Es ist kurz vor acht Uhr morgens als wir auf dem Gelände des Gymnasium Johanneum in Homburg ankommen. Ziemlich viel los hier. Nicht, dass das nicht normal für eine Schule wäre – aber heute beginnen hier die alljährlichen Sport-, Spiel- und Projekttage. Diese leiten den Beginn der großen Ferien ein und das bedeutet quer auf dem Campus ist Action angesagt. Laut Wetterprognose soll heute der heißeste Tag des Jahres werden, die UV-Strahlung besonders hoch. Für das was später folgen wird, optimalste Wettervoraussetzungen denn die Schule hat zu einem besonderen Experiment eingeladen.

„Es ist der verzweifelte Versuch, vielleicht auch mal Aliens an unsere Schule zu bekommen“, scherzt Schulleiter Oliver Schales, der sich sichtlich gut gelaunt auf das anstehende Experiment freut. „Im wahrsten Sinne des Wortes ist das weltklasse. Als christliche Privatschule haben wir natürlich eine gute Verbindung zum Himmel und dem wollen wir jetzt mal einen Besuch abstatten.“ Und der Himmelsbesuch sieht wie folgt aus.

Per Koordinaten auf 49.3038979 Breite und 7.3252234 Länge befindet sich das Gymnasium Johanneum. Von hier aus soll an diesem Morgen ein Wetterballon mit zweieinhalb Metern Durchmesser aufsteigen. An Bord ein Sonde, ein Fallschirm und eine Kamera. Organisiert und geplant wurde das Experiment von der Science-AG. In dieser Arbeitsgemeinschaft treffen sich Schüler der Klassenstufen 5-9, die neben ihrem normalen Stundenplan noch mehr Lust auf das Thema Wissenschaften haben. Es geht um Erdkunde, Physik, Chemie, Biologie. Hier wird getüftelt, experimentiert und das alles mit einer guten Portion Spaß.

Als es ernst wird und Schulleiter Schales sich für den Countdown bereit macht, sind alle hochgespannt. Wird das Experiment gelingen? Gewagt ist es auf jeden Fall. „Geplant ist ein Aufstieg bis maximal 38.000 Metern Höhe in die Stratosphäre. Zum Vergleich: Verkehrsflugzeuge erreichen eine Höhe von ca 10.000 Metern“, erzählt uns Johannes Jacob. Er ist einer der 3 verantwortlichen Lehrer, die zusammen mit den Schülern diesen Tag vorbereitet haben. „In der Sonde befindet sich ein Datenmessgerät, das Luftdruck, Luftfeuchtigkeit,Temperaturen und natürlich GPS-Koordinaten misst. Die Daten werden später im Unterricht ausgewertet.“ Doch wie funktioniert das Ganze technisch? Der Ballon steigt hoch und das Gas darin dehnt sich aufgrund des äußeren niedrigeren Druckes aus. Ab einer gewissen Höhe ist das Latex-Kautschuk-Gemisch nicht mehr reißfest genug, der Ballon platzt und die Sonde fällt mit dem Fallschirm wieder runter. So soll es in der Theorie funktionieren. Die nächsten 2-3 Stunden werden es zeigen.

Hunderte Schülerinnen und Schüler sind versammelt und feuern ihre Mitschüler an. Dann ist es soweit. Die Halteschnur wird losgelassen und der Ballon steigt gen Himmel. Konzentriert haben Schüler und Lehrer etwa einen Monat an dem Experiment gebastelt und alles vorbereitet. So unkompliziert es sich einerseits anhört, so komplex waren allerdings doch die Vorbereitungen. Neben der Technik mussten auch Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden. Der Flug musste vom Ministerium genehmigt werden, man musste sicherstellen, dass wegen der Hochspannungsleitungen in der Nähe kein Nordostwind herrscht und auch ein zu dichtes Wolkenfeld am Himmel hätte zu Komplikationen geführt.

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