Zwanzig Millionen Euro hat der Bund in die Ertüchtigung der Autobahnanschlussstelle Homburg/Bexbach investiert. Am Freitag wurde der Abschluss der Maßnahme gefeiert und das Bauwerk symbolisch mit einem Banddurchschnitt freigegeben.

In den letzten Jahren wurde hier ein drittes Ohr gebaut, der Mitfahrerparkplatz bei Kleinottweiler saniert und erweitert, die Radwegeführung erneuert, die Autobahn höher und die Bundesstraße tiefer gelegt, die Brücke neu gebaut, die Ampelanlage verlegt, Einfädelspuren neu angelegt und eine Sammelfahrbahn als dritte Spur in Richtung Rasstätte angebaut. „Vor Ort ist erkannt worden, dass die Kapazität der alten Anschlussstelle nicht mehr leistungsfähig war. Mit dem drittem Ohr haben wir die Leistungsfähigkeit gesteigert“, machte Ulrich Neuroth, Direktor der Niederlassung West der Autobahn GmbH, noch einmal deutlich.

Im Zuge der Maßnahme habe man gleich auch das sanierungsbedürftige Brückenbauwerk ersetzt und war somit gleich zwei Sorgenkinder los. „Die Verkehrsströme konnten so weiter entzerrt werden, es gibt genügend Stellplätze und wir konnten die Anschlussstelle zukunftsfest erhalten“, so Neuroth. Aus seiner Sicht habe die Niederlassung West alles mögliche zur Verbesserung getan. Die Maßnahme zeige, dass es auf den Baustellen voran gehe trotz längerer Lieferzeiten und Preiserhöhungen.

Für die zuständige Mobilitätsministerin Petra Berg (SPD) ist der Neubau eines Knotenpunktes wichtig für das Saarland und gleichzeitig bedeutender Wirtschaftsfaktor: „Wir wollen mehr Mobilität mir weniger Verkehr; dazu trägt auch der Parkplatz bei.“ In der Diskussion, ob man überhaupt noch Straßenneubauten und Ertüchtigungen brauche, müsse man immer auch den Güterverker durch LKW auf der Straße im Blick haben. Durch ihn werde der Wirtschaftsstandort Saarland gestärkt. Oliver Luksic (FDP), parlamentarischer Staatssekretär im Bundes-Verkehrsministerium pflichtete bei: „Der Wirtschaftsstandort Homburg wird leistungsfähiger.“ Luksic machte aber auch deutlich, dass für den Bund künftig die Prioritäten auf der Erhaltung bestehender Infrastrukturen liegen. Neubaumaßnahmen werde es weniger geben. Besonders wichtig sei der Erhalt der 27.000 Brücken an den Fernstraßen, die im Bestand saniert werden müssen. Luksic: „Wir sind dabei einen Hochlauf hinzubekommen, um die Verkehrsadern leistungsfähig zu halten. Der Anteil der Erhaltungsmaßnahmen geht hoch, die Planungsmaßnahmen auch. Klassische Neubaumaßnahmen gibt es aber kaum noch.“ Die Autobahn A6 sei für das Bundesverkehrsministerium eine zentrale Verkehrsachse.

Gemeinsam mit den Verwaltungschefs gaben Vertreter des Verkehrsministeriums, der Landesregierung und der Autobahn GmbH die neue Anschlussstelle Homburg-Ost frei. – Foto: Rosemarie Kappler

Bis Ende 2022 oder Anfang kommendes Jahr soll das erste Teilbauwerk der Grumbachtalbrücke fertiggestellt sein. Hier werden 75 Millionen Euro investiert. Weitere 120 Millionen fließen in den Ersatz der Fechinger Talbrücke. In die Reihe der vom Bund genehmigten Projekte an der A6 gehört auch die neu zu bauende Anschlussstelle Homburg-Ost, wo es seit Jahren nicht vorwärts geht. Luksic gestand auf Nachfrage unsererer Redaktion, dass er hier den aktuellen Sachstand nicht kenne, verwies an Ulrich Neuroth. Der berichtete, dass die Außenstelle Neunkirchen der Niederlassung West den Kontakt zur Stadt Homburg gesucht habe und mit der Verwaltung im Gespäch über den Fortgang zur Ost-Anbindung sei.

Hintergrund ist, dass die Kreisstadt, der Landesbetrieb für Straßenbau und das Land 2015 vereinbart hatten, dass die städtische Bauverwaltung mit einem planfeststellungsersetzenden Bebauungsplan den Anschluss Homburg-Ost beschleunigen wollten. „Die Baurechtschaffung und die Diskussionen um die Anschlussvarianten haben sich aber verzögert“, so Neuroth, der die Historie erst über die Zusendung von Unterlagen durch die Bürgerinitiative Kleinottweiler im Detail kennenlernte. „Homburg scheint in allen Bauthemen zurzeit nicht ganz ansprechbar. Mit dem verabredeten Verfahren wäre man schneller gewesen. Aber wenn ich die Zeit laufen lasse, dann passiert eben nichts“, so sein Eindruck. Bei Ost habe der Bund zugestimmt. „Die Frage ist nun: Wer macht es? Die Stadt oder wir als Autobahn GmbH. Selbst wenn der Auftrag auf uns übergeht, kann ich nicht alles stehen und liegen lassen. Brücken und Lärmschutz haben für uns Priorität.“

Für die Zeitverzögerung findet Neuroth klare Worte: „Wir hätten erwarten können, dass die Stadt Homburg die Verkehrsuntersuchung bereits durchgeführt, den Flächennutzungsplan angepasst und den Bebauungsplan aufgestellt hat, um dann in die Projektplanung einzusteigen. Wenn aber noch nichts da ist, dann gute Nacht, dann zieht es sich halt“, wirft Neuroth einen Blick in die Zukunft für den Fall, dass die Autobahn GmbH die Planungen übernehmen soll. Das zumindest scheint zurzeit – so hat unsere Redaktion erfahren – Wunsch des Stadtrates zu sein. Der hatte sich in einem kurzfristig auf die Tagesordnung genommenen Punkt im nichtöffentlichen Teil der letzten Stadratssitzung darauf verständigt die Planungen abzugeben. Wird es dazu kommen, dann braucht Homburg viel diplomatisches Geschick, um die Autobahn GmbH zu einer raschen Vorgehensweise zu bewegen, weil dort die Prioritäten anders gelagert sind. Alleine in seinem Bezirk seien zehn neue Anschlusstellen zu planen, so Neuroth.

Unterdessen hält die Stadt Bexbach daran fest, dass eine Anbindung Ost ihren Stadtteil Kleinottweiler entlaste und in jedem Fall zu bauen sei, bestätigte auf Anfrage Bexbachs Bürgermeister Christian Prech, der mit seinen Amtskollegen Michael Forster (Homburg) und Frank John (Kirkel) beim jetzigen Projektabschluss zugegen war.

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