Die Gründerinnen des neuen Unverpackt-Ladens in der Schanzstraße: Jessie Platte (l.) und Nadine Meyer (r.). Bild: Bill Titze

Sechs Stück gibt es im Saarland bereits, Anfang Dezember hat auch in Homburg einer eröffnet: ein Unverpackt-Laden. Der besticht äußerlich durch eine große Glasfassade und im Inneren durch ein reichhaltiges Angebot. Wie sie auf die Idee gekommen sind und was ihnen bei der Eröffnung des Geschäfts geholfen hat, haben uns die beiden Gründerinnen erzählt.

Was als erstes auffällt, wenn man den neuen Laden in der Schanzstraße betritt, ist, dass hier beileibe kein Platzmangel herrscht. Denn der Verkaufsraum ist äußerst großzügig, verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die Glasfront, die über die komplette Fassade reicht. Großzügig ist jedoch nicht nur der Platz im Inneren des Ladens, sondern auch das Angebot. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt: Obst, Gemüse, Getränke, Nudeln, Kosmetikprodukte. Eben alles das, was man in einem „normalen“ Supermarkt auch finden würde.

Nur Plastik, den findet man hier selten. Schließlich ist genau das das Konzept, dass einen Unverpackt-Laden ausmacht. Wie der Name schon sagt, gibt es hier keine Verpackungen, die Kunden bringen ihre eigenen Behälter mit und können sich an den zahlreichen Warenbehälter das „abfüllen“, was sie auch wirklich brauchen. „Das ist einfach ein bewussteres Einkaufen“, erzählt Jessie Platte, die ihren Job im Bistro der Uniklinik aufgegeben hat, um sich selbstständig zu machen. „Man geht hier nicht mit seinem Wagen durch den Markt ohne eigentlich zu wissen, was daheim noch im Schrank ist.“ Die Menschen, die her kommen, wüssten im Gegenteil ganz genau, was sie brauchen. Und wie viel möchte man hinzufügen, denn es ist das Gewicht, das im Unverpackt-Laden zählt.

Das Geschäft besticht durch seine große Glasfassade und ordentlich Platz. Bild: Bill Titze

Jedes Produkt hat natürlich seinen eigenen Preis, doch wird dieser auf die abgefüllte Menge bezogen. Wer etwas kaufen möchte, wiegt also die Produkte, klebt die angegebene Menge auf seinen Behälter und geht damit dann zur Kasse. Eigentlich gar nicht so schwer. Und doch sind solche Läden (noch) nicht unbedingt Standard in mittelgroßen Städten wie Homburg. Auch die beiden Gründerinnen waren vorher noch nie in einem Unverpackt-Laden gewesen.

„Ich habe in den sozialen Medien einen Bericht gesehen über Studenten, die einen mobilen Unverpackt-Laden betrieben haben, der von Ort zu Ort gefahren ist“, berichtet Platte, wie sie auf die Idee kam, ein solches Angebot auch in Homburg zu schaffen. Platte ist jedoch nicht allein, sondern hat mit Nadine Meyer eine Freundin an ihrer Seite, die von Anfang an dabei war und nun in Teilzeit im Geschäft mitarbeitet.

Waagen sind in einem Unverpackt-Laden unverzichtbar. Bild: Bill Titze

„Wir sind dann zusammen zum Unverpackt-Laden nach Saarbrücken gefahren und haben uns das dort mal angeschaut“, so Platte. Dort habe man dann auch verschiedene Kontaktdaten bekommen, die beim Aufbau des Unternehmens sehr geholfen hätten. Ein dreiviertel Jahr hat es insgesamt gedauert, bis der Unverpackt-Laden in Homburg Anfang Dezember eröffnet werden konnten. „Am längsten hat tatsächlich die behördliche Genehmigung“, berichtet Meyer. „Aber auch eine passende Immobilie in Homburg zu finden war nicht einfach, denn die Mietpreise sind doch hoch.“ Am Ende war diese Suche jedoch ohne Frage erfolgreich, wenn man sich die Lage des Geschäfts mitten in der Innenstadt vor Augen führt.

Aber auch der große Verkaufsraum ist nicht nur in Corona-Zeiten mit Sicherheit ein großes Plus. Über die Füße fällt man sich hier selbst dann nicht, wenn viele Menschen das Geschäft besuchen. „Das loben tatsächliche viele der Kunden, die bisher hier waren, weil Unverpackt-Läden oft doch relativ klein sind“, sagt Inhaberin Platte. Allgemein seien es alle Altersgruppen, die vorbeikommen, auch und besonders viele ältere Menschen. Die Neugierde auf das neue Angebot ist also auf jeden Fall da.

Unter anderem aus solchen Behältern können sich die Kunden genau das „abfüllen“, was sie auch brauchen. Bild: Bill Titze

Der ein oder andere braucht aber vielleicht doch noch ein bisschen Eingewöhnungszeit. „An die Marmelade trauen sich die Menschen noch nicht so richtig ran, genauso wie beim Obst und Gemüse“, stellt Meyer fest. „Viele kommen auch, um sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen.“ Verständlich, schließlich ist solch ein Unverpackt-Laden für die Homburger doch etwas Neues. Nicht zuletzt daran dürfte es auch liegen, dass Nadine Meyer mit einem ganz bestimmt Gefühl am Morgen das Geschäft betritt. „Wenn man die Tür aufsperrt, ist man dann schon stolz, dass man das in einem dreiviertel Jahr auf die Beine gestellt hat.“

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