Anzeige

Ein ehemaliger Bundesligatrainer spricht im Waldstadion über die Bücher seines Lebens. Eine historische Druckerpresse kehrt ins Siebenpfeifferhaus zurück und wird erstmals wieder in Betrieb genommen. Alice Schwarzer erhält den Deutsch-Französischen Freundschaftspreis. Und zum Abschluss treffen die Texte Rainer Maria Rilkes auf Schauspiel, Gesang und Musik.

Die HomBuch 2026 macht es sich nicht leicht. Statt lediglich bekannte Namen nebeneinanderzustellen, zieht sich eine Frage durch das Programm: Welche Bücher, Gedanken und Erfahrungen prägen einen Menschen – und was können sie in einer Zeit bewirken, in der gesellschaftliche Debatten häufig lauter, aber nicht unbedingt besser werden?

Anzeige

Vom 12. bis 18. Oktober bringt das Lesefest Literatur, Musik, Film, Kunst und gesellschaftspolitische Gespräche an unterschiedliche Orte in Homburg. Den großen Nachklang gibt es am 21. Oktober mit dem Rilke-Projekt „So viel Himmel“ im Kulturzentrum Saalbau. Das Leitmotiv lautet erneut „Besondere Begegnungen“. In diesem Jahr ist es allerdings mehr als ein wohlklingender Titel: Viele Veranstaltungen leben davon, dass Persönlichkeiten aus ganz unterschiedlichen Bereichen auf Bücher treffen – und dabei Seiten von sich zeigen, die auf einer klassischen Lesebühne kaum sichtbar würden.

Den Beginn macht am Montag, 12. Oktober, um 19 Uhr das HomBuch-Heimspiel „Bücher, Worte und Musik“ im Siebenpfeifferhaus. Auf der Bühne sitzen drei Persönlichkeiten, die im Saarland vor allem aus Musik, Rundfunk und Kultur bekannt sind: Roland Kunz von SR kultur, Bernhard Leonardy, Intendant der Musikfestspiele Saar, und die Journalistin Susanne Wachs.

Sie sprechen nicht über eine vorgegebene literarische Bestenliste, sondern über Texte, Lieder und Bücher, die sie persönlich begleitet haben. Dass Literatur nicht immer schon im Elternhaus beginnen muss, machte Susanne Wachs bei der Vorstellung des Programms deutlich. Zu Hause sei wenig gelesen worden, ihr eigener Zugang sei erst in der Schule entstanden – durch Max Frischs „Homo faber“ und später über französische Chansons.

„Man muss den Zugang einfach nur über das Herz kriegen, und dann funktioniert es auch“, sagte Wachs. Genau daraus soll der Abend seine Spannung beziehen: Kunz und Leonardy bringen ihre musikalischen Erfahrungen ein, Wachs verbindet Texte mit französischen Chansons. Der Flügel im Siebenpfeifferhaus dürfte dabei nicht nur Dekoration bleiben. 

Anzeige

Demokratieabend mit einer wiederbelebten Druckerpresse

Am Dienstag, 13. Oktober, rückt die HomBuch das Thema Demokratie ins Zentrum. Noch vor der Abendveranstaltung wird am Siebenpfeifferhaus eine Plakette enthüllt, die an die Bedeutung Philipp Jakob Siebenpfeiffers und Johann Georg August Wirths für die deutsche Demokratiegeschichte erinnert.

Dazu kehrt ein besonderes Stück Homburger Geschichte zurück: die historische Druckerpresse des Hauses. Nach einer Restaurierung soll sie an diesem Tag erstmals wieder tatsächlich drucken. Damit wird ein Ausstellungsstück für einen Moment wieder zu dem, was es ursprünglich war – ein Werkzeug zur Verbreitung von Gedanken und politischen Ideen.

Vera Backes sprach bei der Programmvorstellung von einer „Art Wiederbelebung“. Die Presse sei nach einer Ausleihe zunächst falsch zusammengesetzt zurückgekehrt und anschließend aufwendig restauriert worden. Nun soll sie rechtzeitig zur HomBuch wieder an ihrem angestammten Ort stehen. 

Ab 19 Uhr stellt der Psychologe und Extremismusforscher Ahmad Mansour sein neues Buch „Haltung ohne Hass“ vor. Er wirbt darin für demokratischen Streit, für Gespräche über gesellschaftliche Grenzen hinweg und gegen eine Polarisierung, bei der sich Menschen nur noch gegenseitig bestätigen oder beschimpfen.

Moderator Peter König bezeichnete Mansour als einen Gast, der polarisiere, gerade deshalb aber zum Profil der Veranstaltung passe. Sein neues Buch beschäftige sich mit einer Gesellschaft, in der Radikalisierung und Verschwörungserzählungen insbesondere junge Menschen erreichen. Mansours Antwort darauf sei nicht der Rückzug aus der Debatte, sondern der Dialog. 

Christian Streich kehrt ins Waldstadion zurück

Der Mittwoch dürfte für viele Besucher der emotionalste Abend der HomBuch werden. Christian Streich kehrt am 14. Oktober an einen Ort zurück, der zu seiner eigenen Fußballgeschichte gehört. Der langjährige Trainer des SC Freiburg spielte einst für den FC 08 Homburg und stieg mit dem Verein in der Saison 1988/89 in die Bundesliga auf.

Nun wird vor der Haupttribüne des Waldstadions eigens eine Bühne aufgebaut. Dort spricht Streich mit Moderator Thomas Wollscheid über die „Bücher meines Lebens“ – über Literatur als Gegenpol zum Hochleistungssport, über Haltung und darüber, welche Texte ihn auf seinem Weg begleitet haben.

Bis die Zusage stand, war allerdings Ausdauer gefragt. Hans-Joachim Burgardt berichtete von zahlreichen Gesprächen mit dem Management. „Ich habe wirklich 30-, 40-, 50-mal telefoniert“, sagte er. Am Ende kam die Zusage für den nach Angaben der Veranstalter einzigen öffentlichen Termin, den Streich in diesem Herbst wahrnehmen will.

Dass er gerade nach Homburg kommt, hat mit seiner Vergangenheit zu tun. „Es gibt wirklich positive Erinnerungen an Homburg“, sagte Burgardt. Für den Abend werden mehrere Hundert Besucher erwartet. Streich selbst möchte seinen Aufenthalt offenbar nicht auf das Stadion beschränken, sondern sich auch im Saarland umsehen – unter anderem in der Völklinger Hütte. 

Elfriede Jelinek zwischen Literatur, Film und Live-Musik

Am Donnerstag, 15. Oktober, zieht die HomBuch ins Eden Cinehouse. Dort wird die Literaturverfilmung „Liebhaberinnen“ nach dem Roman von Elfriede Jelinek gezeigt. Regisseurin Caroline „Koxi“ Kox präsentiert ihren auf der Berlinale uraufgeführten Debütfilm persönlich und spricht anschließend mit Peter König über die Übertragung des Stoffes in die Gegenwart.

Jelineks Roman aus dem Jahr 1975 erzählt von Frauen, deren Hoffnung auf sozialen Aufstieg eng mit Beziehungen, wirtschaftlichen Abhängigkeiten und patriarchalen Strukturen verbunden ist. Kox verändert die Figuren und versetzt die Geschichte in die heutige Zeit. Auch soziale Medien und moderne Formen von Abhängigkeit spielen eine Rolle.

Peter König zeigte sich bei der Programmvorstellung besonders gespannt darauf, wie der Film Jelineks gesellschaftskritischen Kern bewahrt und zugleich neu interpretiert. Die Regisseurin habe die Figuren deutlich verändert, halte aber an der Kritik an Kapitalismus und patriarchalen Verhältnissen fest. 

Außergewöhnlich wird auch die Verbindung von Kino und Konzert: Musiker der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern spielen live Musik aus dem Filmscore. Im vergleichsweise engen Kinosaal dürfte das technisch anspruchsvoll werden – aber gerade diese Mischung gehört zum Anspruch der HomBuch, Literatur nicht nur vorzulesen, sondern in anderen Kunstformen weiterzuführen.

Alice Schwarzer erhält Freundschaftspreis

Am Freitag, 16. Oktober, kommt Alice Schwarzer ins Siebenpfeifferhaus. Die Publizistin und Gründerin der Zeitschrift EMMA stellt ihr aktuelles Buch „Feminismus pur. 99 Worte“ vor. Im Gespräch mit Michael Thieser soll es um zentrale Begriffe feministischer Debatten, ihre journalistische Arbeit und ihr Verhältnis zu Deutschland und Frankreich gehen.

Schwarzer lebt und arbeitet seit Jahrzehnten in beiden Ländern. Sie hat französische Intellektuelle und insbesondere das Denken Simone de Beauvoirs einem breiten deutschsprachigen Publikum vermittelt. In Homburg wird sie deshalb mit dem Deutsch-Französischen Freundschaftspreis ausgezeichnet. 

Der Abend dürfte nicht auf unverbindliche Rückblicke hinauslaufen. Schwarzer gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten, aber auch umstrittensten Stimmen des deutschen Feminismus. Gerade deshalb passt sie in ein Programm, das Begegnungen nicht mit Einigkeit verwechselt.

Siegfried Lenz neu entdecken

Der Samstag, 17. Oktober, gehört Siegfried Lenz. Anlässlich seines 100. Geburtstags erinnert Günter Berg, langjähriger Verleger und persönlicher Weggefährte des Schriftstellers, in der Galerie Julia Johannsen an Leben und Werk des großen deutschen Nachkriegserzählers.

Johannsen kündigte ausdrücklich keine „Deutschstunde“ im schulischen Sinne an. Berg werde lebendig von Lenz erzählen, von bekannten Büchern, aber auch von Texten, die noch zu entdecken seien. Im Mittelpunkt steht der Titel „Der Pakt mit dem Leser“.

Literatur und bildende Kunst werden dabei miteinander verbunden. Begleitend eröffnet die Ausstellung „Binnenmeer“ mit Malerei und Grafiken, die auf Lenz, seine Werke und seine häufig maritim geprägten Seelenlandschaften reagieren. „Jeder kann da mitdenken, mitfühlen, sein eigenes Erleben in der Literatur und in den Bildern finden“, sagte Johannsen. 

Wegen der begrenzten Räume finden zwei Termine um 17 Uhr und 18.30 Uhr statt. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt allerdings, dass die Übergänge fließend werden können: Die einen wollen nach der Lesung noch bleiben, während die nächsten Besucher bereits zur Ausstellung kommen.

Herzchirurgie zwischen Präzision und Grenzerfahrung

Zum traditionellen Abschluss der HomBuch-Woche zeichnet SR kultur am Sonntag, 18. Oktober, um 11 Uhr im Siebenpfeifferhaus eine neue Ausgabe von „Fragen an den Autor“ auf. Gast ist Prof. Dr. Rüdiger Lange, international renommierter Herzchirurg und Autor des Buches „Herzblut“.

Lange berichtet darin von Situationen zwischen Leben und Tod, von Präzision unter höchstem Druck und von der Verantwortung, die medizinische Entscheidungen mit sich bringen. Für Homburg als Universitäts- und Medizinstadt ist der Gast bewusst gewählt.

Die Redaktion von „Fragen an den Autor“ übernimmt dabei die inhaltliche Gestaltung, die HomBuch stellt den Raum und schafft den Rahmen für das Gespräch. Vorgesehen ist ausdrücklich auch die Beteiligung des Publikums. Die Veranstaltung soll damit keine medizinische Vorlesung werden, sondern eine Begegnung mit einem Arzt, der über fachliche Grenzsituationen und ihre menschliche Seite spricht. 

Rilke als großer Nachklang

Eigentlich endet die HomBuch-Woche am Sonntag. Der festliche Schlusspunkt folgt jedoch am Mittwoch, 21. Oktober, um 19.30 Uhr im Kulturzentrum Saalbau. Unter dem Titel „So viel Himmel“ kommt das Rilke-Projekt nach Homburg.

Anlässlich des 150. Geburtstags von Rainer Maria Rilke verbinden Dietmar Bär, Nina Hoger, Pasquale Aleardi und Florian Künstler gemeinsam mit Richard Schönherz und Angelica Fleer Gedichte, Briefe, Schauspiel und Musik. Zugleich feiert das Rilke-Projekt sein 25-jähriges Bestehen.

Für Hans-Joachim Burgardt ist es das technisch und organisatorisch aufwendigste Vorhaben der diesjährigen HomBuch. „Das macht mir manchmal ein bisschen Angst“, räumte er mit Blick auf Bühne und Technik ein. Gleichzeitig sei die Vorfreude groß. Schon beim Gedanken an einzelne Gedichte bekomme er „manchmal Gänsehaut“. 

Das Projekt beschäftigt sich mit Vergänglichkeit, Todesangst, der unerreichbaren Vollkommenheit der Engel und Rilkes Idee, das Sichtbare in etwas Unsichtbares zu verwandeln. Schwerer Stoff – aber nicht in Form eines klassischen Rezitationsabends. Musik, Stimmen und szenisches Spiel sollen einen neuen Zugang zu den Gedichten und Briefen öffnen.

Ein Programm mit einem erkennbaren roten Faden

Trotz der Unterschiedlichkeit seiner Gäste besitzt das Programm einen erstaunlich klaren Zusammenhang. Beim Heimspiel erzählen drei saarländische Kulturpersönlichkeiten von Texten, die sie geprägt haben. Christian Streich spricht über Bücher als Begleiter seines Lebens. Alice Schwarzer steht für Veröffentlichungen, die gesellschaftliche Debatten verändern. Ahmad Mansour fragt nach Haltung und Dialog. Rüdiger Lange berichtet davon, was Verantwortung in Extremsituationen bedeutet.

Burgardt brachte diesen roten Faden bei der Vorstellung des Programms auf den Punkt: Bei Streich seien es Bücher, die einen Trainer geprägt haben. Beim Heimspiel seien es „die Bücher unseres Lebens“. Bei Alice Schwarzer könnten Bücher sogar das Leben ihrer Leser verändern.

„Die HomBuch lebt von besonderen Begegnungen – zwischen Autoren, Künstlern und Publikum, zwischen Literatur und gesellschaftlichen Fragen“, sagt Burgardt. Auch 2026 will das Festival deshalb nicht einfach nur prominente Gäste präsentieren. Es will wissen, was sie gelesen, gedacht und geprägt hat – und darüber mit dem Publikum ins Gespräch kommen. 

Der Vorverkauf läuft über Ticket Regional, die Buchhandlung Hahn in Limbach und die Tourist-Info Homburg. Das kompakte Programm führt vom Auftakt am 12. Oktober bis zum Rilke-Projekt am 21. Oktober und nennt alle Spielorte und Beginnzeiten. 

Alle Bilder: Friedel Simon

 

💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein