„Wir Mediziner kämpfen nicht nur gegen Corona“, sagen Prof. Dr. Konstantinos Anagnostakos (Chefarzt Orthopädie) und Prof. Dr. Christof Meyer (Chefarzt Unfallchirurgie). Das Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie (OUCH) auf dem Winterberg klärt deshalb über Prothesen-Infektionen auf. Besonders wichtig ist eine früh- und rechtzeitige Diagnose – schwierig, denn die Patienten äußern oft unspezifische Beschwerden.

„Corona ist das omnipräsente Thema derzeit, sowohl beruflich als auch privat“, sagt Prof. Dr. Konstantinos Anagnostakos, „doch man darf auch andere weniger offensichtliche aber dennoch schwerwiegende Krankheitsbilder nicht ignorieren, die teilweise aufwändige Behandlungen nach sich ziehen und unter Umständen auf Dauer ein aktives Leben beeinträchtigen.“

Infektionen an Prothesen, etwa an der Hüfte, Schulter oder Knie, treten nicht nur unmittelbar nach einer Operation auf, sondern können auch das künstliche Gelenk über die Blutbahn nach Monaten oder Jahren nach dem Primäreingriff befallen. Die Mehrheit der Fälle geschieht auf diesem Weg – häufige Ursachen dafür sind Zahneingriffe, Magen-Darm- oder Harnwegsinfektionen. Prothesen-Infektionen treten meist schleichend auf, daher ist es schwierig, früh- und rechtzeitig die richtige Diagnose zu stellen. Viele Patienten beklagen häufig unspezifische und unklare Beschwerden, bis letztendlich die Entzündung nachgewiesen wird. Auch frühzeitige Prothesenlockerungen können ein Hinweis für einen Infekt sein.

Erklärung zum Röntgenbild:
a-b: Präoperative Aufnahmen einer infizierten Knie-Endoprothese, c-d: nach Ausbau der infizierten Prothese wurde eine Interimsprothese („Spacer“), die aus antibiotikahaltigem Knochenzement besteht, eingebaut, damit der Infekt auch lokal mit Antibiotika behandelt wird, e-f: acht Wochen nach der ersten Operation und Sanierung der Infektion erfolgte die Reimplantation der neuen Prothese.

Im Zentrum für OUCH im Klinikum Saarbrücken hat sich das Team um die beiden Chefärzte darauf spezialisiert. Sämtliche Patienten werden nach einem speziellen standardisierten Schema diagnostiziert und versorgt, von konservativ bis operativ. Im Team mit weiteren Abteilungen, zum Beispiel Innere Medizin, Anästhesie, Intensivmedizin und Mikrobiologie, können solche Patienten optimal behandelt werden. Die Folge: So konnte das Zentrum für OUCH diese Infektionen in fast 94 % der Fälle erfolgreich bekämpfen. Ihr Erfolgskonzept mit den Erfahrungen zur operativen Behandlung von Protheseninfektionen des Hüft- und Kniegelenkes publizierten die beiden Chefärzte zudem kürzlich in der renommierten Zeitschrift Antibiotics (Basel).

Patienten, die entweder einen Verdacht auf einen Protheseninfekt haben oder solche, die unklare Schmerzen nach Prothesenoperationen haben, möglicherweise passend zu einem schleichenden Infekt, können sich gerne im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie vorstellen (Terminvereinbarung über Sekretariat Prof. Konstantinos Anagnostakos, Tel.-Nr. 0681/963-2896).

 

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