Am Bahnhof St. Ingbert ist in den vergangenen Jahren viel Unmut zusammengekommen. Wer hier ein- oder aussteigt, stößt auf ein leerstehendes Empfangsgebäude, häufig überfüllte Mülleimer, ein fehlendes Sicherheitsgefühl und keine frei zugängliche Toilette. Die Kritik aus Bevölkerung und Kommunalpolitik wurde immer lauter, zuletzt auch in einem offenen Brief von Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer und dem Beigeordneten Markus Schmitt an die Deutsche Bahn. Nun deutet sich Bewegung an: Bei einem Ortstermin haben Stadt, Ortsrat und Bahnvertreter vereinbart, gemeinsam an Verbesserungen zu arbeiten.
Eingeladen hatte auf Bitte des Ortsrates St. Ingbert-Mitte Ortsvorsteherin Irene Kaiser. Vor Ort trafen sich der städtische Beigeordnete Markus Schmitt, die Geschäftsbereichsleiter Christoph Anstadt vom Städtischen Betriebshof und Thomas Schöben vom Bereich Bürgerservice und Ordnung sowie von Seiten der Bahn Bahnhofsmanagerin Jennifer Sauer mit zwei Mitarbeitenden. Sauer ist von Saarbrücken aus für alle saarländischen Bahnhöfe zuständig. Sie machte deutlich, dass die geschilderten Probleme der Bahn bekannt seien und verwies auf bereits erfolgte Investitionen: So seien in den vergangenen Jahren der Belag der Bahnsteige, die Zuginformationsmonitore sowie Sitzbänke und Fenster im Empfangsgebäude erneuert worden. Die Reinigung des Bahnhofs erfolge nahezu täglich, dennoch reichten die vorhandenen Mülleimer oft nicht aus.
Im Gespräch wurden sowohl kurzfristige als auch langfristige Schritte umrissen. Als erste sichtbare Maßnahme kündigte Sauer an, dass in den kommenden Wochen die defekten Türen zum Vorplatz und zu den Bahnsteigen repariert werden sollen. Parallel dazu will die Bahn 2026 in die konkrete Planung einsteigen, wie das Bahnhofsgebäude modernisiert werden kann. Vorgesehen ist eine energetische Sanierung der Gebäudehülle sowie eine Anpassung des Innenbereichs. Diese Arbeiten sollen im Zusammenhang mit der Generalsanierung der Strecke Ludwigshafen–Saarbrücken im Jahr 2029 umgesetzt werden. Auch der Bahnhof Rohrbach steht auf der Agenda: Dort sind umfangreiche Arbeiten an der Personenunterführung geplant, um Barrierefreiheit zu erreichen.
Beigeordneter Markus Schmitt regte bei dem Termin an, eine Erweiterung des Empfangsgebäudes zu prüfen, um die Anforderungen an einen modernen Bahnhof besser abzubilden. Er verwies dabei auch auf die erwartete steigende Fahrgastzahl durch die Ansiedlung des CISPA nur wenige hundert Meter vom Bahnhof entfernt. Auf Wunsch der Ortsratsmitglieder sagte Bahnhofsmanagerin Sauer zu, die Stadt und ihre politischen Gremien in die weiteren Überlegungen aktiv einzubinden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens war die fehlende Toilettenanlage. Ortsvorsteherin Kaiser schilderte, dass dies insbesondere bei Heimspielen der SV Elversberg zu unhaltbaren Zuständen im Bahnhofsumfeld führe. Sauer zeigte sich offen, gemeinsam mit der Stadt ein Konzept zu entwickeln, um die vorhandene, bislang nicht öffentlich genutzte Toilettenanlage neben der leerstehenden Gaststätte für den Publikumsverkehr zu öffnen. Voraussetzung wäre eine Beteiligung der Stadt an den Reinigungskosten, wie es nach ihren Angaben bereits an den Bahnhöfen in Homburg und Saarlouis praktiziert wird. Der stellvertretende Ortsvorsteher Fabian Roschy sprach sich dafür aus, hier zügig eine gemeinsame Lösung zu finden.
Ortsratsmitglied Dominik Schmoll brachte zudem das Thema Sicherheitspatenschaft erneut auf den Tisch. Dabei geht es um eine Vereinbarung zwischen Stadt und Bahn, an der sich auch Landes- und Bundespolizei beteiligen könnten. Durch verstärkte Kontrollen soll das Sicherheitsgefühl am Bahnhof verbessert werden. Eine solche Patenschaft hatten Orts- und Stadtrat bereits 2015 beschlossen, die anschließenden Verhandlungen waren jedoch nicht weitergeführt worden. Sauer signalisierte Bereitschaft, die Gespräche dazu wieder aufzunehmen. Offene Fragen bleiben hingegen bei der im Stadtgebiet noch im Bau befindlichen Lärmschutzwand, deren als störend empfundene Optik derzeit nicht ohne Weiteres zu verändern ist. Eine Begrünung sei nicht möglich, eine regelmäßige Reinigung nur mit erheblichem Aufwand machbar.
Am Ende des Ortstermins stand der gemeinsame Wille, den Bahnhof St. Ingbert spürbar aufzuwerten. Alle Beteiligten betonten das Ziel, „unseren Bahnhof St. Ingbert“ attraktiver und sicherer zu machen. Ortsvorsteherin Kaiser hob hervor, dass der Ansatz, „miteinander statt übereinander zu reden“, in den konstruktiven Gesprächen deutlich geworden sei. Der Ortsrat beschloss anschließend einstimmig, dass die Stadtverwaltung mit der Deutschen Bahn in konkrete Verhandlungen eintreten soll – sowohl über ein Nutzungs- und Reinigungskonzept für die Toilettenanlage als auch über die Einführung einer Sicherheitspatenschaft für den Bahnhof.




















