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Mehr als 133.000 Grundschulkinder in ganz Deutschland stehen ab dem 16. März vor einer simplen, aber wirkungsvollen Aufgabe: Sie sollen den Weg zur Schule aus eigener Kraft zurücklegen – zu Fuß, mit dem Rad oder auf dem Tretroller. Mindestens 20-mal innerhalb von sechs Wochen muss das Auto in der Garage bleiben, damit die Herausforderung als bestanden gilt. Was nach einem kleinen Schritt klingt, ist mittlerweile eines der größten Schulprojekte des Landes und geht in diesem Jahr bereits in die siebte Runde.

Hinter der Aktion steht der SpoSpiTo-Bewegungs-Pass, ein Projekt aus Kempten, das seit 2019 Grundschulen bundesweit mobilisiert. Die Abkürzung SpoSpiTo setzt sich aus Sporteln, Spielen und Toben zusammen – drei Dinge, die im Alltag vieler Kinder zu kurz kommen. Denn Bewegungsmangel im Kindesalter ist längst kein Randproblem mehr. Übergewicht, Haltungsschwächen und ernsthafte gesundheitliche Störungen nehmen zu. Genau hier setzt das Konzept an, indem es den Schulweg selbst zur täglichen Bewegungseinheit macht.

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Das Prinzip ist bewusst niedrigschwellig gehalten. Jedes Kind erhält einen Bewegungs-Pass, in dem die Eltern pro eigenständig zurückgelegtem Schulweg unterschreiben. Wer die 20 Wege innerhalb des Aktionszeitraums schafft, bekommt eine Urkunde und nimmt automatisch an einer Verlosung teil. Die Preise haben durchaus Gewicht: 500 Gutscheine im Wert von jeweils 20 Euro von Decathlon, 375 Schlamperboxen der Marke neoxx sowie 125 Kinderrucksäcke von Vaude – insgesamt ein Warenwert von über 20.000 Euro.

Doch die eigentliche Belohnung liegt jenseits materieller Anreize. Kinder, die morgens bereits aktiv waren, starten wacher und konzentrierter in den Unterricht. Gleichzeitig wächst mit jedem selbst gemeisterten Schulweg das Selbstbewusstsein. Und auch für die Eltern ändert sich etwas: Der morgendliche Stress endet an der eigenen Haustür, statt sich im Stau vor dem Schultor fortzusetzen. Denn das Phänomen der sogenannten Elterntaxis ist an vielen Grundschulen ein echtes Problem. Autos, die in zweiter Reihe halten, Wendemanöver auf engen Straßen, unübersichtliche Situationen genau dort, wo Kinder besonders geschützt sein sollten – all das entfällt, wenn mehr Familien auf das Auto verzichten.

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Der ökologische Effekt kommt als willkommener Nebengewinn hinzu. Jeder Weg, der nicht motorisiert zurückgelegt wird, reduziert Verkehr und damit Emissionen. Hochgerechnet auf über 133.000 teilnehmende Kinder und jeweils mindestens 20 autofreie Schulwege ergibt sich eine beachtliche Zahl eingesparter Fahrten. Dass Klimaschutz und Kindergesundheit dabei Hand in Hand gehen, macht das Projekt so überzeugend.

Initiator Thomas Gansert treibt die Idee seit Jahren von Kempten aus voran. Bereits seit 2011 organisiert SpoSpiTo große Bewegungstage in Zusammenarbeit mit Sportvereinen, bei denen sich Kinder zwischen vier und zehn Jahren an verschiedenen Stationen austoben können. Der Bewegungs-Pass erweitert diesen Ansatz in den Alltag hinein und erreicht inzwischen Schulen im gesamten Bundesgebiet.

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Nach dem Ende der sechs Wochen ist die Hoffnung groß, dass der neue Rhythmus bleibt. Wer einmal erlebt hat, wie gut der aktive Start in den Tag tut, lässt das Elterntaxi vielleicht auch danach stehen. Die Organisatoren appellieren jedenfalls an alle Familien, den Schwung mitzunehmen – für die eigene Gesundheit, für mehr Selbstständigkeit der Kinder und für ein Stück weniger Chaos vor den Schultoren.

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