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In der Saarwirtschaft ist im Februar etwas in Bewegung geraten. Viele Betriebe melden wieder etwas stabilere Geschäfte – und blicken weniger düster nach vorn als noch zu Jahresbeginn. Doch die neuen Werte zeigen auch: Die Aufhellung hat Grenzen.

Das legt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Saarland nahe, an der sich rund 300 Unternehmen mit gut 90.000 Beschäftigten beteiligten. Der IHK-Lageindikator stieg um 2,3 Punkte auf 0,2 Zähler und liegt damit erstmals seit März vergangenen Jahres wieder leicht im positiven Bereich. Getragen wird die Verbesserung vor allem von den industriellen Kernbranchen. Insbesondere Automobilzulieferer und Maschinenbau berichten von einer leicht anziehenden Nachfrage auf den europäischen Märkten, was die aktuelle Geschäftslage zunehmend stabilisiert.

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Auch der Blick nach vorn fällt weniger negativ aus, bleibt aber vorsichtig. Der IHK-Erwartungsindikator legte um 4,5 Punkte auf minus 7,0 Zähler zu. Trotz dieses Anstiegs überwiegt nach Angaben der IHK weiterhin Zurückhaltung, weil eine Mehrheit der Unternehmen die kommenden sechs Monate nach wie vor verhalten einschätzt.

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé ordnete die Ergebnisse entsprechend ein und verwies auf Risiken, die aus seiner Sicht weiterhin schwer wiegen: „Die Saarwirtschaft ist seit Jahresbeginn erfreulich in die Aufwärtsbewegung gekommen – aber dieser Aufschwung steht auf dünnem Eis. Denn an den strukturellen Rahmenbedingungen hat sich bislang wenig geändert: Hohe Kosten, Abgaben und anhaltende politische Unsicherheit bremsen Investitionen und Konsum weiter aus. Gleichzeitig wächst der Druck von außen. Der Nachfragerückgang in China und die aggressive Exportstrategie chinesischer Anbieter verschärfen den Wettbewerb spürbar. Und die latente Gefahr neuer Handelskonflikte und zusätzlicher Zölle bleibt real. In einer Phase geschwächter Wettbewerbsfähigkeit trifft dieser China- und Zollschock – verstärkt durch die Dollarschwäche – eine exportorientierte Industrieregion wie das Saarland besonders hart. Kurzum: Wir haben bessere Stimmung, aber noch keine stabile Basis. Wenn aus der aktuellen Aufhellung eine tragfähige Erholung werden soll, braucht es jetzt eine klare wirtschaftspolitische Kurskorrektur. Die Bundesregierung muss ein glaubwürdiges Aufbruchssignal senden und eine Reformagenda liefern, die Wirkung entfaltet. Investitionen, Innovationen, Gründungen und unternehmerische Tätigkeit müssen wieder einfacher, attraktiver und lohnender werden. Nur dann stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts dauerhaft und bringen die Wirtschaft zurück auf einen Wachstumspfad, der den Namen verdient.“

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In der Umfrage bewerten 22 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut, 56 Prozent als befriedigend und 22 Prozent als schlecht. Gut laufen die Geschäfte demnach in der Elektroindustrie und in der keramischen Industrie. Überwiegend befriedigend ist die Lage im Ernährungsgewerbe, in der Bauwirtschaft, im Maschinen- und Anlagenbau, in der Stahlindustrie, in der Medizintechnik und in der Automobilzulieferindustrie.

Deutlich angespannt bleibt die Situation laut IHK dagegen in der Gummi- und Kunststoffindustrie, im Stahlbau sowie bei Gießereien und Metallerzeugern. Damit zeigt sich innerhalb der Industrie ein uneinheitliches Bild: Während einzelne Bereiche von mehr Nachfrage profitieren, kämpfen andere weiterhin mit schwierigen Rahmenbedingungen.

Im Dienstleistungsgewerbe berichten 76 Prozent der Unternehmen über gute oder befriedigende Geschäfte. Überwiegend gut laufen die Geschäfte nur in der IT-Branche, während Banken und Versicherungen sowie die unternehmensnahen Dienstleister ihre Lage meist als befriedigend beschreiben. Im Handel sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe belasten nach IHK-Angaben die anhaltende Konsumzurückhaltung und die hohen Kosten; in der Gastronomie dämpft der reduzierte Mehrwertsteuersatz lediglich den Kostendruck.

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Wie fragil die Lage bleibt, zeigt für die IHK vor allem der Ausblick. Nur fünf Prozent der Unternehmen rechnen in den nächsten sechs Monaten mit besseren Geschäften, zwölf Prozent erwarten eine Verschlechterung, 83 Prozent gehen von Stagnation aus. Thomé knüpfte daran eine grundsätzliche Kritik an der wirtschaftspolitischen Lage und an schuldenfinanzierten Impulsen: „Ein prognostiziertes Wachstum von nur einem Prozent ist angesichts massiv steigender Staatsausgaben kaum überraschend. Aber: Das ist ein schuldenfinanziertes Strohfeuer – kein Aufschwung aus eigener Stärke. Nachhaltiges Wachstum entsteht nicht durch Impulse auf Pump, sondern durch Rahmenbedingungen, die Investitionen, Innovationen und Unternehmertum wieder lohnend machen. Dafür braucht es jetzt entschlossene Strukturreformen: einen handlungsfähigen, zugleich schlanken Staat, wettbewerbsfähige Steuern und Lohnnebenkosten sowie international konkurrenzfähige Energiepreise. Reformen dürfen nicht länger an politischer Taktik oder Wahlterminen scheitern. Sie müssen jetzt kommen, damit Deutschland und das Saarland ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen und wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad einschwenken“.

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