Das Impf-Shuttle von DRK und Dr. Theiss Naturwaren. - Bild: Stephan Bonaventura

Für­ei­n­an­der da sein und seinen Mitmenschen helfen, das ist absolut keine Selbstverständlichkeit, auch nicht in schwierigen Zeiten. Dass es aber anders und besser geht, zeigt ein Beispiel aus Homburg. Das Projekt Impf-Shuttle hilft Menschen, die rund um ihren Impftermin Unterstützung brauchen. Diese bekommen sie seit einiger Zeit effektiv durch ein engagiertes Team des örtlichen DRK und Dr. Theiss Naturwaren.

Vier Impfzentren gibt es im Saarland und täglich müssen sich tausende Saarländerinnen und Saarländer Gedanken darüber machen, wie sie zum jeweiligen Standort kommen. Für gesunde und aktive Bürger mag das nicht zum Problem werden, für Senioren und Menschen mit Mobilitätsproblemen aber schon. Schnell muss man sich die Frage stellen? Wie komme ich jetzt zum Termin, was brauche ich alles und wie funktioniert das dann vor Ort? Um hier Sicherheit zu schaffen und den Menschen in der Umgebung schnelle Hilfe zu bieten, wurde das Impf-Shuttle erfunden. Ganz saarländisch, auf privater Ebene fanden die ersten Gespräche und Überlegungen statt. Seine soziale Seite zeigen, das gehört beim Homburger Unternehmen Dr. Theiss Naturwaren schon immer zur Firmenphilosophie. Bereits zum Beginn der Pandemie startete man hier zusammen mit dem FC 08 Homburg eine Hilfsaktion, bei der ganz unkompliziert Menschen beim Einkauf geholfen wurde. Jetzt hilft man auf anderer Ebene und das ist für Geschäftsführer Giuseppe Nardi eine Selbstverständlichkeit, sagt er im Gespräch mit HOMBURG1: „Ziel des Projekts ist es, die Menschen nicht nur zu fahren, sondern sie auf dem Weg im Impf-Zentrum zu begleiten. Gerade in dieser Zeit geht es uns darum, die Menschen nicht allein zu lassen. Insbesondere, wenn sie ohne Familie sind oder Angehörige zu weit entfernt leben, um vor Ort persönlich unterstützen zu können.“

Und das funktioniert so: Wer Hilfe braucht, wendet sich direkt an das Deutsche Rote Kreuz hier in Homburg. Dort kümmern sich Mitarbeiter täglich um die Anrufannahme und erste Koordinierung. Die Liste der potentiellen Implinge wird dann nachmittags an Dr. Theiss Naturwaren geschickt und von dort weiter bearbeitet, erzählt Nicole Adolph vom DRK Kreisverband Homburg. Die Mischung der Anrufer sei laut Adolph dabei bunt gemixt: „Es sind Personen, die aus den Medien über den Service erfahren haben, von der Stadt, über unsere Info oder auch von Personen, die von uns schon gefahren wurden. Die meisten Menschen haben kein Auto und sind alleine, haben entweder keine Kinder oder sie sind weit weit weg, es sind keine Nachbarn und keine Bekannten da, die fahren können. Einige fahren zwar noch selbst aber nicht mehr so weit, andere sind verunsichert ob sie die Impfung gut vertragen und hinterher überhaupt noch fahren könnten. Von der Altersstruktur sind die meisten Ende 70, über 80 Jahre alt.“

Unsicherheit ist ein großer Faktor warum viele den Service nutzen. Diese wird ihnen spätestens dann genommen wenn sich die Mitarbeiter von Dr. Theiss Naturwaren melden, um vorab alles Nötige zu regeln und die Fahrt mit den Personen genau abzusprechen. Die Fahrerinnen und Fahrer – sie alle sind Mitarbeiter des Unternehmens aus ganz verschiedenen Bereichen und machen die Fahrten innerhalb ihrer normalen Arbeitszeit. Viele kommen aus dem Vertrieb. Auf knapp 70 Fahrten können die aktuell 16 Freiwilligen, die sich zu der Aktion gemeldet haben, zurückblicken. Alle verbindet nicht nur das Unternehmen sondern eben auch der Anspruch der Gesellschaft etwas zurückgeben und helfen zu wollen.

Dr. Theiss Vertriebsmitarbeiter Michael Frey hat sich gerne an dem Projekt beteiligt. – Bild: Stephan Bonaventura

Einer von ihnen ist Michael Frey, Familienmensch und auch in seiner Freizeit ehrenamtlich tätig. Seinen Beitrag zu leisten war für ihn ganz normal: „Ich beteilige mich gerne an dem Projekt weil es absolut nicht selbstverständlich ist, dass mittelständige Unternehmen solche Themen in der aktuellen Situation aktiv unterstützen.“ Was dem gesamten Fahrerteam durchweg auffiel, war die große Dankbarkeit der Impflinge. Alle Patienten, die zu ihren Impftermin gefahren werden, seien begeistert, fasst Frey zusammen. Nicht nur weil sie zu ihrem Termin gefahren werden, sondern auch, weil sie den Weg nicht alleine gehen müssen. Sie bekommen so noch mehr Sicherheit und fühlen sich nicht alleingelassen. Nicht immer seien die Menschen von vornerein aufgeschlossen und in Erzähllaune, dies würde sich aber spätestens ändern wenn man zwei bis drei Minuten unterwegs sei, sagt Mitarbeiterin Lea Rheinfrank.

Lea Rheinfrank weiß das entgegengebrachte Vertrauen sehr zu schätzen. – Bild: Stephan Bonaventura

Sie weiß das ihr entgegengebrachte Vertrauen sehr zu schätzen: „Ältere Menschen fühlen sich oft einsam und haben niemanden mit dem sie sich austauschen oder gar ihre Sorgen anvertrauen können. Dass wir allerdings zu diesen vertrauten Personen gehören, hat mich echt überrascht aber natürlich auch umso mehr gefreut. Meine erster Impfpatient sagte auf der Rückfahrt zu mir: „Wenn Sie hier noch eine Minibar hätten, dann würde ich mich fühlen wie auf Wolke 7“! Das ist ein Satz den ich niemals vergessen werde. Genau dieser Satz hat mir gezeigt, dass es goldrichtig ist was ich hier mache! Dort unterstützen, wo Hilfe benötigt wird. Mit einem Ehepaar aus Homburg Erbach war die Sympathie und Empathie sogar so stark, dass wir heute noch Kontakt halten und ich sie auch zu deren 2. Impftermin begleiten werde.“

Dass die gleichen Fahrerinnen und Fahrer auch zum zweiten Impftermin angefragt werden, das kann Nicole Adolph bestätigen. Beim DRK merke man durchweg an den Reaktionen, wie toll die Zusammenarbeit funktioniert und welchen Mehrwert das Projekt darstellt. Diesen Mehrwert erkannte auch Dr. Theiss Vertriebsmitarbeiter Philipp Schmidt sehr schnell. Als er von dem Projekt erfuhr, zögerte er keine Sekunde und meldete sich. „Als Homburger hilft man natürlich gerne seinen Mitmenschen in und um Homburg. Für mich ist es selbstverständlich, da ich so groß geworden und erzogen worden bin. Ich kümmere mich z.B. auch um meine 96-Jährige Nachbarin für die ich u.a. auch jede Woche einkaufen gehe“, sagt er im Gespräch.

Philipp Schmidt sagt: „Solche Fahrten tun auch gut, weil man den Alltags- und Arbeitsstress kurz vergessen und abschalten kann.“ – Bild: Stephan Bonaventura

Sein Highlight beim Projekt Impf-Shuttle war direkt seine erste Fahrt: „Da durfte ich einen 97-Jährigen nach Lebach fahren. Er hat vom Krieg erzählt, wie er nach Russland gekommen ist, von seiner Arbeit (er hat noch bis 84 Jahre gearbeitet), aber auch, dass er noch bis 80 Jahre Ski gefahren ist. Die Menschen sind sehr gesprächsbereit. Da erfährt man, dass viele auch leider alleinstehend sind und deren Kinder und Enkel leider berufsbedingt keine Zeit haben, oder weggezogen sind. Die Gespräche sind sehr intensiv und vertrauensvoll, da die Menschen über Freud und Leid berichten. Es kommt einem so vor als kenne man sich schon ewig.“

Das Impf-Shuttle versteht sich in seiner Gesamtheit nicht als reinen Fahrdienst. Es ist ein Rundumservice im Zeichen der Menschlichkeit. Vor Ort werden die Impflinge durchweg durch alle Stationen begleitet. Mit Respekt und Vertrauen, auch bei der Impfung selbst wenn dies gewollt ist. Zum Punkt Sicherheit sei gesagt, dass alle Fahrerinnen und Fahrer im Vorfeld beim DRK eine Erste-Hilfe-Kurs Auffrischung bekommen haben um in eventuellen Notsituation gerüstet zu sein. Mit an Bord sind außerdem auch immer frisches Desinfektionsmittel, Masken oder auch Wasser. Vera Backes, die das Projekt innerhalb des Unternehmens koordiniert, hat mit dem Team an alles gedacht.

Wer die Menschen hinter dem Projekt kennengelernt hat merkt, dass es ihnen eine Herzensangelegenheit ist und genau das braucht es in dieser schweren Zeit wohl mehr denn je. Wer selbst gerne das Impf-Shuttle in Anspruch nehmen möchte oder jemanden kennt, der diese Hilfe dringend bräuchte, sollte nicht zögern sich hier zu melden.

Kontakt Impf-Shuttle DRK:

Montag bis Freitag in der Zeit von 09.00 Uhr bis 12.00 Uhr: 06841 / 99 30913.

Wichtig für die Ansprechpartner*innen im Büro sind die Daten und Fakten: Name, Adresse, Telefonnummer.

 

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