Bild: Michael Sonntag
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Viele Bürger spenden derzeit für die Menschen in der Ukraine, die unter einem grausamen Krieg leiden. Doch mit Spenden allein ist es nicht getan; irgendjemand muss Medikamente, Lebensmittel oder Hygieneartikel auch die rund 1400 Kilometer gen Osten bringen. Eine Gruppe Männer aus unserer Region hat sich vor einigen Tagen gleich mit mehreren Bussen auf den Weg gemacht. Was sie dort erlebt haben und wie die Situation vor Ort ist, hat Initiator Michael Sonntag HOMBURG1 erzählt.

Unzählige Menschen stehen vor einer Art Einkaufszentrum, Militär und zivile Helfer versuchen Ordnung zu schaffen. Drinnen stehen reihenweise Feldbetten, auf denen sich erschöpfte Menschen, vor allem Frauen und Kinder, versuchen auszuruhen. So oder so ähnlich muss man sich die Situation in einem Auffanglager an der polnisch-ukrainischen Grenze derzeit vorstellen, wenn man den Schilderungen von Michael Sonntag folgt.

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Bild: Michael Sonntag

Sonntag muss es wissen, schließlich ist der 34-Jährige einer derjenigen, der sich auf den etwa 1400 Kilometer weiten Weg gemacht hat, um Hilfsgüter aus Deutschland zu den Kriegsflüchtlingen zu bringen. Gemeinsam mit rund einem Dutzend Männern war er dafür knapp 18 Stunden unterwegs. Drei 9er-Busse und einen 5-Tonnen-LKW hatten sie vollgepackt mit allen möglichen Dingen.

Hygieneartikel, Babysachen, Medikamente, Verbandsmaterialien, Decken, Schlafsäcke, Taschenlampen, Infusionsbesteck, Powerbanks – über eine Vielzahl an Spenden war über mehrere Tage einiges zusammengekommen. „Ein Arbeitskollege hat das angeregt“, erzählt Sonntag. „Wir haben die Spendenaktion dann über die sozialen Netzwerke geteilt.“ Unterstützt wurde die Gruppe vom FC 08 Homburg, der über seine Plattformen ebenfalls zum Spenden aufrief. Vier Sammelstellen gab es in der Region, allein in Sonntags Physiotherapiepraxis hätten laut Sonntag rund 250 Leute Sachen abgegeben. Dazu kam noch noch eine Geldspendenaktion, über die 8000 Euro zusammenkommen. Von diesem Geld wurden weitere Sachen gekauft, die die Flüchtlinge im Grenzgebiet brauchen.

Bild: Michael Sonntag

Vollgepackt bis unter die Dächer rollten die vier Fahrzeuge an letzten Wochenende schließlich los – in Richtung Korczowa, einem Grenzübergang direkt an der ukrainischen Grenze. Dort wurden die Sachen zunächst an einem alten Baumarkt abgegeben. „Wir hatten schon vorher Kontakt mit den Verantwortlichen vor Ort Kontakt aufgebaut, damit die Dinge nicht irgendwo liegen bleiben“, schildert Sonntag. „Dort war dann schließlich die Hölle los, es gab da Helfer ohne Ende.“ Die Spenden wurden dort zunächst auf Paletten sortiert, in Folie verpackt und schließlich mit LKWs direkt über die Grenze gebracht.

Damit war die Mission der Gruppe aber noch nicht beendet. Denn danach stattete man dem dortigen Auffanglager noch einen Besuch ab, um eventuell Flüchtlinge mit nach Deutschland nehmen zu können. Die Situation vor Ort sei dann sehr chaotisch gewesen, berichtet Sonntag. „Man musste sich registrieren und bekam ein auf ukrainisch beschriftete Schild in die Hand.“ Mit Megafonen seien schließlich die einzelnen „Reiseziele“ durchgegeben worden. Wer jedoch denkt, die Busse der Gruppe um Sonntag wären in Windeseile gefüllt worden, der irrt. „Die meisten wollen in der Nähe ihrer Heimat bleiben. Sie sind der Meinung, dass der Krieg bald zu Ende ist und sie wieder nach Hause können“, erklärt Sonntag, wieso letztlich nur eine Mutter und ihr 6 Jahre alter Sohn die Reise nach Deutschland antraten. Und die waren letztlich auch nur über einen Kontakt in Deutschland „vermittelt“ worden.

Bild: Michael Sonntag

So chaotisch die Verteilung der Flüchtlinge an der Grenze offenkundig läuft, so geordnet ist die Essensvorsorge vor Ort, sagt Sonntag. „Die Versorgung ist quasi perfekt, es gab dort Imbissbuden aus denen die Menschen versorgt wurden. Das ist wirklich super organisiert.“ Grundsätzlich sei es so, dass vor allem Frauen und Kinder die zahlreichen Feldbetten im Auffanglager belegen. „Viele dort sind einfach nur erschöpft und wollen zu Kräften kommen.“

So ging es auch den beiden Flüchtlingen, die Sonntags Gruppe in die Pfalz brachte. Diese hatten einen Fußmarsch von vier Tagen hinter sich, gegessen hatten sie 48 Stunden lang fast nichts. “Wir sind dann mit ihnen etwas essen gegangen und haben im Hotel übernachtet“, so der 34-jährige Physiotherapeut. Auf der Fahrt seien beide eher zurückhaltend gewesen, was auch daran gelegen haben dürfte, dass sowohl Mutter als auch Sohn kaum Englisch konnten. Sicher wurden sie schließlich bei ihren Bekannten abgegeben.

Für Sonntag hat sich die anstrengende Reise gelohnt. „Gegen die Situation kann man nicht viel tun. Aber man kann zumindest dafür sorgen, dass sie für die Menschen vor Ort etwas erträglicher wird.“ Das dürften er und seine Mitstreiter geschafft haben.

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