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Als der Vorhang fällt, wird es still. Vor den Hallen in Homburg steht ein Koloss aus Aluminium und Präzision: der „Sky-Shuttle“, ein zweistöckiges mobiles Kontrollzentrum für den internationalen Spitzenmotorsport. Entwickelt und gebaut in Homburg/Saar, entsteht in diesem Moment jene Mischung aus Staunen und Stolz, die Jubiläen unvergesslich macht. A6 Jung feiert 100 Jahre – und zeigt zur Feier des Tages eine Weltneuheit. „Mit mehr als 70 Quadratmetern Arbeitsfläche, 24 vernetzten Ingenieur-Arbeitsplätzen, 58 Bildschirmen und einem vollkommen autarken Betrieb markiert der Sky-Shuttle einen neuen Meilenstein im globalen Motorsport“, sagt Axel Jung, geschäftsführender Gesellschafter von A6 Jung. Der Trailer geht an Wayne Taylor Racing, eines der erfolgreichsten Sportwagen-Teams Nordamerikas. Seine erste öffentliche Bewährungsprobe erlebt er beim IMSA-Rennen auf dem Indianapolis Motor Speedway.

Was auf den ersten Blick wie Science-Fiction auf Rädern wirkt, ist in Homburg längst Alltag: Hightech, Handwerk und Erfahrung greifen ineinander. „Unser Auftrag war es, einen mobilen Kontrollraum zu schaffen, der den enormen Anforderungen im Prototypen-Rennsport gerecht wird, insbesondere im Hypercar-Segment“, erklärt Geschäftsführer Dennis Urgatz. „Das Ziel haben wir erreicht.“ Im Einsatz bedeutet das: Echtzeit-Telemetrie für bis zu 24 Ingenieure, die parallel Datenflüsse auswerten – von Motortemperaturen bis zur Dämpfercharakteristik. Unten Werkstatt, Ersatzteillager, Ruhezonen für die Fahrer; oben Konferenz, Serverrack, voll vernetzte Arbeitsplätze. Ein Generator versorgt das System autark, Transportkapazitäten für Pit-Stands und Spezial-Equipment sind eingeplant. „Der Sky-Shuttle ist nicht nur der größte, sondern auch einer der modernsten Racetrailer der Welt“, sagt Axel Jung. Und fügt an: „Mit dieser Innovation beweisen wir, dass Engineering aus dem Saarland weltweit Standards setzen kann.“

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Doch dieser Tag ist mehr als eine Produktpremiere. Er ist auch ein Innehalten – und ein Danke. „100 Jahre, das sind 100 Jahre voller Herausforderungen, Veränderungen, Innovationen und natürlich Erfolge. Was einst klein begann, ist heute fester Bestandteil verschiedener Branchen – im Saarland und Rheinland-Pfalz im Service, als Fahrzeugbauer national und im Motorsport weltweit“, hieß es bei den Feierlichkeiten. Viel Applaus gab es, als Roswitha („Rosi“) Jung, die Ehefrau des langjährigen Firmenchefs Richard Jung, auf die Bühne gebeten wurde. Sie gilt vielen als „Seele des Unternehmens“ und steht stellvertretend für jene Generation, die die Firma durch Jahrzehnte getragen hat.

Ein besonderer Gast beim Pressetermin vor der Feier war der Langstrecken-Weltmeister Timo Bernhard. Er gilt als einer der Impulsgeber dafür, dass A6 Jung überhaupt in den Bau von Race Shuttles eingestiegen ist – weil er vor Jahren selbst einen konkreten Bedarf anmeldete und beim Unternehmen anfragte. Damit wurde der Grundstein gelegt für eine Entwicklung, die A6 Jung heute zur Weltspitze in diesem Segment geführt hat. „Die Zusammenarbeit mit A6 Jung ist erstklassig“, betonte Bernhard, der die Erfolgsgeschichte auch persönlich begleitet hat.

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Axel Jung nutzte den Festakt, um deutlich zu machen, dass A6 Jung mehr ist als Zahlen und Technik: „Ein Unternehmen lebt nicht nur von Maschinen, sondern von Menschen. Von Mitarbeitern, Kunden und Familien, die uns seit Jahrzehnten begleiten.“ Manche Kunden sind seit über 60 Jahren dabei, andere seit Generationen. Das zeigt, dass Bindung und Vertrauen genauso wichtig sind wie Innovation und Ingenieurskunst.

Wer verstehen will, wie es zu diesem Moment kommen konnte, muss ein Jahrhundert zurückblenden. 1925 gründet Huf- und Wagenschmied Robert Jung im pfälzischen Schönenberg-Kübelberg eine kleine Schmiede. Aus Reparaturen und Anhängern für Land- und Forstwirtschaft wächst ein Betrieb, der früh zwei Pfeiler verinnerlicht: produzieren und kümmern – Produktion und Service. In den 1950er Jahren bringt Sohn Richard Jung aus dem europäischen Ausland Wissen über Leichtbau und Aluminium mit nach Hause, gemeinsam mit seiner Frau Roswitha treibt er den Umbau zum Spezialisten für Sonderfahrzeuge voran. Überlange Transporte, Schwerlast, passgenaue Lösungen für Getränke- und Entsorgungsbranche – immer dann, wenn Normen nicht reichen, findet das Unternehmen einen Weg.

Heute führen Axel Jung und Dennis Urgatz das Familienunternehmen in dritter und vierter Generation – mit Firmensitz in Homburg/Saar. In den vergangenen zwölf Jahren hat sich A6 Jung kompromisslos in eine Nische hineingearbeitet, in der Exzellenz und Zuverlässigkeit zählen: High-End-Race-Shuttles. 151 solcher Fahrzeuge wurden bisher ausgeliefert, an Teams von der Formel 1 bis zur Formel 4, in der Langstrecken-WM WEC, der DTM, der GT World Challenge, in Motorradserien, im Radsport und bei der Rallye Dakar. Die Kundenliste reicht über Europa hinaus nach Australien, Asien und – zuletzt verstärkt – Nordamerika, zu IndyCar, NASCAR und IMSA.

Hinter diesen Zahlen steckt eine Mannschaft, die das große Ganze im Kleinen zusammensetzt – vom ersten Blech bis zum fertigen Trailer. 122 Mitarbeiter, neun Auszubildende aktuell – 329 seit Gründung –, 5.200 Reparaturaufträge pro Jahr, 22 Millionen Euro Umsatz in 2024. Gleichzeitig sucht das Unternehmen Fachkräfte: 24 Stellen sind offen. In Homburg ist Wertschöpfungstiefe kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis. Alles entsteht im eigenen Haus – schnell, präzise, in hoher Qualität. Wer verkauft, weiß, was möglich ist – und was nicht.

In seiner Rede zog Axel Jung auch einen ungewöhnlichen Vergleich: „Wir sind ein bisschen wie das kleine gallische Dorf aus Asterix und Obelix, das sich im römischen Imperium behauptet. Wir stehen als mittelständisches Unternehmen zwischen großen Konzernen – und genau wie die Gallier müssen wir jeden Tag unbeugsam, zäh und anpassungsfähig bleiben.“

Auch persönlich wurde es. Jung erinnert daran, wie er als Zwölfjähriger seinen ersten Ferienjob unweit des heutigen Firmengeländes machte. Damals habe er noch nicht ahnen können, dass er eines Tages einen Weltmarktführer in vierter Generation mitlenken würde. Später kündigte er einst an, zur 100-Jahr-Feier seinen Nachfolger vorzustellen und in Rente zu gehen – heute, sagt er, hängt er „zehn Jahre dran“. Die Projekte seien „einfach zu gut“, zu viel Freude entstehe daran, das Ergebnis zähle, und das Team habe eine starke Zukunft vor sich. Es ist der Humor eines Menschen, der weiß, wie viel Kampf im Alltag steckt – und der Optimismus eines Unternehmers, der in Möglichkeiten denkt.

Dass das Jubiläum keine rein lokale Angelegenheit war, zeigte sich ebenfalls. Internationale Gäste waren angereist, darunter Donnie Jewell, Geschäftsführer der US-Tochter von A6 Jung. Er wird den Sky-Shuttle künftig in Nordamerika verantworten – ein Signal dafür, dass die Feier in Homburg auch internationale Strahlkraft hat.

Was der Sky-Shuttle im Kern bedeutet, lässt sich in einer Szene fassen: Ein Rennwochenende, die Boxengasse pulsiert, die Datenströme sind dicht. Im Obergeschoss sitzen 24 Ingenieure Schulter an Schulter, blicken auf 58 Bildschirme, sprechen in kurzen Sätzen, entscheiden im Sekundentakt. Unten wird geschraubt, geprüft, getauscht – mit den richtigen Teilen am richtigen Ort. Jedes Detail ist auf Geschwindigkeit gebaut: Daten schneller deuten, Strategien klarer kommunizieren, Reparaturen effizienter erledigen. In Serien, die oft auf einem Niveau stattfinden, entscheiden am Ende genau diese Minuten – manchmal Sekunden – über Podestplätze und Meisterschaften.

Der Sky-Shuttle für Wayne Taylor Racing ist Ausdruck dieser Philosophie. Das 17 Meter lange Fahrzeug, im Transportzustand über 22 Meter, bringt 32 Tonnen auf die Waage und wächst am Einsatzort zu einem zweistöckigen Engineering-Hub. Es ist Werkstatt und Datenzentrale, Rückzugsort und Strategie-Raum in einem. Warum das wichtig ist? Weil Motorsport längst nicht nur auf der Strecke entschieden wird. Wer Daten schneller deutet, Strategien klarer kommuniziert und Reparaturen effizienter erledigt, verschafft sich Vorteile in Rennen, die sonst ausgeglichen wären.

Zur Jubiläumsfeier ist deshalb mehr zu sehen als ein imposanter Anhänger. Es ist ein Statement: Ein mittelständisches Unternehmen aus dem Saarland behauptet sich in einer globalen Hightech-Nische – mit Präzision, Service und der Bereitschaft, sich immer wieder neu zu erfinden. Aus der Politik kommt Anerkennung, weil dieser Weg beispielhaft ist: Statt auf Rahmenbedingungen zu warten, sucht man die Nische, baut Kompetenz auf und liefert verlässlich. In Homburg bedeutet das, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen – buchstäblich.

Am Ende des Festakts bleibt ein Satz hängen, der zum Selbstverständnis passt: „Großes entsteht immer im Kleinen.“ Nicht als Nostalgie, sondern als Haltung. Ein Unternehmen aus Homburg/Saar, das den Weg vom Wagenschmied zur Hightech-Manufaktur gegangen ist, zeigt mit einer Weltpremiere, wie Zukunft hier gemacht wird – aus Erfahrung, Mut und einer Idee von Qualität, die Nähe und Weltgeltung nicht als Gegensatz versteht. Das Jubiläum ist kein Zielstrich, sondern ein Startpunkt. 100 Jahre Erfahrung treffen auf den Willen, sich immer wieder neu zu erfinden. Dass die Weltpremiere des größten Racetrailers ausgerechnet in Homburg gefeiert wird, passt zu dieser Erzählung: Der Blick geht nach vorn – und rollt schon jetzt Richtung Indianapolis.

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Gründung: 1925 in Schönenberg-Kübelberg durch Robert Jung
Sitz: Homburg/Saar
Geschäftsführer: Axel Jung, Dennis Urgatz
Mitarbeiter: 122
Auszubildende: aktuell 9, insgesamt seit Gründung 329
Offene Stellen: 24
Jahresumsatz 2024: 22 Mio. Euro
Race Shuttles ausgeliefert: 151
Reparaturaufträge pro Jahr: rund 5.200
Spezialisierung: High-End-Race-, Promotion- und Hospitality-Shuttles

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