Bild: Bill Titze

Händeschütteln, angeregte Diskussionen, viel Applaus für die einzelnen Redebeiträge – das alles gab es beim diesjährigen Neujahrsempfang der Homburger Grünen nicht. Schließlich musste die Veranstaltung coronabedingt hinter verschlossenen Türen stattfinden. Die Öffentlichkeit konnte jedoch per Videostream mitverfolgen, was sich die Grünen vorgenommen haben. Darunter Forderungen, die noch für viel Diskussionsstoff sorgen dürften.

Eines kann man den Grünen in Homburg mit Sicherheit nicht vorwerfen: Nichts zu sagen zu haben. „Wenn ich richtig mitgezählt habe, haben wir heute Abend rund zwanzig politische Punkte angesprochen“, stellte der Vorsitzende der Partei in Homburg, Winfried Anslinger, denn auch fest. Von der B423 neu bis hin zu Enklerplatz und DSD-Gelände reichte das Themenspektrum beim Neujahrsempfang im „1680“ am Marktplatz. Im Mittelpunkt dabei immer der Grundgedanke, den die zweite Homburger Grünen-Vorsitzende und Beeder Ortsvertrauensfrau Katrin Lauer, auf den Punkt brachte: „Wir wollen, dass Homburg eine grüne Stadt wird und dafür kämpfen wir.“

Doch was bedeutet das konkret? Beispiel DSD-Gelände. Dieses Areal in bester Innenstadtlage möchte ein Investor bekanntlich zu einem Gewerbe- und Wohnquartier weiterentwickeln. Und die Grünen wollen mit Argusaugen wachen, dass diese Idee möglichst klimaneutral umgesetzt wird. „Dort soll es eine Dach-und Fassadenbegrünung geben, Regenwasserentflechtung, Grünflächen, Solaranlagen“, zählte Lauer die einzelnen Forderungen auf.

Die neuen Planungen auf dem DSD-Gelände sind aus grüner Sicht jedoch nicht nur im Hinblick auf die Innenstadtentwicklung an sich wichtig. Sie haben laut Lauer auch Auswirkungen auf ein anderes Großprojekt, dass gerade die südlichen Homburger Stadtteile betrifft: der Bau der Umgehungsstraße B423 neu. Für die Beeder Ortsvertrauensfrau ist mit der Neuplanung des DSD-Geländes ein wichtiges Argument für die Umgehungsstraße weggefallen. Schließlich sollte diese ursprünglich auch dazu dienen, ein dortiges Industrie- und Gewerbegebiete anzuschließen, das nun nicht kommt.

Insgesamt positionierten sich die Grünen an diesem Abend deutlich gegen die B423 neu. Flora und Fauna in der Mastau seien durch die Maßnahme bedroht, so Lauer. Mit Blick auf die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal im vergangenen Jahr, warnte die Homburger Grünen-Vorsitzende vor einem „erheblichen Verlust“ von Retentionsraum in der Mastau. „Schon bei normalem Hochwasser stehen die Talwiesen zwischen Einöd und Ingweiler beachtlich unter Wasser. Wie dort noch zusätzliche Wassermassen in Folge der Flächenversiegelung in der Mastau aufgefangen werden sollen, ist nicht nachvollziehbar.“ Bei Starkregenereignissen drohten „katastrophale Schäden“.

Bild: Bill Titze

Nicht ganz so dramatisch war die die Beschreibung der Entwicklungen in der Innenstadt, die der Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Prof. Marc Piazolo, vornahm. Er lobte unter anderem das 2021 beschlossene Radverkehrskonzept. „Einbahnstraßen für den Radverkehr zu öffnen und erste Fahrradboxen am Bahnhof sind erste kleine Fortschritte.“ Priorität habe für die Grünen jedoch die Schaffung sicherer Schulradwege, so vor allem zwischen Saarpfalz- und Mannlich-Gymnasium.

Auf die Sicherheit im Straßenverkehr verwies Piazolo auch mit Blick auf eine Forderung, die noch für Diskussionen sorgen dürfte. Denn die Grünen möchten, dass Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet Regelgeschwindigkeit wird. „Entscheidend ist für uns die Beweisumkehr“, erklärte der Grünen-Fraktionsvorsitzende. „Anstatt zu begründen, wieso Tempo-30-Zonen sinnvoll sind, wäre so die Abweichung von Tempo 30 zu begründen.“ Diese Maßnahme diene nicht nur der Gefahrenabwehr, sondern auch dem Lärmschutz und einer höheren Substanzerhaltung der Straßen.

Darüber hinaus forderte Piazolo eine „lebenswerte“ Innenstadt. Dazu müsse nicht zuletzt der öffentliche Raum einladend sein. In diesem Zusammenhang verwies er unter anderem auf ein „modernes, sauberes und einheitliches“ Stadtmobiliar. Bezüglich des Enklerplatzes betonte Piazolo, dass ein Einkaufszentrum dort nicht mehr zeitgemäß sei. „Hier muss der Rat Änderungen am Bebauungsplan vornehmen, ansonsten wird es dort keine weitere bauliche Entwicklung geben.“ Diese Änderungen müssten jedoch in die Empfehlungen des neuen Einzelhandelskonzepts eingebettet sein.

Insgesamt sehen die Grünen die Entwicklungen in der Stadt im Jahr 2021 positiv, wie Anslinger betonte. „“Wenn man zurückschaut, muss man sagen, dass es nach Jahren der Stagnation jetzt wieder richtig los gegangen ist. Wir haben enorme Schritte gemacht.“ Dennoch zeigte sich an diesem Abend: Aus Sicht der Grünen bleibt in Homburg noch einiges zu tun.

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1 Kommentar

  1. Homburg ist eine Provinz und Universitätsstadt, dafür eine Schande. Was hat den Homburg was Studenten bindet? Wäre Homburg keine Universitätsstadt könnte es einem ja egal sein, Provinzen gibt es überall.

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