
Fahrgäste im Saarland müssen sich ab Mittwoch auf erhebliche Einschränkungen einstellen: Die Gewerkschaft ver.di hat die rund 1.200 Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr zu einem dreitägigen Warnstreik aufgerufen. Von Mittwoch, 4. März 2026, ab 3 Uhr morgens bis zum Ende der letzten Schicht am Freitag, 6. März, sollen Busse und Bahnen stillstehen. Auslöser ist das Scheitern der dritten Verhandlungsrunde mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband Saar am Abend des 2. März.
Betroffen sind sieben Betriebe im gesamten Bundesland: die Saarbahn GmbH und Saarbahn Netz GmbH, die Neunkircher Verkehrs GmbH und Fahrzeugservice Neunkirchen GmbH, die Kreisverkehrsbetriebe Saarlouis, die Völklinger Verkehrsbetriebe sowie die Verkehrsbetriebe Merzig-Wadern. Damit dürfte der öffentliche Personennahverkehr im Saarland über drei Tage hinweg weitgehend zum Erliegen kommen.
Gewerkschaftssekretär Janosch Fegert von der Fachgruppe Busse und Bahnen machte deutlich, dass der Arbeitskampf kein Selbstzweck sei: „Wir brechen den Streik umgehend ab, sollte der KAV Saar uns ein abschlussfähiges drittes Angebot mit wesentlichen Verbesserungen vorlegen.“ Zugleich betonte er den Stellenwert der Beschäftigten: „Die Beschäftigten im saarländischen öffentlichen Personennahverkehr leisten täglich einen unverzichtbaren Beitrag zur Mobilität im Land. Sie erwarten zu Recht spürbare Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen sowie eine faire und angemessene Bezahlung.“
Der Kern des Konflikts liegt im Entgelt. Die Arbeitgeberseite bot nach insgesamt rund zehn Verhandlungsstunden eine Laufzeit von 36 Monaten an, beginnend mit drei Leermonaten ohne Erhöhung. Danach sollen die Gehälter in drei Stufen steigen: um 2,4 Prozent ab April 2026, um 2,3 Prozent ab Mai 2027 und um 2,1 Prozent ab April 2028. Ver.di hingegen fordert ein Einstiegsgehalt von 3.500 Euro in der Entgeltgruppe 5, Stufe 1 – ein Niveau, das es den Beschäftigten ermöglichen soll, pro Arbeitsjahr mindestens einen Rentenpunkt zu erwerben. Angesichts weltpolitischer Unsicherheiten und einer kaum vorhersagbaren Inflationsentwicklung hält die Tarifkommission die angebotenen prozentualen Steigerungen über eine derart lange Laufzeit für nicht tragfähig. Das Risiko, dass Preissteigerungen die Gehaltsanpassungen übersteigen und die Kaufkraft weiter sinkt, sei real.
Auch bei den Arbeitsbedingungen liegen die Positionen weit auseinander. Im sogenannten Mantelbereich legte die Arbeitgeberseite ein Angebot mit einer Laufzeit von 48 Monaten vor, das aus Sicht der Gewerkschaft deutlich hinter den Forderungen zurückbleibt. So soll etwa die Reduzierung der unbezahlten Pausenzeiten auf 30 Minuten nach Vorstellung der Arbeitgeber erst im Jahr 2030 greifen. Notwendige Verbesserungen im Arbeitsalltag würden damit um Jahre verschoben, kritisiert ver.di.
Die Tarifkommission zieht nach drei Verhandlungsrunden eine ernüchternde Bilanz: Gerade einmal zwei Angebote habe die Gegenseite vorgelegt, von substanzieller Bewegung könne keine Rede sein. Bereits in den beiden vorangegangenen Runden seien die Forderungen umfassend und transparent dargelegt worden, sodass eine tragfähige Grundlage für ein verhandlungsfähiges Angebot bestanden habe. Dass die Arbeitgeberseite dennoch keinen deutlichen Schritt in Richtung der Gewerkschaftsforderungen unternommen hat, macht den dreitägigen Warnstreik aus Sicht von ver.di unausweichlich. Ob und wann es zu einer vierten Verhandlungsrunde kommt, blieb zunächst offen.




















