Dabei zielt Natura 2000 sehr erfolgreich auf ausgewählte Lebensräume und Arten, die von hohem Interesse für den Naturschutz in der Europäischen Union sind. So stehen zum Beispiel im Wald oft Fledermaus-Arten auf der Agenda, die in weiten Teilen der EU in Schwierigkeiten sind. In der offenen Landschaft stehen oftmals trockene und nährstoffarme Wiesen im Fokus, die Lebensraum für seltene Arten wie den Thymian-Ameisenbläuling sind. Mit Blick auf solche Lebensräume und Arten schützen bereits seit 2013 in der Europäischen Union 27.700 dieser Natura 2000-Gebiete rund 18 Prozent der Landfläche und etwa sieben Prozent der Meeresgebiete – und machten das Netzwerk zu einer der weltweit erfolgreichsten Naturschutzinitiativen.

In der Natur spielen aber nicht nur diese ausgewählten, sondern auch viele andere Arten eine wichtige Rolle, von denen man annimmt, dass sie von der Einrichtung der Natura 2000-Gebiete gleichermaßen profitieren. Schwinden ihre Bestände, können Nahrungsnetze zerreißen und sich ökologische Muster mit manchmal enormen Auswirkungen auf die Natur stark verändern. Der Blick auf diese weniger beachteten Arten ist daher durchaus wichtig – und zeichnet zwischen Vögeln und Tagfaltern ein sehr unterschiedliches Bild.

So ist die Häufigkeit bei fast der Hälfte der untersuchten 155 Vogelarten in Regionen mit vielen Natura 2000-Gebieten wesentlich höher, sehr viele davon sind typische Wald-Bewohner. Bei den Tagfaltern profitieren dagegen gerade einmal 27 der 104 untersuchten Arten von diesem Schutz. Und nur zwei dieser Schmetterlingsarten leben in Wäldern. Das überrascht zunächst einmal nicht allzu sehr, schließlich flattern die Tagfalter Europas viel häufiger über sonnige Wiesen als durch Wälder.

Obendrein sind viele Forste hierzulande angepflanzt. „Dort wachsen Bäume gleichen Alters, deren Kronen ein dichtes Dach bilden, durch das kaum Sonnenstrahlen dringen“, erklärt Martin Musche, ebenfalls Insektenforscher am UFZ und Mitautor der Studie. Am düsteren Waldboden aber finden die allermeisten Tagfalter keinen Lebensraum. „Aus der Sicht der Tagfalter bräuchten wir also erheblich mehr lichtdurchflutete Wälder“, schließt der Biologe.

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