Mehr als 4.000 Akten aus einer der bewegtesten Phasen der saarländischen Geschichte sollen vor dem schleichenden Verfall bewahrt werden. Das Saarländische Landesarchiv erhält dafür rund 30.000 Euro an Bundesmitteln. Sie fließen in ein Projekt, dessen Gesamtvolumen bei 56.520 Euro liegt und das den sperrigen Namen Massenentsäuerung trägt.
Im Kern geht es um eine Epoche, die das Saarland geprägt hat wie kaum eine andere. Die Dokumente stammen aus den Jahren 1945 bis 1965 und erzählen von der französischen Besatzungszeit, von der Teilautonomie mit wirtschaftlicher Bindung an Frankreich und von der Volksabstimmung des Jahres 1955. Auch die politische und wirtschaftliche Rückgliederung an die Bundesrepublik 1957 und 1959 sowie die ersten Jahre als eigenständiges Bundesland sind hier festgehalten.
Besonders bemerkenswert ist ein Bestand des saarländischen Auswärtigen Amtes aus den Jahren 1952 bis 1956. Überlieferungen dieser Art sind normalerweise Sache des Bundes, weshalb ihr Vorhandensein im Landesarchiv eine Seltenheit darstellt. Für die Erforschung der unmittelbaren Nachkriegszeit und der sogenannten Kleinen Wiedervereinigung gelten die Akten als unverzichtbar.

Doch genau diese wertvollen Quellen sind in Gefahr. Insgesamt 4.052 Akten, die rund 50 Regalmeter füllen, weisen die für ihre Entstehungszeit typische schlechte Papierqualität auf. Die industriell gefertigten Papiere drohen säurebedingt zu zerfallen. Da die Bestände häufig genutzt werden und das Archiv mit Blick auf die Jubiläumsjahre 2027 und 2029 eine steigende Nachfrage erwartet, drängt die Zeit.
Die Behandlung selbst funktioniert über eine chemische Neutralisierung. Eine alkalische Reserve wird in das Papier eingebracht, sodass der pH-Wert über den kritischen Wert von 7,0 angehoben wird. Anschließend werden die Akten neu verpackt. Entscheidend ist der frühe Zeitpunkt: Je eher entsäuert wird, desto nachhaltiger wirkt die Maßnahme. Aus diesem Grund hat das Landesarchiv gezielt jene Bestände ausgewählt, die zwar minderwertiges Papier, aber noch keine extremen Schäden aufweisen.
Das Projekt ist Teil der Initiative „Schriftliches Kulturgut erhalten“ und wird über die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des Schriftlichen Kulturguts gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien sowie der Kulturstiftung der Länder kofinanziert. Bereits zum achten Mal seit 2016 hat sich das Landesarchiv erfolgreich um eine solche Förderung beworben. Damit summiert sich das Volumen für Bestandserhaltung mit Bundesmitteln auf inzwischen über 250.000 Euro.
Wie greifbar der Verfall ist, zeigt ein einzelnes Schriftstück: die Beitrittserklärung des Saarlandes zur Bundesrepublik Deutschland vom 14. Dezember 1956. Es ist eines der zentralen Dokumente der jüngeren Landesgeschichte – und auch dieses ist vom langsamen Zerfall des Papiers bedroht.


















