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Für berufstätige Eltern im Saarpfalz-Kreis ist der Alltag oft eine Rechnung, die kaum aufgeht: Kita-Öffnungszeiten, Fahrtwege und Arbeitsschichten müssen präzise ineinandergreifen. Genau diese fragile Balance sieht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) durch Pläne der Bundesregierung bedroht. Deren Ziel, das Arbeitszeitgesetz zu lockern und den Acht-Stunden-Tag aufzuweichen, könnte nach Ansicht der Gewerkschaft für viele Familien in der Region zum Problem werden.

Rund 1.270 Kinder unter drei Jahren haben im Saarpfalz-Kreis derzeit einen Betreuungsplatz. Das entspricht laut amtlicher Statistik einer Quote von gut 38 Prozent – aus Sicht von Tobias Wolfanger, Geschäftsführer der NGG-Region Saar, deutlich zu wenig. „Vor allem wenn Eltern arbeiten, müssen sie sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden“, sagt er. Der tatsächliche Bedarf liegt spürbar höher: Nach einer Studie des Deutschen Jugendinstituts wünschen sich saarlandweit 54 Prozent der Eltern einen Platz für ihre unter Dreijährigen.

Wolfanger befürchtet, dass sich diese ohnehin knappe Planung endgültig nicht mehr aufrechterhalten lässt, sollte der Acht-Stunden-Tag fallen. „Dann kann ein Arbeitstag auch mal zwei oder sogar dreieinhalb Stunden länger werden. Mit Verlässlichkeit, die Eltern dringend brauchen, hat das nichts mehr zu tun“, warnt er. Schon heute seien Kita- und Arbeitszeiten „auf Kante genäht“. Wer sein Kind pünktlich abholen müsse, bevor die Einrichtung schließt, gerate bei einem Zehn- oder Zwölf-Stunden-Tag zwangsläufig in die Klemme.

Nicht nur die Kinderbetreuung stünde dann unter Druck. Auch wer zu Hause Angehörige pflegt, sei auf feste Abläufe angewiesen, etwa in Abstimmung mit ambulanten Pflegediensten. „Wer sich um Angehörige kümmert, kann alles gebrauchen, aber keinen XL-Arbeitstag“, so Wolfanger. Verlässlichkeit sei hier das A und O. Die geplante Aufweichung des Acht-Stunden-Tages bezeichnet er deshalb als „Gift für alle, die im Moment alles daransetzen, den Spagat zwischen Job und Familie zu schaffen“.

Besonders Frauen wären betroffen. Nach dem DGB-Index Gute Arbeit gaben 51 Prozent der befragten Frauen an, sich zu Hause um Kinder oder ältere Angehörige zu kümmern, bei den Männern waren es 41 Prozent. Schon jetzt hat gut ein Fünftel aller Beschäftigten häufig Mühe, Familie und Beruf zeitlich unter einen Hut zu bringen. Bei alleinerziehenden Frauen steigt dieser Anteil sogar auf 42 Prozent.

Die geplante Regelung sieht eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden vor, in Ausnahmefällen bis zu 73,5 Stunden. Damit würde die Bundesregierung nach Einschätzung der NGG „echte Probleme für viele Familien im Saarpfalz-Kreis“ auslösen. Wolfanger verweist zudem auf den Fachkräftemangel in Gastgewerbe, Lebensmittelhandwerk und Nahrungsmittelindustrie: „Den Arbeitskräftemangel in diesen Betrieben lösen wir nicht durch längere Arbeitstage, sondern durch bessere Arbeitsbedingungen und mehr Kita-Plätze.“

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Hinzu kommt aus Sicht der Gewerkschaft ein gesundheitliches Risiko. Nach acht Stunden steige die Unfallgefahr kontinuierlich an, nach zwölf Stunden sei sie doppelt so hoch wie bei einem regulären Arbeitstag. Auch Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Burnout könnten die Folge zu langer Arbeitstage sein.

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