Inge Faralisch-Schäfer vor dem Bild "Teil der Verwandlung", das zur Swantasy-Reihe gehört. Bild: Bill Titze

Eine Kirche als Ausstellungsraum für moderne Kunst – das kommt wahrlich nicht oft vor. In Neunkirchen gibt es mit der früheren Herz-Jesu-Kirche jedoch genau solch ein umgewidmetes, „ehemaliges“ Gotteshaus. Besitzer ist der Homburger Künstler Jürgen Trösch, der eine ganz besondere Ausstellung in seinem „Schmuckstück“ in die Wege leitete. Mit dabei ist auch noch eine weitere Homburger Künstlerin.

„Ich habe sie gesehen und war einfach verknallt.“ Nein, der Homburger Jürgen Trösch spricht in diesem Fall nicht von einer Angebeteten. Zumindest nicht von einer aus Fleisch und Blut. Er bezieht sich auf die Kirche, die er seit einigen Jahren sein Eigen nennt. Und die er sich momentan mit einigen anderen Künstlern aus der Region teilt. Denn in „seiner“ Herz Jesu Kirche, die heute unter dem Namen Arthouse Neunkirchen firmiert, ist derzeit eine Ausstellung angesagt.

„Farben = Emotionen“ lautet das Motto der Schau, die noch bis zum 15. Oktober läuft. Gezeigt werden Bilder, aber auch Skulpturen. Das Besondere dabei: Die Kunstwerke sind an lediglich drei Wochenenden entstanden. „Wir haben uns eingeschlossen und haben nur Kunst gefertigt“, erzählt Trösch, der seit 1995 künstlerisch tätig ist. „Es war einfach spannend herauszufinden, wie die Künstler miteinander kommunizieren.“ Dabei hat Trösch selbst bei seinen Bildern mit Ölfarben gearbeitet. Herausgekommen sind abstrakte Formen, die überwiegend im Schwarz-Weiß-Kontrast erscheinen.

Kunst im Arthouse Neunkirchen – Foto: Bill Titze

„Mir ist es bei meiner Kunst wichtig, anders zu sein und nichts von anderen zu kopieren“, sagt er. Natürlich habe sich dabei sein Stil über die Jahre verändert. „Reifer“ seien seine Werke geworden. Und größer. Unter anderem deshalb auch der Kauf der Kirche. „Ich habe einfach Platz gebraucht. Dass das dann so groß wird, da gehört natürlich auch Glück dazu.“ Platz braucht Trösch aber nicht nur für seine Bilder, sondern in erster Linie für seine zahlreichen Skulpturen, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind. Auffällig ist dabei besonders eine lebensgroße, goldene Gipsfigur, die er sein „Goldstück“ nennt. Aber auch filigrane Arbeiten, wie zum Beispiel das „Tanzende Paar“, zwei Figuren aus Edelstahl in Beton, hat er in seinem Repertoire.

Jürgen Trösch neben der von ihm gefertigten Gips-Skulptur „Überbringer“. Bild: Bill Titze

Skulpturen gibt es bei Inge Faralisch-Schäfer zwar nicht zu sehen, dafür sind die Bilder der ebenfalls aus Homburg stammenden Künstlerin etwas figürlicher als bei Trösch. Dennoch wirken sie geheimnisvoll, was in erster Linie daran liegt, dass immer wieder seltsame Kreaturen auftauchen, die man auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz zuordnen kann. Und genau dieses Geheimnisvolle ist von der Künstlerin beabsichtigt. „Mir ist es wichtig, dass meine Bilder ein kleine Rätsel aufgeben und man so in ihnen eintauchen kann.“

Kunst von Inge Faralisch-Schäfer – Foto: Bill Titze

Dementsprechend ist auch das Thema einiger Bilder mythisch aufgeladen. Es nennt sich „Swantasy“, was auf eine Mischung zwischen Schwan und Mensch verweist. Immer wieder sind Schwäne zu sehen, die in irgendeiner Form mit menschlichen Merkmalen wie zum Beispiel Händen in Verbindung gebracht werden. „Darauf bin ich durch den Besuch in einer anderen Galerie gekommen, wo solche Werke ausgestellt wurden“, erklärte die ausgebildete Lehrerin.

Kunst von Inge Faralisch-Schäfer – Foto: Bill Titze

Aber auch noch ein anderes Motto ist in der Ausstellung vertreten. „Entre Berlin et Paris“ heißt es. Dabei versucht Faralisch-Schäfer diese beiden Großstädte in ihren Werken zu verbinden. „Es sind jedoch nicht die Wahrzeichen, die ich dabei suche, sondern subtilere Dinge.“ Wie zum Beispiel Eindrücke vom linken Seineufer. Oder Ladenpassagen am Berliner Ku’damm. Vielfältig ist sie also in jedem Fall, die Kunst von Inge Faralisch-Schäfer. Genau wie die vielen Werke, die in drei Symposien entstanden sind und im Neunkircher Arthouse zu sehen sind. Für Jürgen Trösch war dieser Versuch ein voller Erfolg. „Das müssen wir auf alle Fälle wiederholen!“

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