Ein Wischen nach rechts, eine neue Nachricht, ein kurzer Blick aufs Profil: Für viele Menschen in Deutschland gehört die Partnersuche per Smartphone längst zum Alltag. Kurz vor dem Valentinstag zeigt sich, wie stark Dating-Apps und Online-Plattformen das Kennenlernen verändert haben – und wie unterschiedlich die Nutzung je nach Alter, Wohnort und Geschlecht ausfällt.
Der Digitalverband Bitkom hat dazu im Januar 2026 eine repräsentative Online-Befragung unter 1.449 Internetnutzerinnen und -nutzern ab 16 Jahren durchführen lassen, darunter 620 Personen mit Online-Dating-Erfahrung. Die Ergebnisse machen deutlich: Vor allem für die unter 30-Jährigen ist die digitale Partnersuche inzwischen Standard. In der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen haben 60 Prozent bereits Online-Dating genutzt. Am häufigsten kommen dabei Apps wie Tinder, Bumble oder Hinge zum Einsatz, die 49 Prozent dieser Altersgruppe schon ausprobiert haben. 32 Prozent setzen auf soziale Netzwerke, während klassische Online-Partnervermittlungen wie Parship, Elitepartner oder eDarling nur von 18 Prozent genutzt werden. 20 Prozent der unter 30-Jährigen zahlen für ihre Online-Dating-Angebote. „Für die Generation U30 ist das Smartphone der naheliegende Startpunkt, wenn’s ums Kennenlernen geht“, sagte Leah Schrimpf, Leiterin Digitale Gesellschaft beim Bitkom.
Auch in späteren Lebensphasen ist Online-Dating weit verbreitet. In der Gruppe der 30- bis 49-Jährigen haben 53 Prozent schon einmal online nach einem Partner oder einer Partnerin gesucht. Bei den 50- bis 59-Jährigen sind es 33 Prozent. Schrimpf ordnete das so ein: „Gerade in der Rushhour des Lebens, wenn zwischen Job, Terminen und Alltag wenig Zeit für klassische Wege bleibt, wird die digitale Partnersuche für viele zur pragmatischen Option.“ Selbst in den höheren Altersgruppen bleibt die Suche im Netz ein Thema. Unter den 60- bis 69-jährigen Internetnutzern liegt der Anteil der Online-Dater bei 35 Prozent, bei den über 70-Jährigen immerhin noch bei 21 Prozent. „Digitale Teilhabe heißt auch, dass Menschen in jedem Lebensalter neue Kontakte knüpfen können und wollen“, betonte Schrimpf.
Beim Blick auf die genutzten Plattformen liegen Dating-Apps insgesamt vorn. 27 Prozent der befragten Internetnutzerinnen und -nutzer haben sich bereits bei Tinder und ähnlichen Angeboten umgesehen. 21 Prozent waren bei großen Online-Partnervermittlungen wie Parship aktiv, ebenso viele nutzten soziale Netzwerke zur Partnersuche. 11 Prozent suchten auf Portalen für Casual Dating und unverbindliche Treffen wie joyclub.de, c-date.de oder lovepoint.de. 7 Prozent waren auf Portalen für diskrete Beziehungen und Seitensprünge unterwegs, 9 Prozent interessierten sich für Singlereisebörsen. Insgesamt geben 43 Prozent der Befragten an, mindestens eines dieser Angebote schon einmal genutzt zu haben.
Deutliche Unterschiede zeigen sich beim Blick auf die Zahlungsbereitschaft. 20 Prozent der männlichen Internetnutzer haben bereits kostenpflichtige Online-Dating-Angebote genutzt, bei den Frauen sind es 9 Prozent. Knapp die Hälfte der zahlenden Nutzerinnen und Nutzer, konkret 44 Prozent, verfügt über einen Hochschulabschluss. Auch der Wohnort spielt eine Rolle. In Großstädten mit mindestens 100.000 Einwohnern haben 57 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen schon online nach einem Partner oder einer Partnerin gesucht. In Mittelstädten nähern sich die Werte an: 44 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen haben dort Online-Dating-Erfahrung. In Kleinstädten mit 5.000 bis 20.000 Einwohnern sind es 35 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen. In Dörfern auf dem Land geht die Schere wieder auseinander: 50 Prozent der Männer, aber nur 36 Prozent der Frauen nutzen Online-Dating. „Online-Dating ist überall möglich, aber nicht überall gleich verbreitet. Lebensumfeld und Alltag prägen die Nutzung stark“, erklärte Schrimpf.
Die Studie liefert auch Hinweise darauf, wie erfolgreich die digitale Partnersuche ist. Unter denjenigen, die Online-Dating nutzen oder genutzt haben, befindet sich ein Drittel aktuell in einer Beziehung, die auf diesem Weg entstanden ist. Konkret geben 32 Prozent an, derzeit in einer Partnerschaft zu leben, die über eine Dating-App oder -Website zustande kam. Für 24 Prozent hat sich aus dem Online-Dating zumindest ein lockeres Verhältnis oder eine sogenannte Situationship ergeben. 22 Prozent berichten von einer festen Partnerschaft, die zwar online begann, inzwischen aber wieder beendet ist. Mehrfachnennungen waren möglich. 31 Prozent der Online-Dater sagen, dass sich aus ihren Aktivitäten im Netz nichts ergeben habe.
Die Ziele beim Online-Dating sind unterschiedlich. 46 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer verfolgen den Wunsch nach einer festen Beziehung. 26 Prozent suchen vor allem lockere Flirts und gelegentliche Dates. 22 Prozent geben an, die Angebote hauptsächlich „zum Zeitvertreib“ zu nutzen. Die Befragung wurde von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom im Zeitraum der Kalenderwochen 3 bis 4 des Jahres 2026 online durchgeführt und gilt als repräsentativ für Internetnutzerinnen und -nutzer ab 16 Jahren in Deutschland. Grundlage waren die Fragen, welche Online-Möglichkeiten zur Partnersuche bereits genutzt wurden, mit welchem Ziel die Angebote verwendet werden und ob bereits ein Partner oder eine Partnerin über eine Dating-App oder -Website kennengelernt wurde.
Die Ergebnisse zeichnen insgesamt ein Bild von einer Gesellschaft, in der digitale Wege zum Kennenlernen in fast allen Altersgruppen angekommen sind – mit klaren Unterschieden je nach Lebensphase, Geschlecht und Wohnort, aber mit einer gemeinsamen Konstante: Das Smartphone ist für viele zum zentralen Werkzeug geworden, wenn es um neue Kontakte und Beziehungen geht.




















