Dr.Jutta Schwan (l.) und Kammerzofe Henrietta (r.) - Bild: Stephan Bonaventura

Raumknappheit in Versailles, chronisch klamme Fürstinnen und Intrigen hinter den Kulissen der Macht – wenn Kunsthistorikerin Dr. Jutta Schwan und Schauspielerin Monika Link als Kammerzofe Henrietta gemeinsam auf die Bühne treten, geraten vermeintliche Gewissheiten über das höfische Leben gehörig ins Wanken. Am Donnerstag, 16. April, eröffnen die beiden um 19 Uhr im Römermuseum Schwarzenacker die diesjährige Staffel der Vortragsreihe „K&K. Kunstgeschichte trifft Kammerzofe“ mit dem Thema „Macht und Pracht“.

Das Format hat sich in Homburg längst einen festen Platz im Kulturkalender erobert. Insgesamt vier Abende sind für dieses Jahr geplant, und gleich der Auftakt verspricht einen ungewöhnlichen Blick auf die Adelshäuser des 18. Jahrhunderts. Denn hinter den prunkvollen Fassaden von Schlössern wie Versailles, dem Saarbrücker Schloss Ludwigsberg oder dem Schloss Karlsberg verbarg sich oft eine ganz andere Realität als jene, die vergoldete Spiegel und endlose Raumfluchten suggerieren.

So herrschte ausgerechnet im gigantischen Versailles notorischer Platzmangel. Höflinge kämpften um jede Kammer, und die Unterbringungen fielen mitunter derart skurril aus, dass sie mit dem Bild von Glanz und Überfluss kaum in Einklang zu bringen sind. Auch in den saarländischen Residenzen war der Raum knapp und hart umkämpft – ein Umstand, der im kollektiven Gedächtnis weit weniger präsent ist als die kostbar ausgestatteten Säle.

Mindestens ebenso aufschlussreich ist der Blick auf die Rolle der Frauen an den Höfen jener Epoche. Vordergründig lag die Macht in männlicher Hand, während Fürstinnen und Adlige vor allem den Fortbestand der Dynastie sichern sollten. Im Alltag galt es, die Langeweile zu bewältigen – mit Briefeschreiben, Lektüre, Handarbeiten, Theaterbesuchen, Jagden oder Bällen. Vorausgesetzt, das Taschengeld reichte dafür aus. Liselotte von der Pfalz etwa beklagte, nicht einmal genug Geld für das Frankieren ihrer zahlreichen Briefe aufbringen zu können.

Doch hinter dieser scheinbaren Machtlosigkeit verbargen sich durchaus Einfluss und Strategie. Frauen wirkten im Verborgenen, spannten Netzwerke durch Korrespondenz und zogen über geschickt eingefädelte Intrigen an den Fäden der Politik. Genau diesen Kontrast zwischen öffentlicher Pracht und verborgener Wirklichkeit wollen Schwan und Link an dem Abend lebendig werden lassen – die eine mit wissenschaftlicher Expertise, die andere in der Rolle der Kammerzofe Henrietta, die aus erster oder zumindest zweiter Hand über das Leben bei Hofe zu berichten weiß.

Wer den Auftakt verpasst, bekommt im Laufe des Jahres weitere Gelegenheiten. Der zweite Abend der Reihe trägt den Titel „Lug und Trug“ und ist für den 18. Juni angesetzt. Danach folgen die Themen „Schein und Sein“ sowie „Hin und weg“. Weitere Informationen zum Programm stellt das Römermuseum Schwarzenacker auf seiner Internetseite bereit.

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