Partnerschaftsgewalt geschieht hinter verschlossenen Türen – doch die Antwort darauf soll künftig aus der Nachbarschaft kommen. In Sulzbach ist am 1. April das Pilotprojekt „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ an den Start gegangen, das einen ungewöhnlichen Weg im Kampf gegen häusliche Gewalt beschreitet: Es nimmt nicht allein die Betroffenen in den Blick, sondern das gesamte Wohnumfeld.
Die Idee hinter „StoP“ ist wissenschaftlich fundiert und setzt auf einen quartiersbezogenen Ansatz. Nachbarinnen und Nachbarn sollen durch Informationskampagnen, Schulungen und Veranstaltungen in die Lage versetzt werden, Anzeichen von Gewalt frühzeitig zu erkennen und richtig zu handeln. Damit wirkt das Projekt auch der sozialen Isolation entgegen, die Betroffene häuslicher Gewalt häufig erleben. Statt wegzuschauen, soll ein tragfähiges soziales Netz entstehen, das Solidarität und Vertrauen in lokale Hilfsstrukturen stärkt.
Frauenstaatssekretärin Bettina Altesleben unterstrich zum Projektstart die gesellschaftliche Dimension des Vorhabens: „StoP setzt direkt im Lebensumfeld der Menschen an und versteht Häusliche Gewalt als gesamtgesellschaftliches Problem, das nur gemeinsam gelöst werden kann.“ Das Projekt schaffe neue Zugänge zu Schutz- und Beratungseinrichtungen und erreiche dadurch Betroffene, die bisher keinen oder nur schwer Zugang zu bestehenden Hilfsangeboten gefunden hätten. Es ergänze die vorhandene Unterstützungslandschaft sinnvoll und trage dazu bei, Barrieren abzubauen.
Die operative Steuerung in Sulzbach liegt beim Caritasverband für Saarbrücken und Umgebung. Das saarländische Frauenministerium finanziert das Vorhaben in diesem Jahr mit knapp 40.000 Euro. Perspektivisch soll „StoP“ nicht auf Sulzbach beschränkt bleiben, sondern langfristig auch in weiteren Städten etabliert werden.
Mit dem Pilotprojekt setzt die saarländische Landesregierung zugleich gesetzliche Vorgaben um. Sowohl das Gewalthilfegesetz als auch die Istanbul-Konvention verpflichten dazu, wirksame Strukturen zur Gewaltprävention und zum Schutz Betroffener aufzubauen. „StoP“ versteht sich als ein Baustein in diesem Rahmen – einer, der Gewalt gegen Partnerinnen und Partner sichtbar machen und die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren will, dass Hinsehen keine Einmischung ist, sondern gelebte Verantwortung.



















