Acht Verbände und Organisationen aus der Mobilitäts- und Energiewirtschaft schlagen Alarm: Deutschlands Sonderweg beim Mess- und Eichrecht für öffentliche Ladesäulen verursacht jährlich Kosten in Millionenhöhe – und bremst den dringend nötigen Ausbau der Ladeinfrastruktur. ZVEI, ADAC, BDEW, BVES, CharIN, e-Mobility Deutschland, INSPIRE und S.A.F.E. fordern in einem gemeinsamen Verbändepapier vom 28. April 2026 eine schnelle Entlastung und die Abkehr von ineffizienten nationalen Regelungen.

Die Dimension des Problems wird beim Blick auf die Zahlen deutlich. Anfang Februar 2026 waren in Deutschland rund 200.000 öffentliche Ladepunkte in Betrieb, darunter knapp 50.000 Schnellladepunkte. Jeder einzelne davon muss im Acht-Jahres-Rhythmus nachgeeicht werden. Die bislang von Behördenseite kalkulierte Zahl von etwa 6.000 Eichungen pro Jahr erweist sich dabei als völlig unrealistisch, denn neben den turnusmäßigen Prüfungen lösen auch Kabeltausch, Wartungsarbeiten und Kabeldiebstahl gesetzlich vorgeschriebene Nacheichungen aus. In der Praxis summiert sich das auf mehr als 45.000 Eichvorgänge jährlich – ein Vielfaches der bisherigen Annahmen.

Bei dieser Größenordnung schlagen umständliche Verfahren unmittelbar finanziell durch, warnen die Verbände. Die entstehenden Mehrkosten könnten sich letztlich auch auf die Preise an der Ladesäule niederschlagen und damit direkt die Verbraucherinnen und Verbraucher treffen. Gleichzeitig binde der bürokratische Aufwand Ressourcen, die für den weiteren Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur fehlen.

Im Zentrum der Forderungen steht die zügige Umsetzung der novellierten EU-weiten Measuring Instruments Directive in deutsches Recht, damit harmonisierte europäische Regeln gelten und nationale Sonderwege entfallen. Darüber hinaus verlangen die acht Organisationen, dass bestimmte Reparaturen wie der Austausch von Ladekabeln durch befugte Instandsetzungsunternehmen künftig keine erneute Eichung mehr nach sich ziehen, solange die Messrichtigkeit gewährleistet bleibt. Auch die Prüfmittelpflicht für Schnellladepunkte müsse praxisgerecht gestaltet werden – Betreiber dürften nicht allein für Prüfmittel im sechsstelligen Kostenbereich aufkommen müssen. Bundesweit einheitliche Prüfmittelspezifikationen mit länderübergreifender Einsatzfähigkeit seien nötig, damit Investitionen planbar blieben.

Zwei weitere Punkte zielen auf den Abbau unnötiger Kontrolltiefe ab. Nach Ablauf der acht Jahre soll ein praxistaugliches Stichprobenverfahren für Nacheichungen an die Stelle der bisherigen flächendeckenden Pflichtprüfung treten. Software-Updates wiederum sollen entbürokratisiert und über nachgelagerte, stichprobenartige Verfahren mit angemessenen Übergangsfristen geprüft werden können.

Schließlich sprechen sich die Verbände gegen eine Ausweitung der Prüfpunkte bei Gleichstrom-Eichungen aus. Eine Erhöhung auf mindestens acht Prüfpunkte würde den Zeitaufwand und die Kosten weiter in die Höhe treiben, ohne einen erkennbaren Mehrwert für die Messgenauigkeit zu schaffen. Die Botschaft des Papiers ist unmissverständlich: Wer die Elektromobilität in Deutschland voranbringen will, muss den regulatorischen Rahmen an die Realität eines rasant wachsenden Ladenetzes anpassen – und zwar schnell.

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