Zwei Millionen Euro fließen in diesem Jahr in die deutsche Verlagslandschaft – genauer gesagt in jenen Teil, der abseits der großen Konzerne arbeitet. Mit dem Start der Bewerbungsphase für den Deutschen Verlagspreis 2026 rückt die Bundesregierung erneut unabhängige Häuser in den Mittelpunkt, die literarische Nischen pflegen und dabei oft am Rande der Wirtschaftlichkeit agieren. Seit dem 10. Juli können sich Verlage um die Auszeichnung bewerben, die nun bereits zum achten Mal vergeben wird.
Geehrt werden Häuser, die durch ungewöhnliche Programme, kulturelles Engagement oder die schlichte Qualität ihrer Arbeit hervorstechen. Für Kulturstaatsminister Wolfram Weimer geht es dabei um weit mehr als um Bücher. „Unabhängige Verlage spüren mit Mut, viel Herzblut und Ausdauer literarische Entdeckungen abseits des Mainstreams auf“, erklärte er zum Auftakt. Sie eröffneten Einblicke in andere Perspektiven und Lebensentwürfe. Diese Vielstimmigkeit, so Weimer, bewahre „unsere Demokratie vor Einfalt, vor einer Monopolisierung der Meinungen“.
Die Struktur der Preise bleibt weitgehend bestehen: Bis zu drei Verlage dürfen sich auf einen Spitzenpreis von jeweils 50.000 Euro freuen. Weitere bis zu 79 Häuser erhalten eine Prämie von je 18.000 Euro. Größere Verlage mit einem Jahresumsatz von mehr als drei Millionen Euro können immerhin ein undotiertes Gütesiegel bekommen, das ihre Arbeit auszeichnet.
Neu ist in diesem Jahr ein zusätzlicher Sonderpreis. Neben dem etablierten Nachhaltigkeitspreis wird erstmals ein Innovationspreis ausgelobt, der kreative und zukunftsorientierte Projekte, Maßnahmen oder digitale Formate würdigt. Beide Kategorien sind mit jeweils 24.000 Euro dotiert. „Wir wollen neue Impulse in der Branche würdigen“, sagte Weimer. In diesem Jahr würden zum ersten Mal Verlage ausgezeichnet, „die kreative digitale Wege gehen oder zukunftsweisende Modelle im Verlagswesen gestalten“.
Auch personell gibt es Bewegung. Nach dem turnusmäßigen Ausscheiden einiger Mitglieder wurde die Jury teilweise neu zusammengesetzt. Den Vorsitz übernimmt der Journalist, Moderator und Autor Jörg Thadeusz. Ihm zur Seite stehen Alexander Cammann, Isabel Fargo Cole, Ines Dettmann, Katharina Holzmann, Prof. Dr. Friedhelm Marx und Deniz Utlu. Das Gremium bewertet die eingereichten Bewerbungen in einer Gesamtschau und spricht anschließend eine Empfehlung aus, auf deren Grundlage die endgültige Entscheidung fällt.
Das Auswahlverfahren selbst wurde behutsam weiterentwickelt. Bei Bedarf können sowohl die Jury als auch die Behörde des Kulturstaatsministers ein zusätzliches Gremium hinzuziehen, in dem die Partner des Preises – der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Kurt-Wolff-Stiftung – vertreten sind. Damit soll eine transparente und sorgfältige Bewertung strittiger Fragen gewährleistet werden.
Wer sich bewerben möchte, sollte sich beeilen: Die Frist endet am 24. Juli 2026, die Unterlagen sind über die offizielle Website des Preises einzureichen. Die feierliche Verleihung findet dann am 9. Oktober 2026 im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt – dort, wo die Branche ohnehin zusammenkommt.



















