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Wie kann die digitale Lehre im Fach Jura kreativ verbessert werden? Studenten haben ihre Expertise eingebracht: Die besten Ideen zeichnete das Zentrum für Recht und Digitalisierung der Universität des Saarlandes (ZRD Saar) und der Lehrstuhl für Rechtsinformatik nun mit „Preisen für innovatives eLearning“ aus. 

Präsenz ist durch nichts zu ersetzen, darin stimmen an den Universitäten wohl alle überein. Dem rein digitalen Lernen vor dem Bildschirm fehlt es an unmittelbarer Kommunikation, an sozialem Miteinander, am Flair des „echten“ Uni-Lebens. „Digitale Lehrangebote können im Studium jedoch auch nach der Pandemie sinnvoll unterstützen. Nach vier Semestern mit größtenteils digitaler Lehre haben unsere Studierenden wertvolle Erfahrungen gesammelt. Wir wollen diese nutzen, um unsere digitalen Lehrangebote im Fach Jura weiterzuentwickeln“, erklärt Jura-Professor Stephan Weth, Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Recht und Digitalisierung der Universität des Saarlandes. „Digitalisierung hat zahlreiche Facetten und ist für uns eines der zentralen Zukunftsthemen. Das Zentrum für Recht und Digitalisierung ist ein Innovationstreiber, der den Standort im Saarland durch Spitzenforschung und den Wissenstransfer stärkt”, bekräftigt der Chef der Staatskanzlei, Henrik Eitel.

Universitätspräsident Manfred Schmitt sieht in digitalen Lehr- und Lernangeboten eine Chance, um Lehre und Studienqualität an der Universität weiter zu verbessern und Studierenden noch mehr Service und Flexibilität zu bieten. „Die digitale Lehre machte auch während der Pandemie das Studium möglich. Sie hat an unserer Universität sehr gut funktioniert, offenbarte aber auch die Nachteile, die der fehlende persönliche Austausch mit sich bringt. Für uns liegt hier großes Potenzial, digitale Lehr- und Lernwerkzeuge weiterzuentwickeln und den Studierenden künftig auch in Präsenzzeiten anzubieten. Dass Studierende wie die Preisträger ihre Ideen und Erfahrungen einbringen, ist für uns sehr wertvoll“, sagt Manfred Schmitt.

Die eingereichten Konzepte der Studierenden wenden sich gegen oft beschriebene Probleme des digitalen Lernens und Lehrens: auf Seiten der Studierenden sind dies vor allem Motivationsverlust, das Gefühl der Isolation vor dem Bildschirm und die schwierigere Interaktion; auf Seiten der Dozierenden sind es die fehlende Rückmeldung seitens der Studierenden und der Eindruck, wie “gegen eine Wand” zu reden.

Insgesamt neun Konzepte erhielten Preise, vier davon waren Hauptpreise:

Der erste Platz des Preises für innovatives eLearning ist neben der Ehre mit insgesamt rund 1.600 Euro dotiert. Das Preisgeld teilen sich zwei Preisträgerinnen:

Mit ihrem Konzept „Verknüpfung von Theorie, Selbststudium und Interaktion“ konnte Rechts- und Wirtschafts-Studentin Corinna Pfannenstein von der Universität Salzburg die Jury überzeugen. Sie schlägt vor, die Onlinelehre in drei Schritte zu teilen: in digitalen theoretischen Input, Selbststudium und Übungen sowie die Förderung von Interaktion und Kontakt. Die theoretischen Inhalte sollen in Vorlesungen im klassischen Stil, in Form von „Micro-Learnings“ mit kurzem Zeitfenster vermittelt werden. Für ein Selbststudium mit Übungen im Anschluss sollen die Dozentinnen und Dozenten Dokumente anbieten, die die Inhalte vertiefen. In Live-Einheiten (Präsenz oder online) sollen die Inhalte anschließend besprochen werden. Live stattfindende wöchentliche, interaktive Sessions sollen Kontakte fördern. Hier sollen theoretische Inhalte zusammengefasst, Fragen beantwortet und Fall-Lösungen besprochen werden und Studierende in Teams zusammenarbeiten.

Ein weiterer Platz eins geht an Anja Ziegelböck, Jura-Studentin ebenfalls von der Universität Salzburg, für ihr Konzept einer „Virtuellen Universität“: Gegen die Motivationslosigkeit infolge fehlenden Kontakts zu anderen Studierenden setzt sie auf eine virtuelle Welt, in der die Studierenden die Universität mit Avataren ähnlich wie in einem Videospiel besuchen: Der normale Universitätsalltag soll in einer virtuellen Umgebung lebensecht nachgestellt werden. In virtuellen Räumen sollen Vorlesungen stattfinden und Ton und Bild der Lehrenden übertragen werden. Hier soll man sich auch etwa mit den Sitznachbarn unterhalten und Fragen an die Dozenten stellen und mit ihnen interagieren können. Außerdem soll es auf Gängen und in Aufenthaltsräumen die Möglichkeit geben, sich mit anderen Studenten zu treffen, gemeinsam zu lernen und auch soziale Kontakte zu pflegen.

Der zweite Platz und 789 Euro Preisgeld gehen an Janis Pönicke und Lara Leibrock, die Recht und Wirtschaft beziehungsweise Rechtswissenschaft an der Universität des Saarlandes studieren, für ihre Idee „Digital Meet“: Sie schlagen eine digitale Plattform als Website und App vor, mit dem Ziel, einen hybriden Unterricht zu ermöglichen. So sollen zusätzlich zu Präsenzveranstaltungen umfängliche Online-Funktionen gewährleistet werden, welche dafür sorgen, dass auch etwa erkrankte oder verhinderte Studierende an Veranstaltungen teilnehmen können. Die Plattform soll unterschiedliche Informationsquellen miteinander verbinden: So sollen Studierende auf alle für das Studium benötigten Informationen an einem Ort zugreifen können, die bisher über verschiedene Websites und Informationsquellen dezentral verfügbar sind wie Uni-Mails, Lehrstuhlseiten, Studienunterlagen, Klausurinformationen, Stundenpläne oder Meetings.

Jura-Studentin Laura Morgenthal von der Universität des Saarlandes gewinnt mit ihrer „Aufmerksamkeitsampel“ den mit 567 Euro dotierten Platz 3: Dozenten können mit einer solchen Aufmerksamkeitsampel während Online-Vorlesungen die Aufnahmefähigkeit der Studierenden besser einschätzen: Die Studierenden geben dafür ihre Konzentrationsfähigkeit während der Vorlesung für die Dozenten sichtbar an, die dann den Unterricht auf die Bedürfnisse der Studierenden anpassen können.

Das ZRD Saar vergibt die Preise für innovatives eLearning gemeinsam mit dem Lehrstuhl von Professor Christoph Sorge an der Universität des Saarlandes. Der Jury, die die Preisträger auswählte, gehörten Lehrende und Studierende der Universität des Saarlandes sowie in- und ausländische Experten aus Forschung und Praxis an. Das Preisgeld investiert das Saarbrücker Institut für Anwaltsrecht.

Das ZRD Saar der Universität des Saarlandes, das von der Landesregierung in Höhe von 450.000 Euro gefördert wird, will Wissenschaft und Praxis an der Schnittstelle von Recht und Digitalisierung vernetzen. Ziel des Zentrums ist es, aktuelle Fragen, die sich beim digitalen Wandel in der Praxis stellen, zu erforschen, bestehende Forschung sichtbar zu machen und neue Projekte anzustoßen. Vor allem auch junge Menschen will das Zentrum für solche Rechtsfragen sensibilisieren.

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