Die Nachricht vom Donnerstagvormittag schlägt in Homburg hohe Wellen: Bosch will bis Ende 2030 rund 13.000 Stellen an seinen deutschen Standorten der Zuliefersparte Mobility abbauen. Besonders betroffen ist das Werk in Homburg, wo nach übereinstimmenden Berichten der Werksteil Bosch West geschlossen und rund 1.250 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Damit stünde mehr als ein Drittel der aktuellen Belegschaft vor dem Verlust des Arbeitsplatzes – ein Einschnitt von historischer Dimension für den Standort.

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Bosch begründet den Schritt mit einer schwierigen Lage in der Automobilindustrie. Der weltweit sinkende Dieselanteil und die nahezu stillstehende Wasserstoffproduktion für Lkw hätten zu einem deutlichen Rückgang der Aufträge geführt. Arbeitsdirektor Stefan Grosch sprach von einer „Neuaufstellung ohne Alternative“, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und den Standort langfristig wirtschaftlich tragfähig aufzustellen. Die jährlichen Kosten im Bereich Mobility sollen bis 2030 um 2,5 Milliarden Euro sinken. Bereits in den vergangenen Jahren hatte Bosch mehrfach Stellen abgebaut, seit 2023 rund 9.000 allein in Deutschland.

Von den Einschnitten sind nicht nur direkte Produktionsarbeitsplätze betroffen. Nach Informationen aus Gewerkschaftskreisen könnten auch Verwaltungsbereiche reduziert und die Zahl der Ausbildungsplätze deutlich verringert werden. Die Gewerkschaft IG Metall spricht von einem „Katalog des Grauens“ und wirft Bosch eine einseitige Orientierung an kurzfristigen Profiten vor. „Diese Entscheidung zeigt, wie kurzfristig Bosch plant. Statt in einen Innovationsprozess zu investieren und die Zukunft des gesamten Standortes zu sichern, steht die Profitmaximierung an erster Stelle“, erklärte Peter Vollmar, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Homburg-Saarpfalz. Sein Kollege Salvatore Vicari kritisierte, die Beschäftigten würden „als reiner Kostenblock gesehen“, und warnte vor einem schleichenden Ausbluten der industriellen Substanz in der Region. Die IG Metall fordert deshalb einen klaren Transformationsplan mit verbindlichen Zusagen, Investitionen in Zukunftstechnologien und eine Standortgarantie für Homburg. „Die Beschäftigten brauchen Planungssicherheit und eine Perspektive für sich und ihre Familien – das ist unsere rote Linie“, so Vollmar.

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Die Folgen für Homburg könnten erheblich sein. Neben den direkten Arbeitsplatzverlusten drohen ein Rückgang der Kaufkraft, sinkende Steuereinnahmen und weniger Aufträge für das lokale Handwerk. Auch Bosch Rexroth mit rund 570 Beschäftigten könnte in Mitleidenschaft gezogen werden, befürchtet die IG Metall. Einst arbeiteten in Homburg über 6.000 Menschen für Bosch, inzwischen sind es nach unterschiedlichen Angaben noch zwischen 3.100 und 3.500 – Tendenz weiter fallend. Die Gewerkschaft will die kommenden Wochen nutzen, um gemeinsam mit der Belegschaft Druck aufzubauen, Aktionen vorzubereiten und den Konzern an den Verhandlungstisch zu bringen. „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie dieser Standort ausgeblutet wird“, kündigte Vicari an.

Politik und Stadtverwaltung reagierten umgehend auf die Ankündigung. Saar-Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) sprach von einem „schlimmen Tag für das Saarland und die Beschäftigten“ und forderte einen respektvollen Umgang mit den Betroffenen. Das Land stehe bereit, Unternehmen mit Förderprogrammen bei der Transformation zu unterstützen, um Perspektiven am Standort zu schaffen. Homburgs Oberbürgermeister Michael Forster (CDU) zeigte sich ebenfalls tief betroffen. „Dass dies für Homburg bis zum Ende des Jahrzehnts den Verlust von weiteren 1.250 Arbeitsplätzen bedeutet und auf lange Sicht zum Wegfall des Werkes West hinausläuft, ist ein harter Schlag für den Wirtschaftsstandort“, sagte Forster. Er kündigte an, die Gespräche mit der Werksleitung und der Arbeitnehmervertretung weiter zu intensivieren und machte deutlich, dass die Stadt alle zur Verfügung stehenden Kanäle nutzen werde, um auf den Konzern einzuwirken. „Wir werden die Stimme Homburgs hörbar machen – in Stuttgart, in Gerlingen und wenn nötig auch in Berlin.“

Forster verwies auch auf die strukturellen Herausforderungen der gesamten Branche. „Angesichts der Weichenstellungen insbesondere auf europäischer Ebene, die ganz klar das Verbrenner-Aus zum Inhalt haben, kann die Entscheidung aber natürlich nicht mehr überraschen“, erklärte er. Betroffen sei er vor allem wegen der Größenordnung und der wirtschaftlichen Folgen für die Stadt: weniger Steuereinnahmen, geringere Umsätze in Handel und Gewerbe sowie Einbußen bei Aufträgen im Handwerk. Die Stadt Homburg wolle daher alle Möglichkeiten ausschöpfen, um in der bundesweiten Auto-Initiative und im Dialog mit dem Konzern die Zukunft des Standortes zu sichern. Zudem will die Stadtverwaltung prüfen, welche lokalen Förder- und Unterstützungsprogramme genutzt werden können, um den betroffenen Beschäftigten in der Übergangszeit zu helfen.

Am Freitag soll die Belegschaft auf einer Betriebsversammlung über den Stand der Planungen informiert werden. Ob betriebsbedingte Kündigungen tatsächlich unvermeidbar sind und ob Bosch Investitionen oder neue Produkte für Homburg plant, bleibt vorerst offen. Die IG Metall kündigte an, den Druck auf den Konzern zu erhöhen und für eine sozialverträgliche Lösung zu kämpfen. „Die Beschäftigten in Homburg verdienen Perspektiven – keine Kahlschlagpolitik“, betonte die Gewerkschaft und forderte die Landes- und Bundespolitik auf, Bosch stärker in die Pflicht zu nehmen, damit Homburg als Industriestandort erhalten bleibt.