Ein Spaziergang durch die Homburger Innenstadt wurde am Wochenende zur Reise durch mehr als drei Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte. Anlässlich des German-American Day führte der Historiker Klaus Friedrich einen besonderen Dialogrundgang durch die Kreisstadt – organisiert in Kooperation mit dem Deutsch-Amerikanischen Institut Saarland, unterstützt vom Auswärtigen Amt und der US-Botschaft. Mehr als zwanzig Interessierte nahmen teil und begaben sich auf eine Spurensuche zwischen Demokratie, Migration und Freundschaft.
Seit 1987 gilt der 6. Oktober in den USA als offizieller „German-American Day“. US-Präsident Ronald Reagan hatte damals den Jahrestag der Ankunft der ersten deutschen Einwanderer von 1683 in Philadelphia zum Gedenktag erklärt. Der Tag erinnert an den Einfluss deutscher Einwanderer auf die Entwicklung Amerikas – und an die bis heute engen kulturellen und gesellschaftlichen Beziehungen beider Länder.
Im Saarpfalz-Kreis, der seit 1997 eine enge Partnerschaft mit Henrico County in Virginia pflegt, wurde dieser Anlass genutzt, um die gemeinsamen Wurzeln im Stadtbild sichtbar zu machen. Landrat Frank John begleitete den Rundgang und betonte die Bedeutung solcher Begegnungen: „Der German-American Day ist ein guter Anlass, die gemeinsame deutsch-amerikanische Geschichte in den Fokus zu stellen. Unsere Partnerschaft mit Henrico County verbindet Menschen verschiedener Generationen. Unsere amerikanischen Partner begegnen uns seit vielen Jahren mit Offenheit und Wertschätzung. Diese Freundschaft wollen wir weiter mit Leben füllen.“
Auch aus den Vereinigten Staaten kam eine Grußbotschaft. Henrico County Manager John A. Vithoulkas würdigte die Verbindung beider Regionen: „Seit Beginn unserer Partnerschaft verbindet uns ein Band, das auf gemeinsamen Werten, gegenseitigem Respekt und einem unerschütterlichen Bekenntnis zu demokratischen Prinzipien basiert. Auch wenn uns tausende Kilometer trennen, bleibt der Saarpfalz-Kreis in unseren Herzen.“
Der Rundgang begann am Freiheitsbrunnen, einem deutschlandweit einzigartigen Denkmal, das Szenen der deutschen Demokratiegeschichte zeigt – darunter Bezüge zu den Vereinigten Staaten. Von dort aus führte Klaus Friedrich die Gruppe in die Vauban’sche Altstadt. Er erklärte, dass die Festungsarchitektur Vaubans in mehreren US-Bundesstaaten als Vorbild diente.
Station machte die Gruppe auch am Gasthaus „Homburger Hof“, ehemals Hotel Peterhof, das nach dem Zweiten Weltkrieg ein Hauptquartier der US Army beherbergte. In der Nähe des Marktplatzes erinnerte Friedrich an Carl David Weber, Sohn des Homburger Dekans Karl Gottfried Weber, der nach Amerika auswanderte und die kalifornische Stadt Stockton gründete – eine wichtige Handelsstadt während des Goldrauschs.
Am Alten Rathaus zeigte Friedrich historische Fotografien: Das Gebäude war im April 1945 auf dem Titelblatt des New York Times Magazine zu sehen. Eine weitere Station widmete sich dem Revolutionär Carl Schurz, der 1848/49 in der Saarpfalz kämpfte, später in die USA emigrierte und dort als Innenminister unter Präsident Hayes wirkte. Seine Frau Margarethe Schurz gründete 1856 den ersten Kindergarten in den Vereinigten Staaten.
Der Rundgang endete mit einem offenen Austausch über die Bedeutung der deutsch-amerikanischen Freundschaft im heutigen Europa. Viele Teilnehmende zeigten sich beeindruckt von der Fülle an Geschichten und Bezügen, die Homburg mit den USA verbinden. Der German-American Day bot so nicht nur einen Blick in die Vergangenheit, sondern auch eine lebendige Erinnerung daran, wie stark transatlantische Werte und Begegnungen bis heute tragen.





















