Pauschale Verbote sozialer Medien für Kinder und Jugendliche? Davon hält ein breites Bündnis aus zwölf Organisationen nichts. Kurz bevor die vom Bundesfamilienministerium eingesetzte Expertenkommission an diesem Mittwoch ihre Handlungsempfehlungen vorlegt, haben sich der Digitalverband Bitkom und elf weitere Verbände auf eine gemeinsame Position verständigt. Ihre Botschaft: Schutz ja, Ausschluss nein.
Zu den Unterzeichnern zählen unter anderem der AWO Bundesverband, der Bundeselternrat, die Bundesschülerkonferenz, die Kindernothilfe sowie der Montessori Bundesverband. Die Allianz fordert einen zeitgemäßen Jugendmedienschutz, der drei Ebenen verbindet: Schutz vor Risiken, Befähigung zur souveränen Nutzung und das Recht auf digitale Teilhabe. Statt junge Menschen aus Online-Räumen zu verbannen, sollen sie schrittweise lernen, sich sicher in ihnen zu bewegen.
Auch in der Bevölkerung trifft ein generelles Verbot auf wenig Zustimmung – wohl aber der Wunsch nach einem behüteten Einstieg. Eine eingeschränkte Social-Media-Nutzung halten die Befragten im Durchschnitt ab 14 Jahren für angemessen: also mit Jugendschutzfiltern, ohne sexualisierte Inhalte, ohne Gewaltdarstellungen, ohne Hass und Mobbing, ohne personalisierte Werbung und mit reglementierten Kontaktfunktionen. Genau diese Standards sieht der Digital Services Act der EU bereits für alle unter 18-Jährigen vor. Die uneingeschränkte Nutzung wird im Schnitt erst ab 16 Jahren als vertretbar erachtet.
Bemerkenswert deutlich fällt der Ruf nach besseren Angeboten aus: 87 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien wünschen sich mehr kindgerechte Plattformen, auf denen junge Menschen altersangemessen unterwegs sein können. Grundlage dieser Zahlen ist eine repräsentative telefonische Befragung von Bitkom Research unter 985 Personen ab 18 Jahren, von denen 814 selbst soziale Medien nutzen. Erhoben wurden die Daten zwischen Kalenderwoche 12 und 17 des laufenden Jahres.
„Kinder und Jugendliche dürfen aus digitalen Räumen nicht pauschal ausgeschlossen werden. Social Media ist Teil ihrer Lebenswirklichkeit, dort finden Austausch, Orientierung, Unterhaltung und Teilhabe statt. Aber Kinder brauchen dort besonderen Schutz, altersgerechte Angebote und Erwachsene, die sie begleiten“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Ein Verbot wäre aus seiner Sicht ein Irrweg: „Medienkompetenz entsteht nicht durch Ausschluss, sondern durch geschützte, begleitete Praxis.“
Die Erklärung benennt sieben Hebel, an denen Politik und Gesellschaft ansetzen sollten. Statt junge Menschen pauschal aus digitalen Räumen herauszuhalten, soll Medienkompetenz flächendeckend in Schulen vermittelt und Eltern dabei unterstützt werden. Sichere, altersgerechte Angebote – gerade für ältere Grundschulkinder vor dem Übergang ins Jugendalter – sollen ausgebaut werden. Bestehende Regelwerke wie der Digital Services Act müssten zudem konsequent angewendet und kontrolliert werden.
Im Fokus stehen außerdem die Aufsichtsstrukturen: Der Digital Services Coordinator bei der Bundesnetzagentur, die EU-Kommission und die Stelle zur Durchsetzung von Kinderrechten in digitalen Diensten brauchen nach Auffassung des Bündnisses deutlich mehr Ressourcen. Auch sollen mehr sogenannte Trusted Flagger anerkannt werden, damit illegale Inhalte schneller gemeldet und entfernt werden können. Altersverifikation schließlich solle risikobasiert und verhältnismäßig erfolgen – also nur dort, wo tatsächlich hohe Gefährdungen nachweisbar sind.
















