Im Saarland ist die Zustimmung zur Demokratie hoch, zugleich wächst die Unsicherheit darüber, wie stabil sie in Zukunft bleibt. Das zeigt der neue Saarland-Monitor 2025, den Landtagspräsidentin Heike Winzent am 28. November 2025 erstmals vorgestellt hat. Die Studie untersucht, wie die Menschen im Land auf die politische Lage blicken – und liefert sowohl ermutigende als auch nachdenklich stimmende Befunde.
Für Ulrich Commerçon, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, sticht vor allem ein Ergebnis hervor: „Das wichtigste Ergebnis des Saarland-Monitors ist, dass mit einer Zustimmung von 89 Prozent die Saarländerinnen und Saarländer zur Demokratie stehen. Gleichzeitig zeigt sich: Mit dem tatsächlichen Funktionieren der Demokratie sind nur 54 Prozent zufrieden. Diese Diskrepanz müssen wir als Politik ernst nehmen.“ Aus Sicht des Fraktionschefs macht die Studie damit deutlich, dass Wertschätzung für das demokratische System und Zufriedenheit mit seiner konkreten Ausgestaltung auseinanderfallen.
Positiver fallen die Werte für die politischen Institutionen im Land aus. Mit der Arbeit der Landesregierung zeigen sich laut Saarland-Monitor 57 Prozent zufrieden, mit der Arbeit des Landtags 51 Prozent. Besonders hebt Commerçon den Trend im Jahresverlauf hervor: Im April 2025 hatten demnach lediglich 46 Prozent der Befragten angegeben, mit der Landesregierung zufrieden zu sein. „Das ist ein wichtiges Signal, aber wir dürfen uns nicht darauf ausruhen. Vertrauen entsteht dort, wo Menschen sehen: Entscheidungen werden nicht über ihre Köpfe hinweg getroffen, sondern mit Blick auf ihre Lebensrealität. Daran arbeiten wir Tag für Tag“, erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende.
Deutlich wird in der Studie auch der Wunsch nach stärkerer Beteiligung an politischen Entscheidungen. Der Saarland-Monitor zeigt, dass das Bedürfnis, gehört zu werden, weit verbreitet ist. Commerçon ordnet das so ein: „Viele Menschen wünschen sich, mehr gehört zu werden. Das nehmen wir ernst. 61 Prozent der Saarländerinnen und Saarländer wünschen sich mehr gemeinschaftlich beratende Formate und genau das setzen wir als SPD-Fraktion um. Der jüngst abgeschlossene ‚Bürgerrat Klimaschutz‘ zeigt, wie Bürgerinnen und Bürger Politik konkret gestalten und verändern können. Das bestätigt uns in unserem Kurs. Demokratie lebt von Selbstwirksamkeit.“
Ein zentrales Motiv der Erhebung ist der gesellschaftliche Zusammenhalt. Laut Saarland-Monitor lehnt die Mehrheit der Befragten die Vorstellung ab, jeder sei ausschließlich für sich selbst verantwortlich. Commerçon verweist auf ein ausgeprägtes Verständnis von Solidarität und sozialer Verantwortung: „Der gesellschaftliche Zusammenhalt macht das Saarland so besonders. Das sieht man auch im Alltag: Das Saarland hat die größte Vereinsdichte in Deutschland und das ehrenamtliche Engagement liegt über dem Bundesdurchschnitt. Viele Menschen übernehmen Verantwortung, weil sie wollen, dass unser Land funktioniert. Diese Haltung trägt uns, gerade in Zeiten des Wandels. Sie verbindet, statt zu spalten.“
Auch politisch-gesellschaftliche Selbstverortungen nimmt der Saarland-Monitor in den Blick. Ein deutliches Ergebnis: 71 Prozent der Saarländerinnen und Saarländer sehen sich in der Mitte oder links der Mitte. Commerçon führt diese starke „solidarische Mitte“ auf die Lebensrealität vieler Menschen im Land zurück. Die Region stecke mitten im Strukturwandel, insbesondere in der Stahlindustrie, der Automobilwirtschaft und in zahlreichen Zulieferbetrieben. Viele hätten eigene Erfahrungen mit tiefgreifenden Veränderungen, etwa aus der Zeit des Endes der Montanindustrie. „Und gerade deshalb wissen sie, wie wichtig Solidarität und Zusammenhalt sind. Viele übernehmen Verantwortung, weil sie wollen, dass dieses Land funktioniert. Das ist ein entscheidender Stabilitätsanker in einer Zeit, in der Polarisierung anderswo zunimmt“, sagte der Fraktionsvorsitzende.
Gleichzeitig verweist Commerçon auf wachsende Sorgen in der gesellschaftlichen Mitte. „Gleichzeitig wissen wir, dass auch diese Mitte unter Druck geraten kann. Viele machen sich Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft, um die Stabilität ihrer Arbeitsplätze und um das, was der Wandel für ihre Familien bedeutet. Diese Verlustängste dürfen wir nicht unterschätzen.“ Der Saarland-Monitor stützt diese Einschätzung mit konkreten Zahlen: Wirtschaft und Arbeitsmarkt gehören mit 22 und 21 Prozent zu den größten Sorgebereichen der Befragten.
Nach Darstellung der SPD-Fraktion ist die Landespolitik bereits auf diese Herausforderungen eingegangen. Commerçon verweist dabei auf finanzielle Instrumente, die den Umbau der Wirtschaftsstruktur begleiten sollen: „Genau deswegen haben wir reagiert. Mit dem Transformationsfonds stehen Mittel bereit, um unsere Wirtschaft für die Zukunft aufzustellen und Arbeitsplätze zu sichern. Es geht darum, in einer Phase großer Unsicherheiten verlässliche Schritte zu ermöglichen. Viele Entscheidungen fallen in den Betrieben selbst, aber Politik kann dafür sorgen, dass stabile Rahmenbedingungen bestehen.“ Der Saarland-Monitor 2025 liefert damit einen umfassenden Einblick in Stimmungslage, Erwartungen und Sorgen im Bundesland – und eine Grundlage für weitere politische Debatten.


















