Eine Oberärztin des Klinikums Saarbrücken hat bei der Eröffnung eines neuen Beckenbodenzentrums in Vietnam eine Live-Operation vor rund 400 Fachleuten durchgeführt – und dafür Standing Ovations erhalten. Prof. Dr. Carolin Spüntrup von der Frauenklinik auf dem Winterberg war als Expertin ans Hung Vuong Hospital in Ho-Chi-Minh-Stadt eingeladen worden, um dort ein von ihr mitentwickeltes Operationsverfahren vorzustellen und erstmals vor Ort anzuwenden. Der Einsatz unterstreicht die internationale Strahlkraft der Beckenbodenmedizin am Saarbrücker Klinikum.
Im Mittelpunkt stand die sogenannte Pectopexie, eine minimalinvasive Methode zur Behandlung von Senkungsbeschwerden. Dabei wird die Gebärmutter oder die Scheide über die Bauchhöhle mithilfe eines kleinen, stabilen Netzes am Beckenknochen fixiert. Die Vorteile: stabiler Halt, schnelle Erholung, kaum sichtbare Narben und eine niedrige Rückfallquote. Spüntrup hat das Verfahren gemeinsam mit Prof. Dr. Karl-Günter Noé entwickelt, publiziert und international etabliert. Auch auf dem Winterberg kommt die Technik regelmäßig zum Einsatz.
Das Hung Vuong Hospital gehört zu den bedeutendsten Frauenkliniken Vietnams. Jährlich kommen dort mehr als 30.000 Babys zur Welt, die Klinik gilt als eines der wichtigsten nationalen Zentren für Geburtshilfe, Gynäkologie und Beckenbodenmedizin. Mit der Einrichtung eines spezialisierten Beckenbodenzentrums will das Haus die Versorgung von Frauen mit komplexen Senkungsbeschwerden dauerhaft verbessern. Für die feierliche Eröffnung holte man sich gezielt internationale Expertise – und kam auf die Saarbrücker Medizinerin, die in Vietnam liebevoll „Professor Carolin“ genannt wurde.
Schon am Tag der Eröffnung wurde Spüntrup eine Patientin mit einem schweren Totalprolaps vorgestellt. Bei diesem Krankheitsbild senkt sich die Gebärmutter oder die Scheide so weit ab, dass sie nach außen tritt – ausgelöst durch mehrere schwere Geburten und körperlich belastende Arbeit. Für die betroffene Frau bedeutete das massive Schmerzen und erhebliche Einschränkungen im Alltag. „Die Patientin zeigte sich erleichtert und sehr dankbar, dass sie Zugang zu einer spezialisierten Behandlung erhielt“, berichtet Spüntrup. „Dieser persönliche Kontakt hat mir nochmal eindrücklich verdeutlicht, welche Bedeutung das neue Zentrum für die Versorgung von Frauen in der Region haben wird. Ich bin stolz, dass ich meinen Beitrag dazu leisten konnte.“

Am folgenden Tag operierte die Saarbrücker Oberärztin die Patientin gemeinsam mit dem vietnamesischen Team – live übertragen vor dem versammelten Fachpublikum des begleitenden Beckenbodenkongresses. Die laparoskopische Pectopexie verlief präzise und auf höchstem technischen Niveau. Die rund 400 anwesenden Kolleginnen und Kollegen honorierten den Eingriff mit stehenden Ovationen. Zusätzlich hielt Spüntrup einen Vortrag über Stressinkontinenz, der intensiv diskutiert wurde und den wissenschaftlichen Austausch weiter befeuerte.
Die Zusammenarbeit ging dabei weit über den Operationssaal hinaus. „Es war ein wirklich reger und sehr kreativer wissenschaftlicher Austausch“, sagt Spüntrup nach ihrer Rückkehr auf den Winterberg. „Zwischen den Sitzungen gab es immer wieder Pausen, in denen ich schöne Gespräche mit den Teilnehmern hatte. Auch der Austausch mit der vietnamesischen Beckenbodengesellschaft war intensiv, konstruktiv und geprägt von großem gegenseitigem Respekt.“ Solche internationalen Kooperationen tragen dazu bei, moderne Operationsmethoden weltweit zugänglich zu machen und die Versorgungsqualität für Patientinnen nachhaltig zu heben.
Auch in Saarbrücken profitieren Frauen unmittelbar von dieser Expertise. In der Frauenklinik unter Leitung von PD Dr. Ralph Sascha Baum operiert Spüntrup mit der Pectopexie und behandelt komplexe Fälle von Senkungsbeschwerden an Blase, Darm und Gebärmutter sowie Inkontinenzen. Die Nachfrage ist enorm: In den vergangenen drei Jahren hat sich die Zahl der operativen Eingriffe in diesem Bereich auf dem Winterberg verfünffacht. Rund 15 Prozent der Frauen über 20 Jahre leiden an Senkungs- oder Inkontinenzbeschwerden, manche in leichter Form, andere deutlich schwerwiegender.
Betroffene Frauen sollten das Thema zunächst mit ihrem niedergelassenen Gynäkologen besprechen. Hält dieser eine weiterführende Behandlung für notwendig, kann unter der Telefonnummer 0681 963 2231 ein Termin in der Urogynäkologie-Sprechstunde vereinbart werden. Gesetzlich Versicherte benötigen dafür eine Überweisung, Privatpatientinnen nicht. Das Klinikum Saarbrücken zählt mit 600 Betten und mehr als 2.700 Beschäftigten zu den größten Maximalversorgern im Südwesten Deutschlands und ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität des Saarlandes.



















