Im Barbaraheim in St. Ingbert stand dieser Tage ein außergewöhnlicher Geburtstag im Mittelpunkt: Elisabeth Weinheimer hat ihr 105. Lebensjahr vollendet – und gilt damit als älteste Bürgerin der Stadt. Zu diesem besonderen Anlass kam, wie schon in den vergangenen Jahren, eine Delegation von Stadt und Kreis in die Einrichtung, um persönlich zu gratulieren.
Elisabeth Weinheimer wurde in Güdingen geboren und wuchs in einer Zeit auf, in der Disziplin und Pflichterfüllung den Alltag prägten. Nach der Haushaltsschule der Ursulinen besuchte sie die Mädchen-Berufsschule, wo sehr strenge Regeln galten. Anschließend schloss sie eine Ausbildung an der Handelsschule ab und fand eine Anstellung beim Gau Westmark. Der Zweite Weltkrieg veränderte ihren Lebensweg grundlegend: Er führte sie nach Thüringen und in die Region Mainfranken.
Dort war sie im freiwilligen Arbeitsdienst für die Rüstungsschmiede Rheinmetall Borsig AG in Sömmerda tätig. Fleiß und Ehrgeiz waren nach eigener Überzeugung stets ihre Leitlinien im Berufsleben. 1942 kehrte sie nach Saarbrücken zurück. Viele Männer waren zu dieser Zeit an der Front, weshalb Frauen zahlreiche Aufgaben übernahmen, die zuvor Männern vorbehalten waren. So kam die damals 21-Jährige zur weiblichen Kriminalpolizei.

Als in St. Ingbert eine Dienststelle eingerichtet wurde, war sie dort die einzige weibliche Kriminalbeamtin unter lauter männlichen Kollegen. Nach Kriegsende besuchte sie die Polizeischule und wurde unter dem damaligen Innenminister Edgar Hector offiziell in den Polizeidienst übernommen. Mit ihrem Ehemann lebte sie in St. Ingbert, doch er verstarb früh. Die resolute Beamtin organisierte ihr Leben von da an allein und blieb ihrem Beruf treu.
Bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1981 arbeitete Elisabeth Weinheimer als Polizeihauptmeisterin bei der St. Ingberter Kriminalpolizei. Ihre lange Dienstzeit fiel in eine Phase großer gesellschaftlicher Veränderungen, in der Frauen im öffentlichen Dienst nach und nach mehr Verantwortung übernahmen. In St. Ingbert ist sie vielen als engagierte und pflichtbewusste Polizistin in Erinnerung geblieben.
Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer nutzte den 105. Geburtstag, um die Lebensleistung der Jubilarin hervorzuheben. „105 Lebensjahre bedeuten 38.325 Tage voller Erfahrungen, Herausforderungen und Mut. Elisabeth Weinheimer steht mit ihrem Lebensweg beispielhaft für eine Generation von Frauen, die Verantwortung übernommen, Grenzen überwunden und unsere Gesellschaft entscheidend mitgeprägt haben. Ihre Lebensleistung verdient höchsten Respekt und große Anerkennung. Im Namen der Stadt St. Ingbert gratuliere ich ihr von Herzen zu diesem außergewöhnlichen Geburtstag und wünsche ihr weiterhin Gesundheit, Zuversicht und viele schöne Momente“, sagte Meyer beim Besuch im Barbaraheim.
Neben dem Oberbürgermeister überbrachten auch der stellvertretende Ortsvorsteher Fabian Roschy sowie in Vertretung des Landrates Ulrike Mauß ihre Glückwünsche. Damit wurde deutlich, welchen Stellenwert die älteste St. Ingberterin für Stadt und Region hat – als Zeitzeugin eines ganzen Jahrhunderts und als Frau, die ihren Weg in schwierigen Zeiten konsequent gegangen ist.
















