Die 30-jährige Saarpfälzerin Elena Burgard ist seit Mai Quartiersmanagerin in Erbach. - Bild: Bill Titze

Erbach hat nicht unbedingt den besten Ruf. Soziale Brennpunkte wie die Böcklinstraße sind stadtweit bekannt und sorgen dafür, dass der Stadtteil mitunter recht negativ eingeschätzt wird. Das zu ändern, ist das Ziel von Elena Burgard, die seit Mai als sogenannte Quartiersmanagerin im Hügelweg ansässig ist. Was das genau bedeutet und wo sie konkret ansetzen will, hat sie HOMBURG1 im Gespräch verraten.

Es ist ruhig im Hügelweg an diesem Freitagmorgen. Kaum ein Auto fährt vorbei, die Sonne scheint auf den Asphalt und jegliche Probleme scheinen ganz weit weg. Und doch gibt es sie direkt um die Ecke: soziale Missstände, Arbeitslosigkeit und beengte Wohnverhältnisse sind schon seit vielen Jahren ein Problem in diesem Teil Erbachs.

Nicht zuletzt deshalb sitzt Elena Burgard in einem Büro direkt in der Umgebung. Schon aus dem offenen Fenster begrüßt sie den Gast. Ist vielleicht nur ein Zufall und dem schönen Wetter, doch es passt auch in gewisser Weise zu ihrem Arbeitsmotto: offen sein, auf die Leute zugehen. Das ist auch eine ihrer Hauptaufgaben als sogenannte Quartiersmanagerin.

„Kommunikation ist bei diesem Job das A und O“, unterstreicht die 30-Jährige Soziologin und Humangeographin. „Man muss eben mit vielen verschiedenen Menschen sprechen können, um Problem zu lösen.“ Als sie Anfang Mai in das Amt kam, war es schließlich auch ein Spaziergang durch das Quartier, das auf dem Programm stand. So konnte sie Leute treffen, sich vorstellen und die Probleme der Menschen vor Ort in Erfahrung bringen.

Die sind vielfältig und kaum auf einen Nenner zu bringen. Doch es gibt vor allem zwei neuralgische Punkte, die Burgard derzeit beschäftigen. Zum Einen die schon berüchtigt zu nennende Böcklinstraße mit hohem Migrationsanteil und einer Vielzahl an sozialen Problemen. “Schwierig“ sei die Lage dort, räumt die gebürtige Blieskastelerin unumwunden ein. „Es bringt aber meines Erachtens nichts, hier mit dem Brecheisen vorzugehen.“ Vielmehr müsse man niedrigschwellige Angebote für die Bevölkerung vor Ort schaffen und immer im Dialog bleiben. So habe es zuletzt eine Begehung gegeben, bei der der zuständige Hauswart Gesprächsbereitschaft gezeigt habe.

In ihrem Büro im Hügelweg arbeitet die Soziologin fleißig daran, das Image von Erbach aufzubessern. – Bild: Bill Titze

Gleiches gilt auch für den zweiten „Brennpunkt“: die ehemalige Hoefer-Kaserne in direkter Nachbarschaft zum Hügelweg. Rund 2000 Menschen leben dort, teilweise in stark beengten Verhältnissen. Umso wichtiger ist Burgard, dass zumindest die dortigen Außenflächen aufgewertet werden. „Hier hat es bereits positive Gespräche mit dem Eigentümer gegeben. Ich würde mir zum Beispiel wünschen, dass hier ein Spielplatz hinkommt, wo sich die Kinder aufhalten können.“

Von Vorteil bei solchen Verhandlungen dürfte es auch sein, dass die 30-Jährige selbst bei der Stadt angestellt ist und ein Drittel ihrer Arbeitszeit im Rathaus verbringt. Zuvor war das Amt der Quartiersmanagerin noch unter dem Dach AWO angesiedelt. „So kann ich die Anliegen der hiesigen Bevölkerung besser in die Verwaltung einbringen und fungiere gewissermaßen als Schnittstelle.“

Doch Burgard möchte sich nicht nur um die „großen“ Themen kümmern. Auch der Alltag der Menschen soll erleichtert werden. So soll es bald wieder ein sogenanntes Repair-Café vor Ort geben. Unter dem Motto „Reparieren statt wegwerfen“ können dann dort alle Interessierten defekte Kleingeräte vorbeibringen und diese kostenlos von Fachleuten begutachten und reparieren lassen. „Voraussichtlich geht es damit im September los“, so Burgard, die erst im Januar wieder nach Homburg gekommen ist, nachdem sie in Hessen bei der dortigen Landgesellschaft gearbeitet hat.

Wieso ein solcher Wechsel? „Hier ist meine Heimat und es ist mir einfach ein Anliegen, Veränderungen in Homburg voranzubringen.“ Eine Imageverbesserung von Erbach, zum Beispiel. Dafür werden demnächt eine Website sowie Auftritte in den sozialen Medien online gehen. Nur ein Aspekt, der zeigt: Kommunikation ist Burgard wichtig. Und wenn sie nur aus dem offenen Bürofenster erfolgt.

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