a row of chairs
Symbolbild Foto: Jonas Augustin
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Lehrkräfte im Saarland stehen unter einem Druck, der weit über das hinausgeht, was ihr eigentlicher Beruf vorsieht. Demokratie vermitteln, psychische Krisen auffangen, Integration stemmen, soziale Ungleichheit abfedern – die Liste der Aufgaben, die sich auf den Schultern der Pädagoginnen und Pädagogen stapeln, wird länger, während die Ressourcen dafür nicht mitwachsen. Die FDP Saar sieht darin den zentralen Grund, warum immer mehr Lehrkräfte ihrem Beruf den Rücken kehren, und drängt auf ein politisches Umsteuern.

Gudrun Bierbrauer-Haupenthal, stellvertretende Landesvorsitzende der Saar-Liberalen, bringt das Problem auf den Punkt: „Schulen sollen gleichzeitig erziehen, integrieren, stabilisieren und Konflikte lösen – ohne ausreichende Unterstützung und ohne personelle, zeitliche oder finanzielle Ressourcen.“ Was politisch gewollt sei, lande operativ im Klassenzimmer. Und dort fehle es an allem, was nötig wäre, um diese Erwartungen auch nur annähernd zu erfüllen. Für Bierbrauer-Haupenthal handelt es sich längst nicht mehr um eine vorübergehende Mehrbelastung, sondern um eine „dauerhafte strukturelle Überfrachtung“.

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Besonders deutlich zeigt sich die Schieflage bei den grundlegendsten Fähigkeiten. Lehrkräfte berichten zunehmend davon, dass sie Kindern erst den Umgang mit Schere und Stift beibringen müssen, bevor an regulären Unterricht überhaupt zu denken ist. Wo solche Basiskompetenzen im Elternhaus nicht mehr vermittelt werden, kann die Schule das nicht nebenbei auffangen. Die FDP Saar schlägt deshalb eine verpflichtende „Klasse 0″ vor der Einschulung vor, in der Kinder systematisch auf den Schulalltag vorbereitet werden sollen – von Sprachförderung bis hin zu elementarer Selbstständigkeit.

Gleichzeitig beobachtet die Partei, dass Lehrkräfte in eine Rolle gedrängt werden, in der sie kaum gewinnen können. Die Anforderungen steigen, doch Autorität, Eingriffsmöglichkeiten und Rückhalt schwinden. „Alles, was gesellschaftlich schiefläuft, soll in der Schule gelöst werden. Und wenn es nicht gelingt, sind die Lehrer schuld“, kritisiert Bierbrauer-Haupenthal. Lehrkräfte leisteten keine schlechtere Arbeit als früher. Sie sollten jedoch Probleme lösen, die weder im Elternhaus noch auf politischer Ebene bewältigt würden. Weil das zwangsläufig nicht zufriedenstellend gelingen könne, bleibe die Erfahrung von Wirksamkeit aus – und die Frustration wachse.

Die Folgen sind nach Einschätzung der Liberalen gravierend: Überforderung, Sinnverlust und steigende Ausstiegszahlen. „Wir verlieren engagierte Menschen nicht, weil sie ihren Beruf nicht lieben, sondern weil die Bedingungen nicht mehr tragfähig sind“, sagt die stellvertretende Landesvorsitzende. Wer einen Blick auf die Schlagzeilen werfe – Gewalt an Schulen, Mobbing, Lehrermangel –, erkenne schnell, dass es sich nicht um Einzelfälle handele, sondern um Symptome eines systemischen Problems.

Um gegenzusteuern, hat die FDP Saar einen Forderungskatalog vorgelegt. Verbindliche Mindeststandards für Schulsozialarbeit und schulpsychologische Betreuung stehen ebenso darauf wie ein konsequenter Bürokratieabbau, der Lehrkräften wieder mehr Zeit für ihre Kernaufgabe verschafft. Schulen mit besonders herausfordernden Rahmenbedingungen sollen zusätzliche Mittel nach einem Sozialindex erhalten. Schulleitungen brauchen aus Sicht der Partei mehr Entscheidungsspielräume, um vor Ort flexibel reagieren zu können.

Bierbrauer-Haupenthal fasst die Haltung ihrer Partei mit einem Satz zusammen, der als Warnung gemeint ist: „Wenn Schule alles richten soll, was gesellschaftlich schiefläuft, darf sich niemand wundern, wenn immer mehr Lehrer sagen: So geht es nicht mehr.“ Die Debatte darüber, was Schule leisten kann und was nicht, sei überfällig – im Saarland wie anderswo.

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