Foto: Anita Naumann

Das Netzwerk der Natura 2000-Schutzgebiete der Europäischen Union (EU) soll gefährdete Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensräume schützen. Allerdings profitieren auch etliche Arten, die nicht im Fokus stehen. Nur sind diese Nutznießer ungleichmäßig über die großen Tiergruppen verteilt, berichtet ein internationales Forscher*innen-Team, darunter Wissenschaftler des UFZ sowie des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in der Zeitschrift Conservation Biology. So zieht fast die Hälfte der nicht in der Zielgruppe genannten Vogelarten Nutzen aus dem Natura 2000-Schutz, während bei den Tagfaltern nur ein gutes Viertel von einem solchen Mitnahmeeffekt profitiert.

Die Ergebnisse der Studie liefern einen weiteren Hinweis darauf, dass Insekten von den gegenwärtigen Schutzkonzepten nur ansatzweise erfasst werden. „Wenn wir die Ziele des Naturschutzes definieren, sollten wir deshalb unseren Blick stärker als bislang auf die Insekten lenken“, schließt UFZ-Forscher Prof. Josef Settele, Mitautor der Studie, aus diesem Ergebnis. Dabei denkt der Agrarökologe und Schmetterlings-Spezialist, der an UFZ und iDiv forscht, nicht nur an Tagfalter, sondern auch an andere, häufig unscheinbarere Arten wie Mücken, Ameisen oder die vielen Bodeninsekten, die in der Natur ebenfalls zentrale Rollen einnehmen.

Untersucht haben die Forscher allerdings nur die Auswirkungen der Natura 2000-Schutzgebiete auf Vögel und Tagfalter. „Von diesen beiden Gruppen gibt es die allermeisten Beobachtungsreihen über viele Jahre“, begründet Josef Settele diese Auswahl. Ausgewertet wurden die Daten, die einige Tausend Freiwillige auf über 9.500 Flächen für Vögel und über 2.000 Flächen für Tagfalter langfristig erhoben haben.

In diesen Gebieten sind die ehrenamtlichen wie auch hauptberuflichen Ornithologen und Schmetterlings-Begeisterten regelmäßig unterwegs, um zu zählen, wie viele Tiere der untersuchten Arten sich dort gerade aufhalten. So laufen 318 Freiwillige in Deutschland 460 Probestrecken von Anfang April bis Ende September meist einmal in der Woche ab und zählen dort Tagfalter. Nur wenn das Wetter nicht mitspielt und zum Beispiel starke Winde die allermeisten Schmetterlinge am Fliegen hindern, pausieren auch die Beobachter. Zwischen den Jahren 2005 und 2018 zählten die Freiwilligen so allein in Deutschland 3,3 Millionen Schmetterlinge.

Auch die Ornithologen sammelten extrem viele Daten, die Vincent Pellissier von der Sorbonne-Universität in Paris, der Hauptautor der Studie, und seine Kollegen jetzt ausgewertet haben. Bei solchen Untersuchungen haben sich die meisten Forscher bisher auf die Artenvielfalt konzentriert und dabei in den Natura 2000-Gebieten oft mehr Arten als außerhalb gezählt. 

Weiterlesen auf Seite 2

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte kommentieren sie.
Bitte geben sie ihren Namen ein.