Im Kuppelsaal des St. Ingberter Rathauses wird Anfang März wieder getauscht, gefachsimpelt und geplant: Am Samstag, 7. März, verwandelt sich der Saal von 9 bis 14 Uhr in einen Treffpunkt für alle, die gerne gärtnern, eigenes Gemüse ziehen oder einfach neugierig auf alte Sorten und neue Ideen sind. Unter dem Motto „Essen statt Vergessen“ steht dabei nicht nur das Tauschen von Saatgut im Mittelpunkt, sondern auch der Austausch von Wissen und Erfahrungen.
Im Handel ist samenfestes, regionales Saatgut inzwischen nur noch schwer zu finden – besonders für Naturgärtner im Nutz- und Ziergartenbereich. Viele Kulturpflanzen, die vor rund 100 Jahren noch weit verbreitet waren und oft innerhalb von Familien weitergegeben wurden, sind heute fast verschwunden. Schätzungen zufolge sind im Zuge des intensiven, technisierten Anbaus bereits über drei Viertel der früheren Kulturpflanzensorten verloren gegangen. Damit gehen nicht nur kulinarische Besonderheiten verloren, sondern auch wichtige genetische Ressourcen.
Gerade alte Sorten gelten als wertvoll für die biologische Vielfalt in der Region. Durch ihre große genetische Bandbreite sind sie häufig robust und anpassungsfähig gegenüber veränderten Umwelt- und Klimabedingungen. Sie unterscheiden sich zudem deutlich in Geschmack, Aussehen und Nutzung – Eigenschaften, die in der modernen Landwirtschaft oft zugunsten von Ertrag und Einheitlichkeit zurückstehen mussten. Die Saatgut-Tauschbörse will dazu beitragen, dieses Wissen und die Sortenvielfalt lebendig zu halten und wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken.
Im Kuppelsaal können Besucher besondere, regionale und seltene Sorten kennenlernen und Saatgut tauschen, das sonst nur selten erhältlich ist. Die Veranstaltung richtet sich an Gartenbegeisterte, Hobbygärtner und alle, die sich für nachhaltiges Gärtnern interessieren. Neben dem eigentlichen Tausch bietet die Börse viel Raum für Gespräche, Tipps für die kommende Gartensaison und neue Anregungen für Beete, Balkonkästen oder Hochbeete.
Ergänzt wird die Saatgut-Tauschbörse durch einen Pflanzenflohmarkt. Dort wechseln selbstgezogene Jungpflanzen, Stauden, Ableger und andere „Gartenschätze“ den Besitzer. Überschüssige Pflanzen finden so ein neues Zuhause, statt entsorgt zu werden oder ungenutzt im Topf zu bleiben. Der direkte Kontakt zwischen den Beteiligten ermöglicht Nachfragen zur Pflege und zum Standort – und sorgt dafür, dass aus anonymen Pflanzen echte Herzensprojekte werden.
Auch inhaltlich ist einiges geboten. Der NABU stellt seine Arbeit im Natur- und Artenschutz vor und zeigt, wie sich Interessierte selbst einbringen können. Die VHS St. Ingbert nutzt die Gelegenheit, um ihr aktuelles Programm rund um das Thema Nachhaltigkeit zu präsentieren. Ein besonderer Programmpunkt ist der Beitrag der Foodsharing-Gruppe St. Ingbert: Um 11 Uhr berichtet die Initiative in einem Vortrag über ihre Arbeit gegen Lebensmittelverschwendung und gibt Einblicke in ihr Engagement vor Ort.
Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht. Beteiligen können sich alle, ob mit eigenem Saatgut, mitgebrachten Pflanzen oder einfach als neugierige Gäste. Wer einen eigenen kleinen Stand mit Saatgut oder Pflanzen anbieten möchte, wird gebeten, sich vorab mit einer kurzen Angabe zum voraussichtlichen Platzbedarf per E-Mail an KGoedtel@st-ingbert.de anzumelden.






















