Die Pflegebranche im Saarland steht unter Druck: Immer mehr ältere und pflegebedürftige Menschen treffen auf Teams, denen es an Nachwuchs fehlt. Wer heute eine Pflegeausbildung beginnt, erlebt einen fordernden Berufsalltag – und nicht wenige zweifeln unterwegs, ob sie durchhalten. Ein neues Modellprojekt des saarländischen Sozialministeriums soll genau an dieser Stelle ansetzen und die Auszubildenden gezielt stärken.
Unter dem Titel „Ausbildungslotsen“ erprobt das Ministerium in den Jahren 2025 und 2026 ein Unterstützungsangebot, das sich direkt an Pflegeschulen und deren Auszubildende richtet. Hintergrund sind der demographische Wandel und der zunehmende Fachkräftemangel, die die Pflege in Deutschland vor große Herausforderungen stellen. Die wachsende Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen sorgt für einen steigenden Personalbedarf, der sowohl die bestehenden Teams als auch den Nachwuchs stark belastet.
Gerade die Verbindung von Theorie und Praxis gilt in der Pflegeausbildung als besonders anspruchsvoll. Im intensiven Praxisalltag müssen Auszubildende das im Unterricht erworbene Wissen anwenden und gleichzeitig ihren Platz in einem dynamischen, oft stressbelasteten Arbeitsumfeld finden. Vielen fällt dieser Übergang schwer. Das kann zu Überforderung, Unzufriedenheit und letztlich zu steigenden Abbruchquoten in der Ausbildung führen.
Hier setzen die neuen Ausbildungslotsen an. Für das Modellprojekt stellt das Ministerium jährlich 980.000 Euro für Personal- und Sachkosten bereit. Die Lotsen begleiten die Auszubildenden über die gesamte Dauer ihrer Ausbildung. Sie bieten individuelle Unterstützung bei persönlichen oder organisatorischen Problemen und helfen ebenso bei fachlichen Fragen und Verständnisproblemen. Ziel ist es, Hürden frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu finden, bevor sie zum Abbruch der Ausbildung führen.
Die Ausbildungslotsen sind dabei mehr als nur Ansprechpersonen für die Auszubildenden. Sie fungieren auch als verbindende Schnittstelle zwischen Pflegeschulen, Praxiseinrichtungen und dem Jobcenter. Den Schulen wird bewusst Spielraum eingeräumt, um standortspezifische Herausforderungen zu identifizieren und passgenaue Unterstützungsangebote zu entwickeln. Je nach Größe der Ausbildungsgänge erhalten die Einrichtungen zwischen einem und drei Ausbildungslotsen, die flexibel nach dem individuellen Bedarf der Auszubildenden eingesetzt werden können.
Aktuell sind bereits 17 Ausbildungslotsen an 9 von insgesamt 14 Pflegeschulen im Saarland im Einsatz. Im Jahr 2026 soll die Zahl der teilnehmenden Schulen weiter steigen. Das Projekt ist zunächst bis Ende 2026 befristet. Im Anschluss ist eine Evaluation vorgesehen, die klären soll, in welchem Umfang die Ausbildungslotsen zum erfolgreichen Abschluss der Pflegeausbildungen beigetragen haben und ob eine dauerhafte Fortführung des Angebots sinnvoll ist.
Nach Angaben des Ministeriums deuten erste Rückmeldungen aus den beteiligten Pflegeschulen bereits auf einen hohen Bedarf und eine große Wirksamkeit der zusätzlichen Unterstützung hin. Die intensive Begleitung der Auszubildenden soll einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Fachkräften leisten und langfristig dazu beitragen, die Zahl der Ausbildungsabbrüche in der Pflege zu senken.

















