Die Freien Berufe verzeichnen einen deutlichen Zuwachs bei den Ausbildungsverträgen – und das in einer Zeit, in der andere Branchen mit sinkenden Bewerberzahlen kämpfen. Zum Stichtag 31. März 2026 stieg die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge um 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) in Berlin mitteilte. Damit hebt sich der drittgrößte Ausbildungssektor Deutschlands klar von der allgemeinen Entwicklung auf dem Lehrstellenmarkt ab.
„Immer mehr junge Menschen entscheiden sich bewusst für eine Ausbildung, die früh Verantwortung überträgt und echte Perspektiven bietet“, erklärte BFB-Präsident Dr. Stephan Hofmeister. Tatsächlich gehören gleich zwei Berufsbilder aus dem freiberuflichen Bereich zu den drei beliebtesten Ausbildungsberufen junger Frauen bundesweit: Medizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte. Der Frauenanteil unter den neuen Auszubildenden liegt bei rund 90 Prozent – ein Wert, den der Verband als Beleg für die Anziehungskraft dieser Berufe wertet, zugleich aber als Auftrag versteht, künftig auch andere Zielgruppen stärker zu erreichen.
Als Gründe für den Aufwärtstrend nennt der BFB vor allem die frühe praktische Einbindung der Auszubildenden, klare Karrierewege und die gesellschaftliche Bedeutung der Tätigkeitsfelder. Modernisierte Ausbildungsordnungen und die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitsprozesse tragen nach Einschätzung des Verbands ebenfalls dazu bei, dass sich mehr junge Menschen für diesen Weg entscheiden. Insgesamt bilden die Freien Berufe derzeit rund 129.000 junge Menschen aus und sichern damit Versorgungsstrukturen in zahlreichen Regionen. „Ohne die Freien Berufe würde zentrale Versorgung in vielen Bereichen nicht funktionieren“, betonte Hofmeister. „Ausbildung ist hier kein Nebenschauplatz, sondern Kernaufgabe unseres Mittelstandes.“
Doch trotz des positiven Trends bleibt die Lücke groß. Nach Angaben des BFB fehlen in den Freien Berufen nach wie vor 44.000 Auszubildende. Der Verband fordert deshalb verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine konsequente Aufwertung der beruflichen Bildung gegenüber dem akademischen Weg. Hofmeister machte deutlich, dass zusätzliche Belastungen kontraproduktiv wirkten: „Wir brauchen Kontinuität und gezielte Förderung, um die Attraktivität der Ausbildung weiter zu steigern.“ Ausbildungsplatzabgaben, wie sie in Bremen bereits umgesetzt und in Berlin beschlossen wurden, setzten Betriebe unter Druck und bewirkten das Gegenteil des Gewünschten.
Darüber hinaus plädiert der BFB dafür, bestehende Förderprogramme langfristig weiterzuentwickeln. Konkret nennt der Verband das Programm zur Förderung begabter Auszubildender und Fachkräfte in den Begabtenförderungswerken, das verstetigt werden solle, um talentierte Nachwuchskräfte gezielt zu unterstützen. Die rund 1,49 Millionen selbstständigen Freiberuflerinnen und Freiberufler in Deutschland steuern etwa zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei und beschäftigen knapp 4,8 Millionen Menschen. Ihr Beitrag reicht damit weit über reine Wirtschaftskraft hinaus – und die Ausbildungszahlen zeigen, dass dieser Sektor auch für die nächste Generation an Bedeutung gewinnt.





















