Die neuen Vorsitzenden der SPD-Saarpfalz: Christine Streichert-Clivot (l.) und Esra Limbacher (r.) - Foto: Bill Titze

Am Samstag ging bei der SPD im Saarpfalz-Kreis eine Ära zu Ende: Nach 21 Jahren im Amt wurde Stephan Pauluhn auf einer Kreisdelegiertenkonferenz im Homburger Waldstadion als Vorsitzender verabschiedet. Pauluhn gibt den Staffelstab an den Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, Esra Limbacher, und Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot weiter, die jeweils mit über 80% gewählt wurden.

Es war keine alltägliche Kreiskonferenz am vergangenen Samstag. Das lag nicht nur daran, dass die Veranstaltung unter freiem Himmel stattfand. Sondern vor allem daran, dass mit Stephan Pauluhn ein Vorsitzender abtrat, der bereits seit Anfang des Jahrtausends die Geschicke der SPD im Kreis leitete. Wie lang diese Zeitspanne ist, verdeutlicht wohl am besten der Fakt, dass die heutige saarländische Bildungsministerin Streichert-Clivot zu diesem Zeitpunkt gerade mal in die SPD eingetreten war, wie sie in ihrer Vorstellungsrede bemerkte.

Doch bevor diese und Limbacher sich den 77 Delegierten präsentierten, war es an Pauluhn, ein Fazit seiner Amtszeit zu ziehen. „Man kann schon ein bisschen stolz darauf sein, dass wir hier in der Saarpfalz seit der Gebiets- und Verwaltungsreform 1974 lediglich drei Vorsitzende hatten. Das spricht für Kontinuität.“ Er sei dankbar dafür, wie viele tolle Menschen er in seinem Amt habe treffen können. Unter anderem verwies er in diesem Zusammenhang auf den jetzigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und den früheren SPD-Kanzlerkandidaten Hans-Jochen Vogel.

Der 58-Jährige, der neuer Saartoto-Chef wird, richtete den Blick jedoch nicht nur in die Vergangenheit, sondern nutzte die Gelegenheit auch, um die Zukunftsaussichten seiner Partei zu beleuchten. Dabei stellte er die für die SPD alles entscheidende Frage: Wie können wir Volkspartei bleiben? Auf der einen Seite plädierte er dafür, die Schwächeren nicht aus dem Auge zu verlieren. „Aber gleichzeitig dürfen die gesellschaftliche Mitte nicht vergessen. Wir müssen das Ganze im Blick haben.“ Viel Lob für seine Arbeit bekam Pauluhn nicht nur von Limbacher und Streichert-Clivot, sondern auch von der saarländischen SPD-Vorsitzenden und Vize-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, die für den Anlass nach Homburg gekommen war. „Dir war das Menschliche immer ganz wichtig und das ist auch für uns in der SPD insgesamt ein Weg, den wir verfolgen müssen.“

Die saarländische SPD-Vorsitzende Anke Rehlinger (Mitte rechts) fand warme Worte für den langjährigen Vorsitzenden der SPD-Saarpfalz, Stephan Pauluhn (Mitte links). – Foto: Bill Titze

Mit jedem Ende, kommt auch ein Anfang. Den verkörpern im SPD-Unterbezirk Saarpfalz nun zum ersten Mal zwei Personen. Denn mit Limbacher und Streichert-Clivot führt künftig eine Doppelspitze die Partei in unserer Region. Was sie in ihrer Amtszeit vorhaben, das schilderten die beiden in ihren Vorstellungsreden. Da ging es zunächst um politische Fragen. So legte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag einen Fokus auf die Arbeitsplätze in unserer Region. „Gerade in der Automobilindustrie sind tausende Jobs bedroht. Hier müssen wir ganz klar deutlich machen, dass es um Existenzen geht, für die wir kämpfen.“ Bildungsministerin Streichert-Clivot ging demgegenüber eher auf die Themen ihres Ressorts ein. „Ich möchte für chancengleiche, gerechte Bildungspolitik kämpfen, denn gutausgebildete Köpfe sind die wichtigste Ressource in unserem vom Strukturwandel geprägten Land.“ Deshalb kämpfe sie für gute Kitas, moderne Schulen und kostenfreie Bildung.

Neben diesen Aspekten ging es auch um die zukünftige Parteiarbeit. Hier hatten die beiden mehrere Ideen parat, die von einem kommunalpolitischen Netzwerk über mitgliederoffene Kreisvorstandssitzungen bis hin zu inhaltlichen Schulungen für die Mitglieder reichten. „Darüber hinaus ist die Digitalisierung für uns sehr wichtig, damit unsere Arbeit transparenter wird und wir mehr Mitglieder erreichen, die nicht in den Gremien sitzen“, skizzierte Streichert-Clivot ihre Vorstellungen.

Ob die beiden in den kommenden Monaten die Zeit finden, um solche Ideen voranzutreiben, steht freilich auf einem anderen Blatt. Schließlich stehen mit der Bundestagswahl im September und der Landtagswahl im Jahr 2022 zwei wichtige Urnengänge an. Die ersten Bewährungsproben für das Duo, das eine Ära beerbt.

 

 

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