Sieben von zehn Unternehmen in Deutschland haben mittlerweile eine feste Zuständigkeit für die Förderung von Frauen geschaffen. Das geht aus einer repräsentativen Befragung von 603 Unternehmen hervor, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Demnach haben 72 Prozent der befragten Betriebe aller Branchen eine verantwortliche Stelle oder Person benannt, die sich gezielt um die Erhöhung des Frauenanteils kümmert. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse am 23. April 2026 – dem Tag des bundesweiten Girls Day, an dem Mädchen und junge Frauen Einblicke in technische und naturwissenschaftliche Berufe erhalten.
Wer innerhalb der Unternehmen die Verantwortung trägt, unterscheidet sich deutlich. In 48 Prozent der Betriebe liegt das Thema direkt bei der Geschäftsführung oder dem Vorstand. Bei 29 Prozent ist der Personal- oder HR-Bereich zuständig, während 20 Prozent die mittlere Führungsebene in die Pflicht nehmen. Daneben setzen viele Firmen auf spezialisierte Positionen: 26 Prozent beschäftigen Gleichstellungsbeauftragte, zwölf Prozent haben eigens Diversity-Beauftragte für diese Aufgabe eingesetzt.
„Der Girls Day kann erste Begeisterung für IT und digitale Berufe wecken“, sagte Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung und im Steuerungskreis der Initiative #SheTransformsIT. „Damit aus erstem Interesse eine berufliche Karriere wird, braucht es innerhalb der Unternehmen Strukturen, die Einstieg und Entwicklung von Frauen aktiv fördern.“ Dehmel machte damit deutlich, dass Aktionstage allein nicht ausreichen – entscheidend sei, was danach in den Betrieben passiert.
Trotz der organisatorischen Fortschritte bleibt der Frauenanteil in IT- und Digitalberufen nach Einschätzung des Verbands zu niedrig. Dehmel betonte, dass definierte Zuständigkeiten zwar ein erster Schritt seien, aber nicht genügten. „Der Frauenanteil in IT und Digitalisierung bleibt jedoch weiterhin zu niedrig. Es braucht deshalb nicht nur definierte Zuständigkeiten, sondern auch konkrete Ziele, sichtbare Role Models sowie Qualifizierungs-, Weiterbildungs- und Unterstützungsangebote, die den Einstieg, Quereinstieg und Karrierewege von Frauen fördern“, so die Bitkom-Managerin.
Die zugrunde liegende Umfrage wurde zwischen Kalenderwoche 50 im Jahr 2025 und Kalenderwoche sechs im Jahr 2026 telefonisch durchgeführt. Befragt wurden Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland – darunter Führungskräfte, Entscheiderinnen und Entscheider sowie Personalverantwortliche. Die zentrale Frage lautete, wer im jeweiligen Unternehmen für alle Themen rund um die Förderung von Frauen und die Erhöhung des Frauenanteils verantwortlich ist. Bitkom hat die vollständigen Ergebnisse in einem eigenen Studienbericht zusammengefasst und veröffentlicht.
Die Zahlen zeigen ein zwiespältiges Bild: Einerseits haben sich viele Unternehmen strukturell aufgestellt, andererseits fehlt es offenbar noch an der konkreten Umsetzung. Ob Gleichstellungsbeauftragte, HR-Abteilung oder Vorstandsebene – die Verantwortung ist verteilt, doch messbare Fortschritte beim Frauenanteil in der Digitalbranche lassen weiter auf sich warten. Der jährliche Girls Day mag jungen Frauen einen ersten Zugang zu technischen Berufsfeldern eröffnen. Ob daraus tatsächlich Karrieren entstehen, hängt letztlich davon ab, wie ernst Unternehmen ihre eigenen Strukturen nehmen.



















