Geschlechtersensible Medizin soll im Saarland politisch stärker verankert werden. Die SPD- und CDU-Fraktionen haben einen gemeinsamen Antrag in den saarländischen Landtag eingebracht, der die Stärkung der Frauengesundheit und der sogenannten Gendermedizin zum Ziel hat. Die Krankenkasse BARMER unterstützt den Vorstoß ausdrücklich und verweist darauf, dass eine geschlechterbewusste Behandlung nicht nur Frauen, sondern allen Patientinnen und Patienten zugutekomme.
Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland, ordnet die Initiative klar ein: „Von einer Medizin, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern berücksichtigt, profitieren alle Menschen. Es ist gut, dass es nun auch im Saarland eine politische Initiative zur Förderung von Gendermedizin gibt.“ Das Geschlecht eines Menschen sei mitverantwortlich dafür, mit welchen Symptomen sich Krankheiten äußern und wie die beste Behandlung aussehe.
Wie konkret sich diese Unterschiede im Alltag der Medizin niederschlagen, zeigt Kleis am Beispiel von Darmerkrankungen. Männer erkranken demnach häufiger an Darmkrebs, während Frauen öfter vom Reizdarmsyndrom betroffen sind. Geschlechterspezifische Darmbakterien beeinflussen die Zusammensetzung der Darmflora, und Frauen produzieren weniger Magensäure – mit direkten Folgen für die Verdauung. Solche Unterschiede bleiben in der medizinischen Praxis bislang oft unberücksichtigt, obwohl sie für Diagnose und Therapie erhebliche Bedeutung haben.
Der fraktionsübergreifende Antrag im Landtag setzt genau an dieser Lücke an. Er zielt darauf ab, das Bewusstsein für geschlechterspezifische Faktoren in der Gesundheitsversorgung zu schärfen und strukturelle Veränderungen anzustoßen. Dass sowohl SPD als auch CDU den Antrag gemeinsam tragen, verleiht dem Vorhaben politisches Gewicht über Parteigrenzen hinweg.
Kleis fordert darüber hinaus, Gendermedizin noch stärker als bisher in der Aus- und Weiterbildung von Beschäftigten in Gesundheitsberufen zu verankern. Auch die wissenschaftliche Forschung müsse das Thema konsequenter aufgreifen. Denn obwohl die Erkenntnisse über geschlechterspezifische Unterschiede bei Krankheitsverläufen seit Jahren wachsen, fließen sie nur langsam in den klinischen Alltag ein. Der saarländische Vorstoß könnte hier ein Signal setzen, das über die Landesgrenzen hinaus Beachtung findet.




















