Sieben Monate nach dem Start zeigt das Reallabor Saarbrücken im Rahmen der „Modellregion für integrierte Mobilität Saarland“ erste messbare Ergebnisse. An den Bahnhöfen Dudweiler und Scheidt steigen sowohl die Ticketverkäufe als auch die Nachfrage nach Sharing-Fahrzeugen – ein Hinweis darauf, dass die Verknüpfung von Bahn, Bus, Fahrrad und E-Scooter bei den Fahrgästen tatsächlich ankommt.
Das Projekt, das im September 2025 an den Start ging, will alltägliche Wege ohne eigenes Auto ermöglichen, indem verschiedene Verkehrsmittel nahtlos ineinandergreifen. Getragen wird es vom saarländischen Ministerium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz gemeinsam mit der Deutschen Bahn und weiteren Partnern. Nun liegen erstmals belastbare Nutzungsdaten vor, die das Mobilitätsministerium zusammen mit den Projektpartnern Dott und DB Regio ausgewertet hat.
Besonders auffällig ist die Entwicklung am Bahnhof Dudweiler. Dort hat die Nachfrage nach Leihfahrzeugen des Sharing-Anbieters Dott deutlich zugelegt. Auch auf der Strecke zwischen der Universität des Saarlandes und der Saarbrücker Innenstadt werden die Fahrzeuge intensiv genutzt. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass Sharing-Angebote zunehmend nicht isoliert, sondern als Baustein einer längeren Wegekette zum Einsatz kommen – genau das Ziel des Reallabors.
Die Deutsche Bahn registriert parallel dazu einen Anstieg bei den Verbindungsanfragen im DB Navigator für die Bahnhöfe Dudweiler und Scheidt. Gleichzeitig kletterten die Ticketverkäufe an beiden Stationen nach oben. Einen ähnlichen Trend bestätigt die Saarfahrplan-App, in der vor allem Anfragen mit dem Ziel Bahnhof Scheidt zugenommen haben.
Neben den reinen Nutzungsdaten hat die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes eine erste Befragung unter Fahrgästen durchgeführt. An den drei Standorten Bahnhof Scheidt, Bahnhof Dudweiler und Universität des Saarlandes sowie in der Dott-App wurden Online-Fragebögen zugänglich gemacht. Die Rückmeldungen zeichnen ein differenziertes Bild: Viele Befragte haben die verbesserten Sharing-Angebote noch gar nicht wahrgenommen, und nur ein Teil betrachtet Leihfahrzeuge bisher als festen Bestandteil der eigenen Mobilität.
Die Projektpartner wollen deshalb in den kommenden Monaten gezielt die Bekanntheit der neuen Angebote steigern und deren Einbindung in integrierte Reiseketten stärker kommunizieren. Zudem hat die Befragung einen konkreten Handlungsbedarf bei der Infrastruktur offengelegt: Sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Roller sowie eine bessere Anbindung der entsprechenden Wege an das bestehende Verkehrsnetz stehen auf der Wunschliste der Nutzerinnen und Nutzer weit oben.
Ein übergeordnetes Ergebnis der Umfrage dürfte den Verantwortlichen zusätzlichen Rückenwind geben. Viele Teilnehmende nannten die bessere Verknüpfung verschiedener Verkehrssysteme als eine der wichtigsten Stellschrauben für einen attraktiveren Nahverkehr im Saarland. Damit bestätigen sie exakt den Kerngedanken des Projekts – und das Vorhaben des Ministeriums, die Abstimmung zwischen landesweitem Verkehrsangebot und kommunalen Netzen weiter zu vertiefen.
„Um alltägliche Wege komfortabel ohne Auto möglich zu machen, müssen wir Bahn, Fahrrad und E-Scooter vernetzt denken und bestmöglich integrieren. Möglich ist ein solcher Ansatz aber nur gemeinsam. Und daher ist es so wertvoll, dass das Saarland, die DB, die Kommunen und weitere Partner gemeinsam an einem Strang ziehen“, erklären die beiden Projektleiter Christian Ramelli aus dem Ministerium und Steffen Sondermann von der Deutschen Bahn.
Das Reallabor Saarbrücken ist Teil der landesweiten Modellregion für integrierte Mobilität, die das Ministerium und die Deutsche Bahn gemeinsam ins Leben gerufen haben. In den kommenden Monaten sollen weitere Reallabore hinzukommen, um unter realen Bedingungen zusätzliche Ansätze für die Verknüpfung von Verkehrsmitteln zu erproben. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in das übergeordnete Ziel ein, den öffentlichen Nahverkehr als Rückgrat nachhaltiger Mobilität im Saarland zu stärken und zu einem durchgängigen Tür-zu-Tür-Angebot auszubauen.



















