V.l.n.r.: Erika Schweizer (2.Vorsitzende), Dr.Andrea Golz (1.Vorsitzende) und Monika Lehmann vom Weltladen Homburg

HOMBURG1: Der Eine-Welt-Laden ist für die Jahresabstimmung der Saarbrücker Zeitung unter „Saarlands Beste“ nominiert. Ein Event bei dem Menschen und Vereine ausgezeichnet werden, die Besonderes leisten. Im September des vergangenen Jahres war der Eine-Welt-Laden Monatssieger. Wie kam es eigentlich dazu?

Eine-Welt-Laden: Herr Hessenauer vom Verein Kinderhaus Kathmandu ist uns seit Jahren durch die Zusammenarbeit bei verschiedenen Projekten verbunden und auch bei uns im Verein Mitglied. Es war sein Vorschlag, uns dort zur Wahl zu stellen. Wir selbst haben das erst sehr kurzfristig erfahren, dann aber unsere Mitarbeiter, Verwandte und Freunde mobilisiert. Am Ende wurden wir dann für uns überraschend Monatssieger.

HOMBURG1: Hat man im Laden denn die Wahl im September gemerkt? Kamen neue Kunden in das Geschäft?

Eine-Welt-Laden: Nun ja, ob viele neue Kunden kamen, kann man so nicht feststellen. Aber im Nachgang haben uns viele Kunden darauf angesprochen und uns zu der Wahl gratuliert. Vor der Jahresabstimmung ist die Resonanz im Moment noch etwas wenig, aber wir hoffen darauf, unser Netzwerk zu aktivieren und noch besser abzuschneiden.

HOMBURG1: Sie haben es angesprochen: das Netzwerk. Woher kommen die Menschen, die sich bei ihnen für das Thema „Fair Trade“ engagieren? 

Eine-Welt-Laden: Wir sind zur Zeit 35 ehrenamtliche Mitarbeiter. 90 Prozent unserer Helfer kommen aus Homburg und ein Teil aus Bexbach und Blieskastel. Darunter auch einige Frauen, die schon seit der Gründung vor 25 Jahren mit dabei sind. Bei der Arbeit für den Eine-Welt-Laden merkt man auch, das es viele Homburger Familien sind, die sich für verschiedenen Projekte einsetzen. Sei es für Guarani-Indianer, die Pro Indien Hilfe oder der Einsatz auf der Insel Flores, um nur einige Beispiele zu nennen.

HOMBURG1: Wie dürfen sich unsere Leser die Arbeit im Eine-Welt-Laden denn vorstellen? Neben dem Verkauf kommt ja auch noch die Logistik und Buchhaltung dazu. 

Eine-Welt-Laden: Wir haben täglich geöffnet. Um dies zu gewährleisten haben wir uns in 3 Schichten zu je 3 Stunden aufgeteilt. Meistens stehen wir dann zu zweit hinter der Theke. Ein Teil der ehrenamtlichen Mitarbeiter übernimmt auch die Einkäufe, die Buchhaltung, sorgt für Ordnung oder kümmert sich um die Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Es gibt immer genug zu tun. Man kann innerhalb des Vereins so lange mitarbeiten wie man möchte. Das Alter ist dabei kein Kriterium. Unsere älteste Mitarbeiterin ist zum Beispiel Mitte Achtzig und immer noch regelmäßig dabei. Aber natürlich wären wir froh, wenn uns neue Helfer unterstützen könnten.

HOMBURG1: Wenn man sich nicht damit beschäftigt: was ist das Besondere an diesem Konzept? Welche Waren kann man hier kaufen?

Eine-Welt-Laden: Im Eine-Welt-Laden findet man Produkte aus den unterschiedlichsten Ländern dieser Erde. Dabei können sich die Kunden sicher sein, dass die Produzenten der Erzeugnisse so viel Geld für ihre Waren bekommen, dass sie davon leben können – im Gegensatz zur Herstellung von vielen Billigprodukten. Die Käufer dürfen also davon ausgehen, dass die Hersteller einen besondern Preis, eben fairen Preis für ihre Waren bekommen. Unser Sortiment teilt sich dabei zur Hälfte auf in Lebensmittel und Waren des Kunstgewerbes, die man so nicht oft findet und welche handwerklich sehr anspruchsvoll gefertigt sind. Man erhält dementsprechend hochwertige Produkte. Wichtig ist dabei Tranzparenz. Wir können den Kunden genau sagen, wo die Waren herkommen und unter welchen Bedingungen diese produziert wurden. Aber auch zum Beispiel wie hoch die Handelsspanne ist. Dieses Kriterium unterscheidet uns doch deutlich von anderen Kaufhäusern.

eine_welt_laden_homburg

HOMBURG1: Sie haben die Produzenten angesprochen. Woher beziehen sie die Waren, um sie dann im schönen Homburg zum fairen Preis verkaufen zu können? 

Eine-Welt-Laden: Wir beziehen unsere Lebensmittel hauptsächlich über die GEPA (Der größte europäische Importeur fair gehandelter Lebensmittel und Handwerksprodukte aus den südlichen Ländern der Welt) als Handelsunternehmen und kaufen im Fair-Handelszentrum in Saarbrücken ein. Dazu kommt noch eine Übersicht des Weltladen-Dachverbandes mit seriösen Anbietern. Dabei müssen sich alle Unternehmen zertifizieren und verschiedene Kriterien erfüllen, um als Fairer-Handel-Partner auftreten zu dürfen. Dazu haben wir im Geschäft noch unser Bliesgau-Regal, da fair gehandelte Produkte auch hier Unterstützung brauchen. Denn nachhaltiges Leben heißt auch, die in unserer Region beheimatete Produktion nachhaltig zu unterstützen. Man muss es im Zusammenhang sehen: Das faire Handeln bezieht sich auf das gesamte Leben und den Konsum, und nicht nur auf Produkte, die man jetzt zufällig bei uns findet.

HOMBURG1: Es ist dann sicherlich ein großer Teil der persönlichen Lebenseinstellung, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Interessieren sich denn auch junge Menschen für den fairen Handel?

Eine-Welt-Laden: Wir haben schon auch junge Kundschaft. Aber oft ist das Produktangebot für Jugendliche nicht so ansprechend. Wir würden zum Beispiel gerne mehr fair gehandelte Kleidung anbieten. Aber dafür reicht der Platz hier nicht aus, um zum Beispiel T-Shirts in unterschiedlichen Größen auf Lager zu halten. Wir hatten aber zum Beispiel im Sommer schicke Sneakers aus Naturprodukten zum Verkauf. Da sind schon einige Studenten gekommen, die sich dafür interessiert haben. Aber auch Schokolade, kleine Geschenke oder Lederarmbänder sind beliebt. Natürlich sind die Produkte etwas teurer als in den großen Einkaufszentren.

eine_welt_laden_homburg

HOMBURG1: Schrecken die höheren Preise denn nicht ab? 

Eine-Welt-Laden: Unsere Kundschaft entscheidet sich schon bewusst für Produkte aus dem Eine-Welt-Laden und ist auch bereit, den Mehrpreis zu bezahlen. Und im Vergleich mit Markenartikeln bekannterer Hersteller ist der Preisunterschied kaum bis gar nicht spürbar bei gleicher oder sogar besserer Qualität. Wir arbeiten insgesamt auch kostendeckend. Den kleinen Überschuss, den wir verdienen, geben wir am Ende des Jahres dann an sinnvolle Projekte weiter. Dazu haben wir auch noch einen Trägerverein.

HOMBURG1: Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang die Aufklärung der Verbraucher? Und wie gelingt diese? Ist die Generation X und Y nicht eher desinteressiert an diesen Themen?

Eine-Welt-Laden: Wir haben schon Anfragen von Schulen oder Frauengruppen, denen wir über „Fairen Handel“ berichten sollen. Und natürlich wären wir auch gerne mehr an Schulen tätig, was aber personell schwierig umzusetzen ist. Dafür bekommen wir Besuch von Schulklassen und Konfirmatengruppen im Laden oder haben Verkaufsstände bei Veranstaltungen der Stadt oder an der Uni. Auch Vereine schicken ab und an eine Einladung an uns, um Vorträge zum Thema zu bekommen. Wichtig ist daher auch, dass Homburg als „Fairtrade Town“ zertifiziert ist. Wir sind auch guter Hoffnung für die Zukunft, da Lehrer den fairen Handel auch im Unterricht immer öfter thematisieren (siehe Shakewette). Unsere Kinder bekommen zusätzlich über die verschiedenen Medien immer mehr Informationen darüber was los ist in der Welt, da mittlerweile darüber gesprochen wird. Wenn sich fairer Handel durchsetzt, werden dadurch auch die Arbeitsbedingungen vor Ort verbessert, was zum Beispiel im Bereich der Flüchtlingskrise durchaus relevant ist. Wir denken, junge Menschen von heute sehen die Thematik viel kritischer als dies noch unsere Generation getan hat.

HOMBURG1: Man merkt, ihre Arbeit ist eine Herzensangelegenheit. Den Eine-Welt-Laden gibt es seit 25 Jahren. Woher nimmt man nach dieser langen Zeit noch die Motivation?

Eine-Welt-Laden: Es ist zum einen eine Notwendigkeit! Und natürlich macht man diese Arbeit auch als Herzensangelegenheit. Und schlussendlich macht das Engagement in der Gruppe und für eine gute Sache auch Spaß. Alle Projekte sind auf Nachhaltigkeit angelegt und man bekommt durch den Kontakt mit den Produzenten der Waren eine enge Bindung. Da fällt es schon schwer zu sagen: Wir hören jetzt auf. Wir wissen, dass unsere Arbeit in Homburg nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf.

Hintergrund:

Neben dem Weltladen Homburg stehen noch weitere Vereine und Institutionen zur Abstimmung „Saarlands Beste“ zur Wahl. Über den Link geht es direkt zur Abstimmung.

Zur Abstimmung „Saarland´s Beste“

Mehr Informationen:

Eine-Welt-Laden Homburg

GEPA – The Fair Trade Company

Fair-Handelszentrum Saarbrücken

Weltladen_Homburg_weissauforgange

Vorheriger ArtikelSprechstunde bei Ortsvertrauensmann Manfred Schneider
Nächster ArtikelGütesiegel „Familienfreundliches Unternehmen“ für Kassenärztliche Vereinigung Saarland

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte kommentieren sie.
Bitte geben sie ihren Namen ein.