihnen seit jeher auch eine psychosoziale Versorgung während der Behandlungszeit, wissen jedoch, dass das Ende der Therapie für viele Familien nicht das Ende der Belastungen und Herausforderungen bedeutet. Die Verarbeitung dieser einschneidenden Erfahrung ist ein Prozess, der Zeit benötigt“, so Remke. „Aus diesem Grund freue ich mich sehr darüber, dass wir den Menschen in unserer neuen Beratungsstelle nun eine umfassende psychosoziale Begleitung und Unterstützung auch nach der ursprünglichen Erkrankung und Behandlung anbieten können.“ Möglich wurde der Ausbau der Räume im „Haus des Kindes und der Jugend“ durch eine private Spende als Anschubfinanzierung. Das UKS hat die Einrichtung übernommen und drei Stellen für den laufenden Betrieb geschaffen. Zum Jahreswechsel haben die Verbände der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung (GKV und PKV) die Förderfähigkeit für drei Jahre bescheinigt und eine Teilförderung für 2026 zugesagt.

Das dreiköpfige Team der Beratungsstelle arbeitet mit mehreren Schwerpunkten. Es begleitet die weitere Entwicklung von Kindern und Jugendlichen nach einer Krebserkrankung und unterstützt Familien ab dem Ende der Intensivtherapie bei Alltagsproblemen. Dazu gehört etwa der Neustart in KiTa, Schule, Ausbildung oder Beruf. Ein weiterer Fokus liegt auf möglichen psychischen Spätfolgen, insbesondere im Umgang mit Ängsten, Verstimmungen und traumatischen Erfahrungen. Auch bei medizinischen Spätfolgen wie Minderbelastbarkeit, Schlafstörungen oder Übergewicht bietet die Stelle psychologische Unterstützung an. Die Beratung ist kostenfrei und kann flexibel – persönlich vor Ort, telefonisch oder per E-Mail – genutzt werden.

Diplom-Psychologin Iris Lein Köhler erlebt in ihrer Arbeit immer wieder Unsicherheiten bei Familien. „Häufig glauben Eltern, dass ihre Kinder nach einer schweren Erkrankung unbedingt eine Psychotherapie benötigen. In der Regel ist das nicht so. Außergewöhnliche Herausforderungen führen manchmal zu ungewöhnlichen Bewältigungsstrategien, die nachvollziehbar und verständlich sind“, erklärt sie. „Sollten die Kinder dennoch eine Therapie benötigen, finden wir das in der Beratung gemeinsam heraus. Wir unterstützen sie und ihre Angehörigen dann dabei, spezialisierte Hilfe zu finden.“

Das Angebot richtet sich ausdrücklich nicht nur an ehemalige Patientinnen und Patienten, sondern auch an ihr Umfeld. Eltern, Geschwister, Freunde und andere Angehörige können psychoonkologische Unterstützung erhalten. „Viele Angehörige stehen vor der Herausforderung, den veränderten Alltag zu gestalten und zu meistern. Wenn sie sich beispielsweise erschöpft, überlastet oder energielos fühlen, von Erinnerungen an die Behandlungszeit geplagt werden, Unterstützung bei der Klärung von Konflikten in der Familie wünschen oder Beratung und Begleitung suchen, um mit den bleibenden Folgen der Erkrankung oder Behandlung des Kindes umzugehen, dann sind wir für sie da“, erklärt die Diplom-Sozialarbeiterin Martina Zimmer. Bei Bedarf umfasst die Beratung auch sozialrechtliche Fragen, Hilfe bei Anträgen und Widersprüchen oder Unterstützung bei der Suche nach beruflichen Perspektiven.

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Die Mitarbeitenden der psychosozialen Nachsorgeberatungsstelle sind eng mit dem Behandlungsteam der Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie sowie insbesondere mit der pädiatrisch-onkologischen Nachsorgeambulanz am UKS vernetzt. Darüber hinaus bestehen Kontakte zu Reha-Einrichtungen, Kostenträgern, niedergelassenen Therapeutinnen und Therapeuten sowie zu regionalen familienunterstützenden Angeboten, an die bei Bedarf weitervermittelt wird. Die Beratungsstelle ist unter dem Dach der Elterninitiative krebskranker Kinder im Saarland e.V. angesiedelt, was kurze Wege zu bestehenden Selbsthilfeangeboten ermöglicht.

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Die psychosoziale Nachsorgeberatungsstelle (PsysoNa) ist in der Cappelallee 24, Dachgeschoss, 66424 Homburg zu finden. Erreichbar ist das Team telefonisch unter 0 68 41 – 16 – 4 71 01 oder per E-Mail an psysona-kinderonkologie [at] uks.eu. Weitere Informationen stehen online unter www.uks.eu/nachsorgeberatung bereit.

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