Symbolbild
Anzeige

Gut jeder vierte Mensch in Deutschland kann sich vorstellen, einer Künstlichen Intelligenz den Großteil der eigenen Finanzentscheidungen zu überlassen. Gleichzeitig lehnt fast die Hälfte den Einsatz von KI bei Geldangelegenheiten grundsätzlich ab. Dieses Spannungsfeld offenbart eine repräsentative Befragung von 1.004 Personen ab 16 Jahren, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zwischen Kalenderwoche elf und 14 im Jahr 2026 telefonisch durchgeführt hat.

Die Zahlen zeichnen ein ambivalentes Bild: 56 Prozent der Befragten bewerten den KI-Einsatz im Finanzbereich als Chance, 40 Prozent sehen darin ein Risiko. Besonders deutlich zeigt sich dabei ein Generationengraben. Unter den 16- bis 29-Jährigen erkennen 68 Prozent Potenzial in KI-gestützten Finanzanwendungen, bei den über 65-Jährigen sind es lediglich 35 Prozent. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst ordnet die Entwicklung klar ein: „KI verändert die Finanzbranche schon jetzt und langfristig dürfte es keine Bank geben, die auf KI verzichtet. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher müssen von dem Nutzen einer Finanz-KI aber noch überzeugt werden.“ Gerade bei Finanzen sei Vertrauen entscheidend, weshalb KI-Anwendungen transparent, sicher und nachvollziehbar sein müssten.

Anzeige

Drei von zehn Befragten sind überzeugt, dass KI ihnen Finanzthemen besser erklären kann als ein Mensch. 24 Prozent schenken der Maschine sogar mehr Vertrauen als einem menschlichen Berater. Dem steht allerdings eine wachsende Betrugsangst gegenüber: 62 Prozent machen sich wegen KI größere Sorgen um finanzielle Betrügereien. Bereits ein Viertel hat nach eigenen Angaben eine KI-Anwendung wie ChatGPT in finanziellen Fragen um Rat gefragt. „KI unterstützt bei der klassischen Finanzberatung nicht nur, sie tritt zunehmend in Konkurrenz zu ihr“, betont Wintergerst.

Jenseits der KI-Debatte zeigt die Umfrage, wie stark digitale Angebote die Bankenwahl bestimmen. Die Höhe der Gebühren bleibt mit 94 Prozent das wichtigste Kriterium, doch direkt dahinter rangiert bereits eine benutzerfreundliche Banking-App, die 87 Prozent der Befragten als wichtig einstufen – ein deutlicher Sprung gegenüber 78 Prozent im Vorjahr. Auch Mobile Payment hat kräftig zugelegt: von 62 Prozent im Jahr 2025 auf nun 72 Prozent. Eine breite Palette beim Online-Banking ist 70 Prozent wichtig, Kryptowährungen hingegen nur einem Fünftel. Klassische Faktoren wie kostenlose Geldautomaten (87 Prozent) und gebührenfreier Bargeldzugang im Ausland (79 Prozent) behaupten sich weiterhin, während schnell erreichbare Filialen nur noch für 45 Prozent eine große Rolle spielen – nach 50 Prozent im Vorjahr. Persönliche Beratung vor Ort ist noch für die Hälfte der Befragten relevant, auch hier ein Rückgang von 54 Prozent.

Anzeige

Die Bankfiliale gerät damit weiter unter Druck. 55 Prozent der Kundinnen und Kunden geben an, ihnen würde ohne Filialen nichts fehlen, und ebenso viele betreten eine Geschäftsstelle nur noch, wenn es ihr Anliegen zwingend erfordert. 39 Prozent fühlen sich online genauso gut beraten wie im persönlichen Gespräch vor Ort. Wintergerst mahnt dennoch: „Alltägliche Bankgeschäfte laufen heute weit überwiegend digital. Umso wichtiger ist, dass Bankkundinnen und -kunden in den Filialen vor Ort nicht nur freundlich, sondern auch in komplexen Fragen hochkompetent betreut und beraten werden.“

Online-Banking nutzen derzeit 84 Prozent der Deutschen. In den Altersgruppen unter 65 Jahren liegt die Quote bei mindestens 90 Prozent, bei den 30- bis 64-Jährigen sogar bei 95 Prozent. Erst ab 75 Jahren sinkt der Anteil auf rund ein Drittel. Für 39 Prozent der Online-Banking-Nutzenden ist der digitale Zugang bereits der einzige Kontaktpunkt zur Bank, weitere 46 Prozent schauen nur gelegentlich in einer Filiale vorbei. Lediglich zwölf Prozent gehen überwiegend vor Ort und nutzen den Online-Zugang nur sporadisch.

Die Banking-App hat sich dabei zum zentralen Kanal entwickelt. 63 Prozent der Kundinnen und Kunden erwarten, alle wesentlichen Finanzangelegenheiten per App erledigen zu können. Von denjenigen, die Online-Banking betreiben, greifen 92 Prozent zur App, 70 Prozent von ihnen zeigen sich zufrieden mit dem Funktionsumfang. Der Browser wird zwar noch von 69 Prozent genutzt, doch für gut die Hälfte der Nutzerinnen und Nutzer ist die App bereits der wichtigste Draht zur Bank. 86 Prozent der App-Nutzenden schätzen den jederzeitigen Kontozugriff, 46 Prozent erledigen Bankgeschäfte auch an öffentlichen Orten wie im Café oder in der Bahn. Wintergerst rät hier zur Vorsicht: „Wer Banking-Apps unterwegs nutzt, sollte unbedingt auf sichere Netzwerke achten und sensible Informationen auf dem Display vor fremden Blicken schützen.“

Darüber hinaus zeichnet sich ab, dass Banking-Apps künftig weit über klassische Finanzdienstleistungen hinauswachsen könnten. Sieben von zehn Befragten können sich vorstellen, ihre Banking-App zur digitalen Identifizierung zu verwenden, etwa als Ausweis oder Altersnachweis. Knapp die Hälfte wäre bereit, auch nicht-bankspezifische Nachweise wie Gehaltsbescheinigungen dort zu hinterlegen. „Banken genießen großes Vertrauen beim Umgang mit sensiblen Daten. Das eröffnet Chancen für neue digitale Identitätsdienste und zusätzliche Angebote weit über klassische Finanzdienstleistungen hinaus“, so Wintergerst. Für die Digitalwirtschaft und die Bankenbranche gleichermaßen dürfte die entscheidende Frage der kommenden Jahre lauten, wie sich dieses Vertrauen in tragfähige Geschäftsmodelle übersetzen lässt – ohne es dabei aufs Spiel zu setzen.

💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein