Im Saarland rückt das Lesen noch stärker in den Mittelpunkt des Schulalltags. Nach einem Probelauf an ausgewählten Schulen steht nun fest: Das sogenannte Leseband wird ausgeweitet und soll ab dem Schuljahr 2026/27 fester Bestandteil an allen Gemeinschafts- und Förderschulen im Land sein. Damit reagiert das Bildungsministerium auf die Erfahrungen aus dem laufenden Schuljahr und setzt auf eine tägliche, verbindliche Lesezeit für Kinder und Jugendliche.
Ausgangspunkt der Entscheidung war eine Auftaktveranstaltung im Ministerium für Bildung und Kultur (MBK) vergangene Woche. Eingeladen waren Schulleitungen aller Gemeinschafts- und Förderschulen, die bisher noch nicht am Leseband beteiligt waren. Lehrkräfte der Gemeinschaftsschule Vopeliuspark Sulzbach, die seit Jahren systematisch an der Leseförderung arbeiten, sowie eine Kollegin der Anne-Frank-Schule stellten dort ihre Best-Practice-Beispiele vor. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, um sich zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und konkrete Anregungen für die Umsetzung an den eigenen Schulen mitzunehmen.
Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot betonte bei der Veranstaltung die Bedeutung des Projekts für die Bildung im Land. „Lesen ist der Schlüssel zur Sprache, zum Lernen und zur gesellschaftlichen Teilhabe und einem demokratischen Miteinander. Wer sicher lesen kann, hat bessere Chancen, aktiv an unserer Gesellschaft mitzuwirken. Mit dem Leseband sorgen wir dafür, dass alle Kinder und Jugendlichen im Saarland täglich Zeit zum Lesen haben – als festen Bestandteil ihres Schulalltages und unabhängig von individuellen Voraussetzungen. Damit stärken wir die Lesekompetenz systematisch, fördern Bildungsgerechtigkeit und geben den Schulen zugleich verlässliche Strukturen sowie gezielte Unterstützung an die Hand, um diese wichtige Aufgabe nachhaltig im Schulalltag zu verankern“, sagte Streichert-Clivot.
Bereits im Schuljahr 2025/26 wurde das Leseband verbindlich an allen Grundschulen eingeführt. Hinzu kamen 16 Gemeinschaftsschulen und 6 Förderschulen, die im Rahmen des Startchancen-Programms teilnehmen. Auf Basis der dort gesammelten Erfahrungen wird das Konzept nun ausgeweitet: Ab dem Schuljahr 2026/27 soll das Leseband verbindlich in den Klassenstufen 5 und 6 aller Gemeinschaftsschulen sowie an allen Förderschulen etabliert werden.
Kern des Konzepts ist eine feste, tägliche Lesezeit, die im Stundenplan verankert ist. In dieser Phase lesen alle Schülerinnen und Schüler gleichzeitig, unabhängig davon, welches Fach gerade unterrichtet wird. Im Fokus steht die systematische Förderung der Leseflüssigkeit als Grundlage für weiterführende Lesekompetenz und erfolgreiches Lernen in allen Fächern. Die gemeinsame Lesezeit kann unterschiedlich gestaltet werden – etwa durch chorisches Lesen, Lautlesetandems, Vorlesetheater oder das Mitlesen mit Hörbuch. So entsteht ein verlässlicher Rahmen, der allen Kindern und Jugendlichen regelmäßige und positive Leseerfahrungen ermöglichen soll.
Nach Angaben des Ministeriums fallen die bisherigen Rückmeldungen aus den Schulen positiv aus. Die Umsetzung im Schulalltag gelinge gut, in den Schulgemeinschaften stoße das Leseband auf hohe Akzeptanz. Zudem seien erste Effekte messbar: Ein Großteil der Schülerinnen und Schüler habe seine Lesegeschwindigkeit und damit auch das Textverständnis deutlich verbessern können.
Die Einführung des Lesebandes knüpft an Erfahrungen aus dem Landesprojekt BASIS an und ist zudem Ergebnis eines engen Austauschs mit anderen Bundesländern, die ähnliche Konzepte bereits erfolgreich nutzen. Begleitet wird die Ausweitung durch ein umfassendes Unterstützungspaket. Das Ministerium für Bildung und Kultur und der Bildungscampus Saarland bieten gezielte Fortbildungen für Lehrkräfte und schulische Steuerungstandems an. Ergänzend dazu steht auf der Plattform OSS ein neuer Online-Kurs bereit, der zentrale Informationen zu Methoden, Textauswahl und Diagnostik bündelt. Eine praxisnahe Handreichung soll den Schulen zusätzlich helfen, das Leseband konkret und alltagstauglich vor Ort umzusetzen.






















