Die Kassenärztliche Vereinigung Saarland (KV) übt scharfe Kritik an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Mit seiner Ankündigung, die Liefermengen von BioNTech auf 30 Dosen pro Arzt zu begrenzen, würge dieser den Impfturbo ab und verursache Chaos in den Praxen.
Viele Praxen hätten sich bereits am Wochenende an die KV gewandt und sie aufgefordert, ihre Sorgen und Nöte zu kommunizieren und die zum jetzigen Zeitpunkt „unnötige Kontingentierung“ vehement abzulehnen und auf die Gefahren hinzuweisen.
In den saarländischen Praxen sind laut KV bereits zigtausende Impftermine für die kommenden Wochen vergeben. Sowohl die Praxen als auch die Impfwilligen sei dabei davon ausgegangen, dass der in der Bevölkerung breit akzeptierte und bekannte Impfstoff BioNTech zum Einsatz komme. Bereits diese Terminvergabe habe das Praxispersonal zu bewältigen gehabt und auch den Frust derjenigen abbekommen, die erst in Wochen, und nicht sofort einen Termin bekommen haben.
Seit fast 2 Jahren müsse das Praxispersonal an vorderster Front den Kopf hinhalten, stellt die KV fest. Dem Pflegepersonal sei eine Coronaprämie herzlich gegönnt. Die Forderung der Ärzteschaft nach einer Prämie für die medizinischen Angestellten verhalle jedoch nach wie vor ohne Reaktion der Politik. Nicht nur in der Pflege, sondern auch in den Praxen, gehe Personal wegen dieser hohen Dauerbelastung verloren, warnt die KV.
Nun müssten, wenn die Kontingentierung nicht zunächst ausgesetzt wird, in der ganzen Republik Millionen von Menschen angerufen werden und Millionen unerfreuliche, konfliktbeladene Gespräche zum großen Teil dann auch in der Praxis geführt werden. Diese Zeit und Energie fehle für die dringend notwendigen Impfungen und gehe auch auch zulasten der normalen Versorgung.
Viele Praxen hätten bereits angekündigt, sich aus der Impfung unter diesen Bedingungen wieder zurückzuziehen, nachdem im Saarland die Anzahl der impfenden Praxen in der vergangenen Woche von 483 auf 563 angestiegen ist und in der letzten Woche bereits 22.271 Impfungen vorgenommen wurden.
Die KV fordert Gesundheitsminister Spahn deshalb dazu auf, die die Kontingentierung um einige Wochen zu verschieben, wenn sie schon unumgänglich ist, damit die Praxen sich besser darauf vorbereiten können. Auch die Frage, was mit denjenigen Menschen passiert, die nicht mit Moderna geimpft werden dürfen, müsse diesmal von der Politik beantwortet werden. Für einen Neustart fehle die Zeit.


















